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Coup im Printmarkt: Was die Bauer Media Group mit der “Mitteldeutsche Zeitung” vorhaben könnte

DuMont-CEO Christoph Bauer (l.), Bauer-Chef Veit Dengler
DuMont-CEO Christoph Bauer (l.), Bauer-Chef Veit Dengler Fotos: DuMont, Bauer

Nun ist es Fakt: die Bauer Media Group greift sich die zu DuMont gehörende "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle. Damit kann das Hamburger Magazinhaus, zu dem bereits die "Magdeburger Volksstimme" gehört, viele Synergien heben. Kartellrechtlich dürfte der Deal Bauer kaum Probleme bereiten. Beide Regionalblätter sind in verschiedenen Verbreitungsgebieten in Sachsen-Anhalt tätig.

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Fast ein Jahr hat die Belegschaft auf die Nachricht gewartet, ob und an wen DuMont-Chef Christoph Bauer die “Mitteldeutsche Zeitung” veräußert. Jetzt haben die Mitarbeiter Gewissheit. Neuer Eigentümer des Regionalverlags in Halle wird – wie bereits erwartet – die Hamburger Bauer Media Group. Um 10 Uhr verkündete der DuMont-Chef den Arbeitnehmern die Botschaft in der Kantine in der Delitzscherstraße in Halle. “Wir haben uns die Entscheidung, die Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung aus dem DuMont Verbund zu lösen, nicht leicht gemacht. Das Medienhaus in Halle hat sich in den vergangenen Jahren beachtlich entwickelt und sehr erfolgreich Antworten auf die herausfordernden Rahmenbedingungen in Sachsen-Anhalt gefunden”, erläutert DuMont Aufsichtsratsvorsitzende Isabella Neven DuMont. “Die Nutzung von Synergien ist der Schlüssel zu langfristigem Erfolg im regionalen Zeitungsgeschäft. Wir sind davon überzeugt, dass die Bauer Media Group der richtige neue Eigentümer für diesen Kurs ist.”

Auch Anzeigenblätter und TV Halle sind betroffen

Marco Fehrecke, Leiter der Mediengruppe Magdeburg, soll die Führung der Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung übernehmen. Bauer übernimmt die rund 1.100 Mitarbeiter des ostdeutschen Verlags, sämtliche vertraglichen Vereinbarungen bleiben bestehen. Der Verkauf umfasse neben der Zeitung auch das News-Portal mz.de, die Anzeigenblätter “WochenSpiegel” und “Super Sonntag” mit einer wöchentlichen Gesamtauflage von rund 1,3 Millionen und 27 Lokalausgaben, die Aktivitäten in Logistik und Druck, den regionalen TV-Sender TV Halle sowie Aktivitäten in Ticketing und Satz-Dienstleistungen.

Für den Erwerb der Zeitung hat die Bauer Media Group vermutlich tief in die Tasche gegriffen haben. Wie üblich äußern sich die Verhandlungspartner zwar nicht zu den Kaufmodalitäten, doch es wird spekuliert, dass sich der Preis für die Zeitung bei rund 50 Millionen Euro bewegen soll. Denn das Printhaus in Halle gilt als hochprofitabel und wirft angeblich einen geschätzten einstelligen Millionengewinn ab.

Für Bauer ergibt der Zukauf Sinn

Für Bauer-Chef Veit Dengler ergibt die Akquisition viel Sinn. Denn zur Bauer Media Group, die vor allem im Zeitschriftengeschäft aktiv ist, gehört bereits die “Magdeburger Volksstimme”, die sich wie die “Mitteldeutsche Zeitung” in Sachsen Anhalt befindet. Doch beide Regionalzeitungen bedienen unterschiedliche Verbreitungsgebiete – die “Magdeburger Volksstimme” schielt auf die Leser im nördlichen und mittleren Gebiet des Bundeslandes, die “Mitteldeutschen Zeitung” hingegen auf den südlichen Teil von Sachsen-Anhalt. Damit dürfte das Kartellamt durch die strikte räumliche Trennung der Verbreitungsgebiete Bauer-Chef Veit Dengler kaum Steine in den Weg legen. Dennoch müssen die Wettbewerbshüter dem Deal formal zustimmen.

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Die örtliche Nähe der beiden Regionalzeitungen hat für Bauer-Chef Veit Dengler große Vorteile. Der gebürtige Österreicher kann die beiden Verlage enger miteinander verknüpfen und dadurch diverse Synergien heben – von der Verwaltung bis hin zu den Druckereien. Die beiden Redaktionen bleiben hingegen unabhängig, um die Pressevielfalt im Land nicht zu gefährden.

Der Verkauf der “Mitteldeutschen Zeitung” kommt nicht überraschend. DuMont-Chef Bauer hat seit Jahresanfang das gesamte Zeitungsreich auf den Prüfstand gestellt. Erst verkaufte er den Berliner Verlag mit der “Berliner Zeitung” an das Unternehmerpaar Holger und Silke Friedrich, jetzt wechselt die “Mitteldeutsche Zeitung” den Besitzer. Am Konzernstandort Köln will er hingegen am “Express” und dem Kölner “Stadt-Anzeiger” festhalten. Offen ist lediglich, was aus der “Hamburger Morgenpost” werden soll. Dazu will sich DuMont Ende Januar äußern.

