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Michael Bloomberg will sein Medien-Imperium verkaufen – falls er US-Präsident wird

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Das wertvollste privat geführte Medienunternehmen der Welt steht möglicherweise zum Verkauf. Bloomberg L.P. hat seinen Unternehmenswert von geschätzt 60 Milliarden Dollar mit Finanzinformationen über die Kapitalmärkte erzielt, selbst aber bis heute den Gang an die Börse vermieden. Michael Bloomberg könnte in Zukunft verkaufen, sofern er die US-Präsidentschaft gewinnt. Als möglicher Käufer könnte Warren Buffett bereitstehen.

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Der Kampf um die US-Präsidentschaft nimmt Fahrt auf. Nach den ersten Vorwahlen in Iowa und New Hampshire hat sich bei den Demokraten in Form von Bernie Sanders ein Favorit herauskristallisiert, der das Establishment das Fürchten lehrt. Zur Überraschung vieler Beobachter hat sich in den nationalen Umfragen auf den Verfolgerplatz unterdessen ein Kandidat nach vorne geschoben, der erst im vergangenen November ins Rennen eingestiegen ist und überhaupt erst am sogenannten Super Tuesday an den Vorwahlen – den Primaries – teilnimmt – Michael Bloomberg.

Dem 78-jährigen Multimilliardär ist bereits jetzt eine echte Überraschung gelungen: Ohne an einer einzigen TV-Debatte teilgenommen zu haben, hat Bloomberg die renommierten demokratischen Vollblutpolitiker Joe Biden, immerhin acht Jahre Vizepräsident unter Barack Obama, und die verdiente Senatorin für Massachusetts, Elizabeth Warren, bereits hinter sich gelassen. Mit derzeit 19 Prozent rangiert Bloomberg in den Umfragen inzwischen direkt hinter Sanders und hat damit weiter reale Chancen, als demokratischer Herausforderer in den Präsidentschaftswahlkampf gegen Donald Trump zu ziehen.

 

Reichster Medienmogul der Welt greift nach US-Präsidentschaft

Die Erfolgsformel hinter Bloombergs furiosem Februarhoch ist ein offenes Geheimnis: Geld, viel Geld und noch mal Geld. Seit Jahresbeginn flutet der Gründer des Medienimperiums Bloomberg L.P. die klassischen und sozialen Medien mit Wahlwerbung. 400 Millionen Dollar soll Bloombergs Kampagne bis dato gekostet haben – bezahlt komplett aus eigener Tasche.

Für Bloomberg sind es die viel zitierten Peanuts: Der frühere New Yorker Bürgermeister bringt es nach Schätzungen des Wirtschaftsmagazins Forbes auf ein Nettovermögen von 64 Milliarden Dollar. Bloomberg ist damit aktuell nicht nur der zwölftreichste Mann der Welt, sondern auch der wohlhabendste Medienmogul der Welt, schließlich stammt der Löwenanteil aus seinem 1981 gegründeten Finanzinformationsdienst, an dem er weiter 88 Prozent hält: Bloomberg L.P.

Medien-Imperium mit Terminals, TV und Finanzpublikationen

Der Finanzinformationsdienst gilt als Goldstandard für die Investmentbranche. Geld verdient Bloomberg in allererster Linie mit seinen Terminals, die in keinem Wall Street-Film fehlen dürfen: Finanzdaten und -Informationen laufen in Echtzeit auf den Bildschirmen ein.

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Das Geschäft mit der Finanz hat seinen Preis: Enorme 20.000 Dollar kostet aktuell ein Jahresabonnement, das von rund 300.000 Kunden gebucht wird. Der andere Teil des Imperiums besteht aus dem klassischen Medienmix zwischen TV-Kanal, Online-Angebot und Print-Publikationen, wie etwa dem auf der Höhe der Finanzkrise 2009 erworbenen Wirtschaftsmagazin Businessweek, das seitdem als Bloomberg Businessweek vertrieben wird.

Bloomberg-Verkauf im Falle von Präsidentschaft

Einen Börsengang hat Bloomberg bisher vermieden; entsprechend ist das US-Unternehmen nicht dazu verpflichtet, seine Konzernbilanz zu veröffentlichen. Es gilt jedoch als gesichert, dass Bloomberg L.P. im vergangenen Jahr Umsätze in Höhe von 10 Milliarden Dollar eingefahren haben soll. Der Wert des Medien-Imperiums wird auf über 60 Milliarden Dollar taxiert.

Mit der Bewerbung um das Weiße Haus war in den vergangenen Monaten die Frage aufgekommen, was aus Bloombergs Anteil an seinem Unternehmen werden würde, sollte er die Präsidentschaft gewinnen. Tim O’Brien, Chefredakteur von Bloomberg Opinion und seit November leitender Wahlkampfmanager von Bloomberg, erklärte gestern gegenüber der AP, Bloomberg wolle den Medienkonzern in Falle eines Wahlsieges zunächst in eine Stiftung überführen und dann verkaufen.

Warren Buffett könnte zugreifen

“Wir wollen uns in Sachen Interessenkonflikten zu 180 Grad von Donald Trump unterscheiden”, verteilte O’Brien einen Seitenhieb in Richtung des amtierenden US-Präsidenten. Trump hatte seine Unternehmen nach dem Wahlsieg ebenfalls in einer Stiftung gebündelt, die von seinen Kindern geleitet wird. Bloomberg selbst hatte im Dezember erklärt, er wolle “noch zu Lebzeiten verkaufen”, falls ein geeigneter Käufer auf den Plan tritt.

Das könnte ein noch reicherer Parteifreund sein: Warren Buffett, mit einem Nettovermögen von 90 Milliarden Dollar drittreichster Mann der Welt, wird ein mögliches Interesse nachgesagt. Hedgefondsmanager Doug Kass nannte die mögliche Übernahme durch Buffett heute bereits eine der Überraschungen für 2020.

Eine erste Hürde auf dem Weg dahin muss Bloomberg unterdessen heute Nacht deutscher Zeit selbst nehmen: Der 78-Jährige trifft in seiner ersten mit Spannung erwarteten TV-Debatte auf den Rest der demokratischen Herausforderer, die ihn fast geschlossen beschuldigen, “die Wahl kaufen zu wollen”.

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