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Deutsche Welle: Mitarbeiter und Personalrat widersprechen Rassismus-Vorwürfen in “Guardian”-Artikel

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Der britische "Guardian" hat in einem Artikel von massiven Rassismus- und Mobbing-Vorwürfen bei der Deutschen Welle (DW) berichtet. Der Text vermittelte den Eindruck bei dem Auslandssender herrsche ein Klima der Angst. Mitarbeiter der DW wenden sich nun in einem offenen Brief gegen die Berichterstattung. Auch der Personalrat widerspricht.

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In dem Text des “Guardian” ist die Rede von zahlreichen Vorfällen, bei denen Mitarbeiter der Deutschen Welle rassistisch und antisemitisch angegangen worden seien (MEEDIA berichtete). Die Senderleitung sei entsprechenden Beschwerden nicht nachgegangen und habe stattdessen mit rechtlichen Schritten und Repressalien gedroht. Laut einer Verdi-Sprecherin sei in einem Fall ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin der DW nach einer Beschwerde sogar entlassen worden.

Die DW erklärte zu den Vorwürfen, dass die beschriebenen Fälle alle mindestens 18 Mnate zurückliegen und der Sender in jedem Fall aktiv geworden sei. Die Verursacher der Vorfälle seien nicht mehr beschäftigt. Den Vorwurf von Repressalien weist die DW scharf zurück und verweist auf ihre Null-Toleranz-Politik, was Belästigung und Mobbing betrifft.

Offener Brief der DW-Mitarbeiter

Jetzt haben sich auch Mitarbeiter des Senders in einem offenen Brief zu Wort gemeldet, der an den “Guardian” ging aber u.a. auch an Redaktionen wie “Welt” und “Bild”, die den “Guardian” Bericht aufgegriffen hatten. “Das Arbeitsumfeld, welches Sie in Ihrem Artikel beschreiben, hat keine Ähnlichkeit mit dem Newsroom, in dem wir heute arbeiten”, heißt es in dem offenen Brief.

Der Newsroom der DW in Berlin heute sei “eine hochprofessionelle, freundliche und positive Arbeitsumgebung”. Und weiter: “Wenn gelegentlich Meinungsverschiedenheiten auftreten, geht es normalerweise um inhaltliche Fragen, Fakten, Grammatik oder auch Ausgewogenheit, im steten Bemühen, unsere journalistische Arbeit zu verbessern.”

Es handele sich bei den im “Guardian” geschilderten Vorgängen um “vereinzelte Vorfälle, die ganz konkret mit einzelnen Mitarbeitern in Verbindung gebracht werden können.” Dies als “systematisch” zu beschreiben sei “nicht korrekt und unfair den hunderten Mitarbeitern gegenüber, die nichts damit zu tun haben. Es bringt eine anständige Organisation in Verruf, die täglich großartige Arbeit abliefert mit fairem und auf Fakten gestützten Journalismus.”

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Die DW-Mitarbeiter, die den offenen Brief verfassten, werfen dem “Guardian” vor, keinen “anderen Blick” zugelassen zu haben und niemanden aus der aktuellen DW-Belegschaft zu Wort kommen zu lassen. Die Geschichte im “Guardian” sei zudem fehlerhaft: “Vorfälle, von denen wir wissen, dass sie in anderen Abteilungen stattgefunden haben, werden dem Newsroom zugerechnet. Unzutreffender Weise wird die Geschäftsleitung als ausschließlich männlich beschrieben. Tatsächlich gibt es mehrere Frauen in der Unternehmensführung.”

Dass es in der Vergangenheit Probleme innerhalb der DW gab, wird dabei nicht bestritten: “In unserem Unternehmen gibt es Probleme wie in jedem anderen auch, und es ist kein Geheimnis, dass die Situation vor einigen Jahren schlechter war als jetzt. Heute jedoch kommen die meisten Mitarbeiter der DW gern zur Arbeit.” Im vergangenen Jahr verließ u.a. ein Moderator des arabischen Programms den Sender nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung. Der Moderator stritt die Vorwürfe allerdings ab.

Kritik vom Personalrat

Der Personalrat der DW kritisiert den “Guardian”-Artikel als “journalistisch unsauber”: “Er vereinfacht, suggeriert Zusammenhänge, wo keine sind und nennt keine Quellen.” Dies ist freilich nicht ganz korrekt, denn Quellen nennt der “Guardian”. Der Artikel bezieht sich auf mehrere anonyme Quellen und zitiert nennt ein Mobbing-Opfer sogar namentlich.

Der Personalrat verschickte in seiner internen Stellungnahme zudem die Namen und Kontaktdaten von internen und externen Ansprechpartnern, falls jemand missbräuchliches Verhalten melden will.

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