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Wegen Klimakrise: Der „Guardian“ nimmt ab sofort keine Anzeigen von Öl- und Gasfirmen mehr an

Das Guardian-Gebäude in London

Die britische Zeitung „The Guardian“ hat verkündet, ab sofort keine Werbe-Anzeigen von Öl- und Gasfirmen mehr anzunehmen. Das Medienhaus will außerdem CO2-neutral werden und die Berichterstattung über die weltweite Klimakrise intensivieren.

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Der Anzeigenbann gilt ab sofort und betrifft Unternehmen, die fossile Brennstoffe fördern. Umwelt-Aktivisten hätten schon lange darauf hingewiesen, dass Energiefirmen teure Anzeigen-Kampagnen nutzten, um ihre Aktivitäten zu „greenwashen“, also mit einem ökologischen Anstrich zu versehen, der in erster Linie ein PR-Effekt ist.

Schon im vergangenen Jahr hat „Guardian“-Chefredakteurin Katharine Viner angekündigt, dass das Medium seinen Style-Guide aktualisiert und künftig Begriffe wie „climate emergency“ („Klima-Notstand“) und „global heating“ („globale Erhitzung“) statt „Klimawandel“ und „globale Erwärmung“ verwendet werden.

Das Unternehmen Guardian Media Company (GMC) hat sich zudem verpflichtet bis 2030 CO2-neutral zu werden. Die Stiftung Scott Trust, der der „Guardian“ gehört, wird ihre Investments in fossile Brennstoffe stoppen. Wie die Zeitung mitteilt, erzielt sie derzeit noch 40 Prozent ihres Umsatzes mit Werbung, der Schritt ist also nicht ohne Risiko.

GMC-Chief Executive Anna Bateson und -Chief Revenue Officer Hamish Nicklin erklärten, dass sich vermutlich einige Leser wünschen würden, dass das Unternehmen auch Anzeigen von Firmen mit einem signifikanten CO2-Fußabdruck ablehnen würde, also auch z.B. Autofirmen oder Tourismus-Unternehmen. Dies sei aber aktuell nicht mit dem krisenbehafteten Geschäftsmodell der Medienindustrie vereinbar und könnte den „Guardian“ in wirtschaftliche Existenznot bringen.

Die beiden Guardian-Manager erklärten, sie hoffen, dass der Anzeigen-Bann andere Kunden anlockt und sich weitere Leser entscheiden, den „Guardian“ finanziell zu unterstützen. Der Aufruf zur finanziellen Unterstützung findet sich passenderweise auch unter dem Beitrag zum Anzeigen-Bann.

Greenpeace UK hat den Schritt des „Guardian“ begrüßt und andere Medien-Firmen sowie Sport- und Kultureinrichtungen aufgefordert, dem Beispiel zu folgen.

swi

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