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GAFA 2020: Vor diesen Herausforderungen stehen Google, Amazon, Facebook und Apple in der neuen Dekade

Techbörse unter Druck: Amazon leidet mit anderen GAFAM-Aktien © Nasdaq / Facebook

Zehn goldene Jahre liegen hinter den Digitalchampions: In der vergangenen Dekade stiegen Google, Apple, Facebook und Amazon unter dem Akronym GAFA zu den dominierenden und wertvollsten Konzernen der Welt auf. Aktionäre, die in den Zehnerjahren auf die Tech- und Internet-Giganten setzten, konnten enorme Kurszuwächse einfahren. Doch in den 20er-Jahren stehen die Platzhirsche der Digitalwirtschaft vor den Herausforderungen mittelalter Konzerne – und sind im Visier der Politik.

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Es war keine Raketenwissenschaft. Als Google, Apple, Amazon und Facebook vor zehn Jahren in die neue Dekade starteten, deutete sich die Dominanz des Viergestirns der US-Digitalwirtschaft, aus dem Analysten das Akronym GAFA machen sollten, längst an.

Das iPhone war zweieinhalb Jahre alt, hatte seinen Siegeszug aber bereits begonnen, das iPad stand unmittelbar vor dem Launch, Google zementierte seine Vormachtstellung im mobilen Internet durch Android, während Facebook die Welt mit dem gerade eingeführten Like-Button süchtig machte. Amazon wuchs unterdessen immer weiter. Dass die GAFA-Giganten die Zehnerjahre maßgeblich bestimmen würden, war zum Dekadenwechsel keine Überraschung – das Ausmaß der Dominanz dagegen schon.

Apple, Amazon und Facebook haben ihren Wert in den 10er-Jahren (mehr als) verzehnfacht

Der unglaubliche Siegeszug der GAFA-Konzerne lässt sich unterdessen am eindrucksvollsten an der Wall Street nachvollziehen. Zum Jahreswechsel vor zehn Jahren war Microsoft mit einem Börsenwert von 246 Milliarden Dollar der wertvollste Techkonzern der Welt. Nach einer beeindruckenden Neuerfindung unter Satya Nadella ist der Redmonder Softwareriese eine Dekade später fast eine Billion Dollar (!) wertvoller.

Die Wertsteigerung der GAFA-Konzerne ist noch bemerkenswerter. Apple notierte Ende 2009 splitbereinigt noch bei 30 Dollar je Aktie, vergangene Woche waren es fast 300 Dollar – der iKonzern ist eine Dekade später damit mehr als 1,1 Billionen Dollar wertvoller. Facebook war unterdessen vor zehn Jahren noch gar nicht an der Börse gelistet war, am Sekundärmarkt aber mit kaum mehr als 50 Milliarden Dollar bewertet, was per Ende 2019 der Wertsteigerung um den Faktor zwölf entspricht.

Jeff Bezos gelang unterdessen der größte Coup der GAFA-CEOs: Die Amazon-Aktie legte binnen einer Dekade gar um mehr als 1.300 Prozent zu. Lediglich die Google-Mutter Alphabet fällt beim Wertzuwachs gegenüber den anderen GAFA-Konzernen mit einem Plus von „nur“ rund 300 Prozent in der vergangenen Dekade etwas ab, hat sich damit aber immer noch besser entwickelt als die Leitindizes.

GAFA 2020: Kann sich die Erfolgsstory wiederholen?

Allein: Nach dem Gesetz der großen Zahlen scheint klar, dass sich diese einzigartige Erfolgsgeschichte der Digitalchampions in den 20er-Jahren nicht wiederholen wird – ansonsten würden die GAFA-Riesen gegen Ende 2029 zu Zehn-Billionen-Dollar-Kolossen aufsteigen.

Wirtschaftlich zeigen alle GAFA-Giganten zudem die Spuren mittelalter Konzerne – inklusive erster Ermüdungserscheinungen. Facebook wird im Februar 16 Jahre alt, Google im Oktober 22, Amazon im Juli 26, Apple im April gar 44 Jahre. Entsprechend ist das Wachstum erlahmt: Apples Umsätze und Gewinne schrumpften im vergangenen Geschäftsjahr erstmals seit über 17 Jahren wieder, während Googles, Amazons und Facebooks Erlöse immerhin noch um respektable 20 bis 28 Prozent zulegten.