Strukturelle Rahmenbedingungen “herausfordernd”

“Der Überprüfungsprozess unseres Portfolios war von Anfang an ergebnisoffen angelegt, verbunden mit dem Anspruch, jedes Medienhaus mit seinen spezifischen Rahmenbedingungen zu bewerten und die jeweils bestmögliche Zukunftsoption zu erarbeiten. Auch die Entscheidung für Halle haben wir vor diesem Hintergrund getroffen”, sagt DuMont-CEO Bauer. Und fügt hinzu: “Schon heute sind die strukturellen Rahmenbedingungen in Sachsen-Anhalt sehr herausfordernd. Der starke Verbund mit der Mediengruppe Magdeburg ist der richtige Ansatz, um die ‘Mitteldeutsche Zeitung’ langfristig bestmöglich abzusichern.”

Mit dem Zukauf der “Mitteldeutschen Zeitung” verfügt der Bauer Verlag in Sachsen-Anhalt über eine Gesamtauflage von rund 300.000 Exemplaren. Davon entfallen auf die Zeitung in Halle rund 151.000 verkaufte Stück (IVW 3. Quartal 2019). Die “Mageburger Volksstimme”, die dem Bauer Verlag seit 1991 gehört, liegt mit rund 150.000 verkauften Exemplaren leicht darunter.

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Alle Kommentare

  1. Gleich ein Tipp aus Mitteldeutschland: den “Wochenspiegel” bitte sofort einstellen, da steht dasselbe wie im “SuperSonntag” drin, offenbar reine ABM Massnahme. Und: den externen Werbemuell im “SuperSonntag” bitte drastisch reduzieren, es passt schon nicht mehr in das Standardpostfach, jedesmal zerreisse ich die halbe Zeitung dabei, beim “rauswuergen” aus dem Postfach! Schoen Tach auch.
    Nachsatz: bisher gabs eine Informationsdemarkat..tationslinie in Sachsen Anhalt, vielleicht auch mehrere: zwischen Volksstimme und Mitteldeutschem L…blatt. Kein Buerger sollte zu weit informiert sein! Alle in ihrer Mikroregion versauern lassen! Es waere schoen eine einzige TAgeszeitung fuer das Land Sachsen Anhalt zu schaffen, die Leute wollen nicht nur wissen, was in ihrem beschiss… Dorf los ist *naemlich nix

  2. Sind die nicht Print-Ableger von VEB Antifa alias “de.indymedia.org” – zumindest werden deren Texte da 1zu1 übernommen.

    Ja ja, die Qualitätsjournalisten mit Auftrag.

  3. Erfreulich für die Belegschaft der Mitteldeutschen, zugleich aber wohl nun entgültig das Aus für die Hamburger Morgenpost.

    Ohne Großinvestor von Außen ist das marode Blatt von der Elbe nicht zu retten.
    Und bei dem “Angebot” von Morgenpost-Geschäftsführerin Susan Molzow stellt sich doch ernsthaft die Frage, daß wenn sie wirklich einen Weg kennen würde die Zeitung zu retten, warum sie ihn dann nicht schon vor Jahren eingeschlagen hat?

    Nein, Frau Molzow Geld in die Hand zu geben hieße, gutes Geld dem schlechten hinterwerfen.

    Manchmal ist ein Ende mit Schrecken (obwohl seit Jahren absehbar), eben doch besser als ein Schrecken ohne Ende. Die Morgenpost Mitarbeiter hätten spätestens nach dem Weggang von Maik Koltermann und Matthias Linnenbrügger gegen die Chefredakteure aufbegehren müssen, die mit ihrem journalistischen Kurs die Zeitung vor die Wand gefahren haben.

    Am 17.1.2020 werden vorrausichtlich die Auflagenzahlen für das 4. Quartal 2019 veröffentlicht. Für die Morgenpost vielleicht das letzte Mal.

    1. Ich stimme Ihnen in Ihrer Bewertung über die Zukunft der MoPo zu. Habe diese Zeitung früher auch gerne gelesen, aber mittlerweile schreiben so derbe am Leser vorbei, als würden die das mit Absicht machen. Die MoPo kostet in Hamburg auch schon 20 cent mehr als der ewige Rivale “Bild Hamburg” – die Abendausgabe wurde eingestellt, usw.
      Für mich ist diese Zeitung auch nicht mehr zu retten.

  4. “Die beiden Redaktionen bleiben hingegen unabhängig, um die Pressevielfalt im Land nicht zu gefährden.” Ja nee, is klar. Das ist der goldene Weg “Synergien zu heben”, so wie es alle anderen Zeitungsunternehmen mit mehreren Titeln auch tun.

    Die Synergieeffekte entstehen später auf jeden Fall bei der Landespolitik und allen anderen gesellschaftlichen Institutionen und Organisationen des Landes: Die müssen sich bald nicht mehr mit zwei Zeitungsredaktionen herumplagen, die womöglich auch noch unterschiedliche Dinge herausfinden wollen. In Zukunft geht man einfach zu der Zentralredaktion für Sachsen-Anhalt, und die weiß dann auch genau, was im Land geht. Ein Schelm, wer “Erich” dabei denkt!

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