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Brandbrief der ”Mopo“-Belegschaft an DuMont-Chef Bauer: „Insolvenz würde die Marke weiter schwächen“

DuMont-Chef Christoph Bauer

Die rund 80 Mitarbeiter der „Hamburger Morgenpost“ sind besorgt, dass die Kölner DuMont Gruppe bei der traditionsreichen Boulevardzeitung den Stecker ziehen könnte. Jetzt hat die Belegschaft in einem Brandbrief an DuMont-Chef Christoph Bauer appelliert, die Zeitung zu erhalten.

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Bislang hatte die „Mopo“-Belegschaft noch die Hoffnung, dass Geschäftsführerin Susan Molzow die Boulevardzeitung übernimmt. Die Medienmanagerin will die Zeitung erwerben, verlangt allerdings von DuMont-Chef Christoph Bauer eine finanzielle Mitgift. (MEEDIA berichtete).

Ob Molzow noch Chancen hat, wird immer fraglicher. Darum haben die rund 80 Mitarbeiter der „Mopo“ einen Brandbrief an DuMont-Chef Christoph Bauer verfasst. Darin fordern sie den Medienmanager auf, das Unternehmen nicht in die Insolvenz zu führen oder einen Teilverkauf von mopo.de anzustreben. „Die Gerüchte, die uns erreichen, wären für die ‚Mopo‘ alles andere als die beste Lösung. Eine Insolvenz würde die Marke nur noch weiter schwächen. Ein Teilverkauf von Online (ohne Redaktion) an Funke würde die Medienlandschaft in Hamburg empfindlich treffen“, erklären die Mitarbeiter in einem Schreiben, das MEEDIA vorliegt.

„Einschränkung der Meinungsvielfalt in Norddeutschland“

Dies wäre eine „klare Einschränkung der Meinungsvielfalt in Norddeutschland“, an der die Kölner eine Mitverantwortung tragen würden, heißt es in dem Schreiben. „Dass DuMont der Demokratie in Deutschland einen solchen Schaden zufügen könnte, können wir uns kaum vorstellen, wäre es doch mit einem erheblichen Gesichtsverlust für das Kölner Traditionshaus verbunden“, so die Belegschaft. Sie fordert den DuMont-Chef auf, die „Mopo“ „als unabhängige und eigenständige Stimme“ mitsamt ihrer Lokalkompetenz in Form ihrer Redakteure zu erhalten. Die Boulevardzeitung gehöre „zu Hamburg wie der Dom zu Köln. Sie steht für Tradition, für Stadtgeschichte und -geschichten und ist für jeden Hanseaten ein Stück Identität. Diese kleine, freche Zeitung, die stets gerne auch mal gegen den Strom schwamm und Giganten wie Springer und Funke die Stirn bot, prägt bis heute das Bild von Kiosken, von Kneipenauslagen, von U-Bahn-Fahrten.“

In den vergangenen Monaten hatten die „Mopo“-Redakteure in einem Kraftakt, die digitale Transformation der Zeitung vorangetrieben. „Wir sind den schwierigen Weg der Digitalen Transformation mitgegangen und haben in erheblichem Maße zum Erfolg der Reichweitenstrategie von DuMont beigetragen“, so die Belegschaft. Und weiter: „Aus Liebe zu dieser Zeitung arbeiten viele von uns auch deutlich über unsere Kapazitätsgrenzen hinaus. Die ‚Mopo‘ ist unser zweites Zuhause. Und DuMont ist unser Dach. Und auch wenn das Dach seit einem Jahr löchrig ist, haben wir durchgehalten“.

Bis Ende des Monats will DuMont-Chef Bauer entscheiden, was aus der Tageszeitung wird. Erst vergangene Woche hatte DuMont die „Mitteldeutsche Zeitung“ mir rund 1.000 Mitarbeitern an die Hamburger Bauer Media Group veräußert (MEEDIA berichtete).

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