Erlahmendes Wachstum droht

Hält der Trend an, dürften alle GAFA-Konzerne in den 20er-Jahren ein Wachstumsproblem bekommen, weil das Kerngeschäft in den Schlüsselmärkten an seine Grenzen stößt. Apple bleibt die iPhone-Company, die trotz aller Bemühungen das Service- und Wearable-Geschäft zu stärken, auf absehbare Zeit weiter vom Erfolg ihres Kultsmartphones abhängig ist.

Google trifft der One-Trick-Pony-Vorwurf noch schwerer: Trotz aller Moonshot-Bemühungen bleibt der wertvollste Internetkonzern der Welt von seinem suchbasierten Anzeigengeschäft abhängig, das weiter für über 90 Prozent der Erlöse verantwortlich ist.

Auf der Suche nach dem nächsten „one more thing“

Amazon und Facebook scheinen bei der Diversifizierung ihres Geschäftsmodells einen Schritt weiter. Amazons Börsenerfolg wurde maßgeblich durch das Wachstum der Cloudsparte Amazon Web Services (AWS) befeuert, während Mark Zuckerberg mit der Akquisition von Instagram die vielleicht zukunftsweisendste Übernahme der Internetgeschichte gelang. Der Wert des 2012 übernommen Foto-Netzwerks wird bereits auf 200 Milliarden Dollar taxiert.

Doch auch das Wachstum von AWS und Instagram ist endlich. Entsprechend stehen alle GAFA-Konzerne in der neuen Dekade vor der großen Aufgabe, sich früher oder später neu zu erfinden und mit dem einen oder anderen „one more thing“ einen Volltreffer zu landen – seien es iGlasses, ein iCar, ein durchschlagender Erfolg der autonomen Autosparte Waymo, der Digitalwährung Libra, kommerzielle Drohnenlieferungen oder andere AI-Bemühungen.

Wer folgt auf Tim Cook und Jeff Bezos?

Vor einer anderen Herausforderung stehen die GAFA-Giganten auf personeller Ebene. Mit Ausnahme von Alphabet, das seit Dezember von Google-CEO Sundar Pichai geführt wird, haben die Digitalchampions der USA eine personelle Neuaufstellung bisher vermieden. Apple-CEO Tim Cook ist seit neun Jahren im Amt, die Gründer Mark Zuckerberg und Jeff Bezos führen ihre Unternehmen seit nunmehr 16 bzw. gar 26 Jahren.

Während der erst 35-jährige Zuckerberg theoretisch noch bis in die zweite Jahrhunderthälfte die Geschäfte bei Facebook führen könnte, zeichnen sich bei Apple und irgendwann Amazon CEO-Wechsel ab: Tim Cook wird in diesem Jahr 60, Jeff Bezos 56. So erfolgreich Bezos und Cook Amazon und Apple in den vergangenen Jahren geführt haben, so schwierig erscheint eine geeignete Nachfolgeregelung, die beim iKonzern als erstem der GAFA-Riesen auf der Agenda stehen dürfte.

Politischer Druck dürfte wachsen

Weitaus unmittelbareres Ungemach droht dem Internettrio aus Washington. Während Apple-CEO Tim Cook viel Geschick im Umgang mit US-Präsident Donald Trump bewiesen hat, sind Facebook, Amazon und Google gefährdet, ins Visier von Kartellrechtlern zu geraten.

Vor allem Facebook ist in den vergangenen zwei Jahren im Zuge unzähliger Datenschutzskandale inin die Kritik geraten und könnte bei einem Machtwechsel in Washington, vor allem wenn sich im November ein/e linksliberale/r Kandidat/in wie Bernie Sanders oder Elizabeth Warren durchsetzen sollte, regulativen Eingriffen unterworfen werden, die am Ende zu einer Ab- oder gar Aufspaltung von Unternehmensteilen führen könnten.

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