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Alles neu beim “Spiegel” im Web – so will Chefredakteur Klusmann neue Digitalabonnenten gewinnen

Chefredakteur Steffen Klusmann, neue “Spiegel”-Website: “mehr Tempo, mehr Tiefe”
Chefredakteur Steffen Klusmann, neue "Spiegel"-Website: "mehr Tempo, mehr Tiefe" Fotos: Spiegel Verlag

Erst hat der "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann die Print- und Online-Redaktion verschmolzen, jetzt schlägt der frühere "FTD"-Macher auch optisch und inhaltlich ein neues Kapitel an der Ericusspitze auf. Er hat den Webauftritt radikal umgebaut, um mehr Digitalabos zu erzielen – und den Verlag unabhängiger von der Reichweiten-Vermarktung zu machen.

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Noch hängt das Schild von “Spiegel Online“ an der Außenfassade des Verlagsgebäudes. Eine sperrige Schraube verhinderte, dass die Haustechnik das Metallstück rechtzeitig abbauen konnte. Denn “Spiegel Online” ist ab sofort Geschichte. Nach 25 Jahren verschwindet der Name für den digitale Ableger des “Spiegel” in der medialen Versenkung. Chefredakteur Steffen Klusmann reiht den Webauftritt unter die Dachmarke “Der Spiegel” ein.

So sieht die neue Homepage des “Spiegel” aus

Damit verschmilzt der frühere “FTD”-Chef optisch die gedruckte und die digitale Welt der Spiegel-Gruppe. Denn längst wird das Angebot an der Ericusspitze, egal ob Print oder der Webauftritt, von den Nutzern als eine Marke wahrgenommen. “Der neue digitale ‘Spiegel‘ wird im Kern weiter eine Nachrichtenseite bleiben, aber deutlich magazinger und lehnt sich von Optik, Typografie und Bildsprache stark an das Printprodukt an”, beschreibt Klusmann den Umbau. Dabei soll der neue Auftritt zwei journalistischen Stärken des Verlagshauses ausspielen: “Tiefe und Tempo”. Dafür haben Klusmann und Co-Chefredakteurin Barbara Hans den Online-Auftritt radikal umgebaut, neue Ressorts eingeführt, Schriften und Design verändert.

Neue Themenblöcke und Ressort “Leben”

Wichtigste Neuheit sind Themenblöcke, die die Aufmachung der Seite bestimmen. Optisch und inhaltlich vereint hier der Online-Auftritt mehrere Beiträge zu großen Nachrichtenlagen – wie jetzt der Krise im Iran – zu einem Themenkomplex. Darin enthalten sind unterschiedlichste Formate wie reine Berichte, Podcasts, Analysen oder Kommentare. “Mit den neuen Themenblöcken erkennen Leser leichter auf einen Blick, was wir alles zu der Nachricht bieten”, so Klusmann. Doch das ist nicht alles. Auch ein Ressort “Leben” ist Teil der runderneuerten Seite. Dort fassen Klusmann und Hans Themen wie Reise, Stil, Gesundheit, Psychologie und Familie zusammen.

Trump im Spiegel: Auch eine Kampagne begleitet den digitalen Relaunch

“Wir wollen im Ressort Leben Geschichten erzählen, wie die Leser ihren Alltag besser gestalten können. Denn wir haben festgestellt, dass es für uns hier einen ziemlich großen Markt gibt“, sagt der “Spiegel”-Chef. Vereinzelnd sollen Themen aus diesem Bereich auch ins gedruckte Heft wandern. Ein Beispiel hierfür ist wohl die jüngste Titelgeschichte “Raus aus der Ehrgeiz-Falle”, die unsere tägliche Selbstoptimierung anprangert.

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“Eines Tages” verschwindet

Das an Kinder gerichtete Produkt “Dein Spiegel” bekommt auf der neuen Website einen festen Platz, der “Karriere-Spiegel” verschwindet und wird zu einem neuen Job- und Karriere-Channel, der gemeinsam mit einem Team des “Manager Magazin” erstellt wird und mehr Gewicht bekommen soll. “Eines Tages” wird mit dem Relaunch aufgelöst und zu “Spiegel Geschichte”, das Jugendprodukt “Bento” wurde neu posioniert, “Spiegel.tv” als Mediathek geht in “Spiegel Video” auf. Und “Spiegel Audio” bekommt eine eigene Präsenz, um das Geschäft mit Podcast voranzutreiben.

Ziel: mehr digitale Abos

Hintergrund der Neuausrichtung ist, dass sich die Spiegel-Spitze hierdurch mehr digitale Abos erhofft. Bislang sind es 125.000 Stück. Dauerhaft sollen es deutlich mehr werden, um den Verlag stärker von der Reichweitenvermarktung der Seite unabhängiger zu machen. Denn das Werbegeschäft ist hart umkämpft, obwohl das Printhaus mit der zu Bertelsmann gehörenden Ad Alliance einen großen Vermarkter im Rücken hat. Immer mehr gesetzliche Anforderungen und Wettbewerber wie Google, Facebook & Co. erschweren den Verlagen, ihre Anzeigenerlöse zu steigern. Der drohende konjunkturelle Einbruch dürfte den Vermarkter weitere Sorgen beraten. Um die Erlöse zu steigern, wurde auch Spiegel+ besser in die Seite integriert und auf S+ eingedampft. “Der neue digitale Spiegel soll uns helfen, diesen Shift zum Bezahlmodell besser auszutarieren”, meint Klusmann.

