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Deutsche Welle: Freie Mitarbeiter warnen vor „Kahlschlag“ beim Online-Angebot

Peter Limbourg - Intendant der Deutschen Welle

50 freie Mitarbeiter der Deutschen Welle (DW) kritisieren in einem offenen Brief an Medien-Staatsministerin Monika Grütters (CDU) die Spar-Bemühungen des Auslandssenders vor allem im Online-Bereich. Es sei zu befürchten, dass Intendant Peter Limbourg „das deutsche Online-Programm mittelfristig einzustellen“. Die DW-Führung weist die Kritik zurück.

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Bereits im Februar würden „massive Kürzungen“ wirksam werden, die – so die Sorge der Mitarbeiter – einem „Kahlschlag“ gleichlämen und die deutsche Online-Präsenz der Deutschen Welle (DW) „völlig zu marginalisieren“ drohe.

„Das Angebot unter dw.com ist das einzige verbliebene deutschsprachige 24/7-Vollprogramm der DW, das Nutzerinnen und Nutzer in allen Zeitzonen der Welt rund um die Uhr auf dem aktuellsten Stand hält. Doch ab Februar 2020 ist das Geschichte“, heißt es in dem Schreiben. Nach der Streichung zahlreicher Redaktionsschichten besonders während der deutschen Nacht entstehe eine neun- bis zehnstündige Informationslücke.

„Wir befürchten, dass zahlreiche Nutzer die Seite nicht mehr besuchen, wenn sie über Stunden keine aktuellen Themen und deren Entwicklung auf dw.com mehr vorfinden“, heißt es in dem Brief weiter. Die Mitarbeiter verweisen hirzu auf zahlreiche aktuelle Entwicklungen, die sich während der deutschen Nacht ereignen, zuletzt etwa die Eskalation zwischen den USA und dem Iran.

Von der Staatsministerin für Kultur und Medien erhoffe sich die Unterzeichner des Briefes eine Rücknahme „der extremen Kürzungen im Bereich Deutsch, eine Stärkung der deutschen Sprache bei der DW und ein Bekenntnis, dass Deutsch auch weiterhin der Kern der Deutschen Welle bleiben soll und nicht immer mehr zum ungeliebten Stiefkind wird.“

DW-Programmdirektorin Gerda Meuer weist die Kritik der freien Mitarbeiter zurück. „Die Geschäftsleitung der DW steht selbstverständlich zur Versorgung ihrer Nutzerinnen und Nutzer mit einem deutschen Online-Programm. Auch von einem ‚Kahlschlag‘ von Deutsch Online kann überhaupt nicht die Rede sein.“

Die Profilschärfung Online sei eine Neuausrichtung des digitalen Angebots. Redaktionsschichten bei Online Deutsch würden verlagert werden, um die Regionalisierung zu stärken. Die meisten dieser Schichten würden in andere Bereiche verlagert, um die Profilschärfung umsetzen zu können, so Meuer.

„Wir werden selbstverständlich auch die Nachtversorgung im deutschen Onlineangebot weiter aufrechterhalten. Das bedeutet konkret, dass lediglich zwischen 2.00 Uhr und 5.40 Uhr morgens ein Channel Manager das Angebot allein verantwortet“, erläutert die DW-Programmchefin. Sorgen, dass es hier zu Informationslücken kommen wird, seien unbegründet.

Zielgruppe des deutschen DW-Angebots seien Menschen im Ausland, die auch Deutsch sprechen und in der Regel eine andere Sprache als Muttersprache haben. Eine erste Information zu aktuellen Entwicklungen würden diese Menschen daher vor allem über ihre nationalen Angebote erhalten, heißt es von Seiten der Deutschen welle. Die deutschsprachige Zielgruppe sei darum vor allem an den großen politischen Entwicklungen und Analysen, Reaktionen und Reportagen interessiert. Dem würde durch die Neuaufstellung Rechnung getragen.

swi

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