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„Hamburger Morgenpost“-Drama: DuMont-Chef Bauer will Mitarbeiter am Donnerstag informieren

DuMont-Chef Christoph Bauer

Die Entscheidung über die Zukunft der “Hamburger Morgenpost“ rückt näher. DuMont-Chef Christoph Bauer will den Mitarbeitern am Donnerstag mitteilen, wie der Stand der Verhandlungen ist. Erwartet wird, dass der Verlagschef den künftigen Eigentümer der Traditionszeitung präsentiert.

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Ursprünglich wollte DuMont-Chef Christoph Bauer die Belegschaft der „Hamburger Morgenpost“ bis Ende Januar informieren, wie es mit der norddeutschen Boulevardzeitung weitergeht. Doch die Essener Funke Mediengruppe hatte überraschend die Gespräche mit dem Kölner Verlagshaus abgebrochen (MEEDIA berichtete). Funke hatte sich aus kartellrechtlichen Gründen nur dafür interessiert, das Online-Portal mopo.de zu erwerben. Die Print-Ausgabe wäre bei einem Deal mit Funke vermutlich eingestellt worden – das zumindest befürchteten große Teile der “Mopo“-Redaktion.

Info-Termin am Donnerstag

Nun scheint eine neue Lösung in greifbare Nähe zu rücken. DuMont-Chef Christoph Bauer will die Mitarbeiter am Donnerstag um 11.30 Uhr über den „aktuellen Stand des Prozesses“ informieren. Das geht aus einem Intranet-Eintrag hervor, der MEEDIA vorliegt. Vom Verlag hieß es auf Nachfrage lediglich, dass der Prozess noch andauert. In der „Mopo“-Belegschaft wird erwartet, dass der Konzernchef den Mitarbeitern einen neuen Interessenten präsentiert, der die norddeutsche Regionalzeitung erwirbt. Dazu könnte der Aufsichtsrat von DuMont die notwendigen Weichen stellen, der heute tagt.

Wer die Zeitung nach dem Rückzug von Funke erwirbt, ist weiter unklar. In Branchenkreisen kursieren Gerüchte, wonach ein mittelständischer Unternehmer aus Norddeutschland nach dem Blatt greifen könnte. Ganz aus dem Rennen ist offenbar auch nicht die „Mopo“-Geschäftsführerin Susan Molzow. Sie will das Blatt im Rahmen eines Management-Buy-Outs erwerben. Doch die Geschäftsfrau verlangte hierfür angeblich zuletzt eine finanzielle Mitgift von bis zu vier Millionen Euro. DuMont ist aber angeblich nicht bereit, einen negativen Kaufpreis für die Zeitung zu akzeptieren, heißt es in Unternehmenskreisen.

Neuer Eigentümer vor großen Herausforderungen

Sollte die „Mopo“ nun einen neuen Eigentümer bekommen, steht dieser vor gewaltigen Herausforderungen. Der von „Mopo“-Chefredakteur Frank Niggemeier Anfang 2018 durchgeführte Relaunch der Zeitung vom reinen Boulevard-Blatt zu einem Debatten- und Meinungstitel ist gescheitert. Lag der wichtige Einzelverkauf der gedruckten Ausgabe im 1. Quartal 2018 noch bei 41.540 Exemplaren, waren es im 4. Quartal 2019 nur noch etwas mehr als 30.600 Stück. Branchenexperten gehen deshalb davon aus, dass ein Erwerber beim Blattkonzept wieder an alte Zeiten anknüpfen würde. Dazu gehören vor allem mehr eigene exklusive Geschichten über die Hamburger Politik und Wirtschaft. Zuletzt hatte die Redaktion vorhandene und gute geklickte Geschichte aus dem Netz aggregiert und diese im Blatt weitergedreht.

Fraglich ist, ob ein künftiger Besitzer der „Mopo“ weiterhin an einer Zusammenarbeit mit dem zu Madsack gehörenden Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) interessiert ist. Denkbar wäre, dass die Zeitung wieder eigene Korrespondenten in Berlin einsetzt, um hier relevante bundespolitische Themen für die Region Hamburg herunterzubrechen. Kommt es dazu, würde die Madsack Mediengruppe einen weiteren RND-Kunden verlieren. Denn die einst zu DuMont gehörende „Berliner Zeitung“ arbeitet seit Anfang Februar nicht mehr mit dem journalistischen Netzwerk zusammen. Grund hierfür ist, dass Neu-Verleger Holger Friedrich die Hauptstadtzeitung wieder komplett auf eigene Füße stellen will.

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