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Erdogan-“Schmähkritik”: Böhmermann hat Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingelegt

Jan Böhmermann moderierte das “Neo Magazin Royale”
Jan Böhmermann moderierte das "Neo Magazin Royale" © ZDF/Ben Knabe

Im Streit um das Gedicht "Schmähkritik" über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat der TV-Satiriker Jan Böhmermann Verfassungsbeschwerde eingelegt. Die Klage sei bereits im August beim Bundesverfassungsgericht eingegangen, sagte ein Sprecher des Gerichts in Karlsruhe. Davor hatte der "Tagesspiegel" darüber berichtet.

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Böhmermann hatte das Gedicht am 31. März 2016 in seiner Sendung “Neo Magazin Royale” bei ZDFneo vorgelesen und Erdogan darin unter anderem mit Kinderpornografie und Sex mit Tieren in Verbindung gebracht. Dagegen hatte sich Erdogan erfolgreich gewehrt.

Nach Urteilen der Hamburger Gerichte sind große Teile des Gedichts verboten (MEEDIA berichtete). Die Passagen enthielten schwere Herabsetzungen, für die es in Person und Verhalten Erdogans keinerlei tatsächliche Anhaltspunkte gebe, so die Richter. Böhmermanns Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision hatte der Bundesgerichtshof Ende Juli zurückgewiesen.

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Böhmermanns Anwalt Christian Schertz hatte schon früher angekündigt, notfalls bis vors Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Aus seiner Sicht handelt es sich um eine “künstlerisch-kritische Auseinandersetzung mit den Grenzen der Satire”, wie der “Tagesspiegel” schreibt. Es sei “offensichtlich, dass auch staatspolitische Überlegungen eine Rolle spielten”.

dpa

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Alle Kommentare

  1. Handelt es sich um eine “künstlerisch-kritische Auseinandersetzung mit den Grenzen der Satire” wenn ich politisch Andersdenkenden die nicht in mein gemainstreamtes Weltbild passen, (unter Verletzung demokratischer Grundsätze – die ich jedoch bei meinen Gegnern gnadenlos einfordere) die Pest an den Hals wünsche?

    So well, böhmscher B-Boy

  2. Ich kann mir sehr gut vorstellen das unsere Kinder in naher Zukunft das sogenannte Gedicht von Herrn Böhmermann auswendig lernen müssen.

    Hier ein echtes und schönes Gedicht. Es war das erste Gedicht, das ich während meiner Schulzeit vollständig auswendig lernen und vortragen mußte. Damals war ich 10 oder 11 Jahre alt. Zum Lernen gab es einen Tag Zeit:

    Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
    Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
    Und kam die goldene Herbsteszeit

    Und die Birnen leuchteten weit und breit,
    Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
    Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
    Und kam in Pantinen ein Junge daher,
    So rief er: »Junge, wiste ‘ne Beer?«
    Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
    Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn.«

    So ging es viel Jahre, bis lobesam
    Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

    Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
    Wieder lachten die Birnen weit und breit;
    Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
    Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
    Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
    Trugen von Ribbeck sie hinaus,
    Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
    Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
    Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
    »He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?«

    So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
    Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
    Der neue freilich, der knausert und spart,
    Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
    Aber der alte, vorahnend schon
    Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
    Der wußte genau, was damals er tat,
    Als um eine Birn’ ins Grab er bat,
    Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
    Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

    Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
    Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
    Und in der goldenen Herbsteszeit
    Leuchtet’s wieder weit und breit.
    Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
    So flüstert’s im Baume: »Wiste ‘ne Beer?«
    Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
    Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.«

    So spendet Segen noch immer die Hand
    Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

    In diesem Sinne

    Frohe Weihnachten!

  3. Na hoffentlich steuert nicht irgendein grenzdebiler Drecksack von ARDZDFDLF Zwangsgebühren für das Verfahren dieses widerlichen Hetzers und zukünftigen Hassverbrechers bei!

  4. Schade, es war schon erfreulich still geworden um den Schmähdichter. Nun bringt er sich mit seinem plump inszenierten Skandal noch einmal kurz in Erinnerung. Hoffentlich ein letztes Aufböhmern.

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