Mit dem Relaunch der Website hat sich auch die Arbeitsweise der Redaktion geändert. Seite an Seite arbeiten Print und Online-Redakteure im In- und Ausland. “Es gibt keinen Korrespondenten mehr da draußen in der ‘Spiegel’-Welt, der nicht auch für das digitale Produkt tätig ist”, so Klusmann. Leicht verschoben hat sich auch das Gehaltsgefüge zugunsten der früheren Online-Redakteure. Der Verlag hat deshalb einen Beitrag von zwei Millionen Euro bereitgestellt, um die seit Jahren klaffende Verdienstlücke zwischen den Onlinern und Printtredakteuren etwas zu schließen.

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Alle Kommentare

  1. Der gesamte »Hamburg Media School – Journalismus« muss wie eine Asbestbaustelle saniert werden: der Datenfeinstaub vergiftet Festplatten, SSDs und Atemluft in kollaborativen und gesellschaftlichen Informationsräumen:

    https://www.tagesspiegel.de/themen/agenda/unklarheit-ueber-datenschutz-und-meinungsfreiheit-behoerden-ziehen-sich-aus-sozialen-medien-zurueck/25393444.html

    Die zivilisatorischen und humanen Blühkräfte des Journalismus können sich nur entfalten, wenn die digitalen Fesseln der Masters of the Universe amputiert werden.

  2. …der FTD-Macher. Zehn Jahre lang keine schwarze Zahl und beträchtliche Miese aufgebaut, will mann daran erinnert werden? Im Journalismus ist offenbar alles möglich, bis auf Realitätsbezug.

  3. Zitat aus dem Paywall-Teaser:

    “Gutes Lesen. Mehr verstehen.

    Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen – von Reportern aus aller Welt.”

    Kommentar:
    Leser-Paywalls zerstören die informationellen Grundlagen der Mediengesellschaft und schaffen das Fundament für Populismus und FakeNews..

    Man sollte nicht mehr von “unsere Gesellschaft” sprechen, denn Zeitungen mit Leser-Paywalls teilen die Gesellschaft in Nichtabonnenten und zahlende Leser.

    Produktivitätsparadoxa und Dysfunktionen der Informationsgesellschaft werden davon vermehrt.

    1. Sie zahlen gerne nichts für Leistungen, die Sie bekommen. Soweit verstanden. Und wie läuft’s denn bisher so bei Ihren Bemühungen, Menschen zu finden, die für Nichts Leistungen für Sie herstellen?

      Der Bäcker teilt auch die Gesellschaft, und zwar in solche mit Brot und solche ohne. Wird das Ihr nächstes “Produktivitätsparadoxon”, dass der freche Bursche ohne Bezahlung einfach nicht für Sie backen will? Oder beantworten Sie diese “Dysfunktion” ihres selbstausgedachten Marktes damit, dass Sie einfach Kuchen essen?

      1. Sorry: Ihre unterstellenden Äußerungen sind keine treffende Argumentation.

        «»

        Journalismus ist objektiv in einer katastrophalen betriebswirtschaftlichen Kostenfalle, aus der bessere, inklusive, und demokratieförderliche Auswege gefunden werden müssen.
        Leider stehen Verlagsökonomien dafür nicht mehr ausreichend ein, weil sie von vielen Akteuren dekonstruiert und digital entkoppelt werden.

        Geld ist aber pro Kopf der Bevölkerung genug im System.
        Es konzentriert sich verhaltensbedingt aber nur an Teilen von digitalen Wertschöpfungsketten.

        Wie es anders geht, zeigen die Schweizer Verlage

        https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standard/Ringier-kehrt-in-den-Verlegerverband-zurueck-/story/31339691

        … das ist aber nur eine, von vielen möglichen Alternativen.

        Das Next Big Thing ist auch dabei ….

  4. Es war doch offensichtlich so, dass im Unternehmen über Jahrzehnte enorm viel Zeit mit internen Streitereien vertan wurde. Die Zusammenführung unter ein Dach gegen tausenderlei Widerstände war eine wahre Großtat, und nun lassen sich die ersten Früchte sehen.

    Man kann hoffen, dass die neu aufgestellte Redaktion die neu aufgebauten Strukturen nun mit Leben füllt – und sich auch wirklich auf den Journalismus konzentrieren kann. Dann wird das auch.

  5. Das allein nützt auch nicht. Der Spiegel muss einfach wieder besser werden, an gute Jahre anknüpfen.

    1. Der Spiegel muss nicht “besser” werden, sondern NEUTRALER, dann wirds was! Wenn Sie dies meinten, dann stimme ich ihnen zu.

      Vielleicht erwerbe ich ja auch mal wieder was, wie vor zig Jahren???

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