Anzeige

Zoff bei NOZ Medien: Führungskräfte sind gegen Ernennung von Thomas Keßler als Liebler-Nachfolger

Joachim Liebler (links) und Axel Gleie Foto: NOZ

Bei den NOZ Medien schwelt hausintern ein massiver Streit. Auslöser hierfür ist die Position des Holding-Geschäftsführers, die durch das Ausscheiden von Joachim Liebler vakant ist. Der Posten soll nun durch Thomas Keßler besetzt werden, der aber vor mehr als zwei Jahren als Geschäftsführer im Zwist bei den Osnabrückern ausschied. Führungskräfte in der Holding und Chefs von Tochterfirmen sind deshalb entsetzt: Sie befürchten, dass Keßler das Printhaus destabilisieren könnte.

Anzeige

Es war eine ungewöhnliche Videoschalte. Donnerstag vergangene Woche kam Werner Ebke, Testamentsvollstrecker und Vertreter des NOZ-Gesellschafterkreises um die Familie Fromm, mit allen Führungskräften der Osnabrücker Verlagsgruppe zu einem vertraulichen Gespräch zusammen. Ebke wollte die Gelegenheit nutzen, um die Spitzenkräfte umzustimmen – darunter Führungskräfte der Holding und Geschäftsführer aller Tochterfirmen. Der Anlass: Alle Top-Manager wehren sich gegen die Ernennung von Thomas Keßler, den der Gesellschafterkreis um die Familie Fromm als Nachfolger von Joachim Liebler einsetzen will.

Die NOZ-Führungskräfte haben große Bedenken, dass Keßler der richtige Mann für den Job ist. Sie befürchten, dass er wichtige Leistungsträger verprellt und einen Manager-Exodus auslöst. Diesen könne man angesichts des angespannten Branchenumfeldes nicht aufgefangen, heißt es in einem Schreiben an die Gesellschafter, das MEEDIA vorliegt. Dadurch bestünde die Gefahr, dass wichtige Leistungsbereiche stillstehen und die wirtschaftliche Zukunft des Hauses bedroht ist.

Keßler in der Branche umstritten

Keßler ist bei den NOZ und in der Branche sehr umstritten. Elf Jahre hatte er als Geschäftsführer bei der medien:holding Nord GmbH gearbeitet, zu dem der sh:z Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag („Flensburger Tageblatt“) und die „Schweriner Volkszeitung“ gehören. 2016 schluckten die NOZ Medien die norddeutsche Gesellschaft. Doch dann gab es Ärger. Er machte sich mit seinem harschen Führungsstil im neu formierten Unternehmen unbeliebt und eckte auch mit dem Co-Geschäftsführer Axel Gleie an. Der ehemalige Holtzbrinck-Geschäftsführer war deshalb auch einer der treibenden Kräfte, warum Keßler im April 2017 die NOZ Medien – wegen „Differenzen in der strategischen Ausrichtung der Unternehmensgruppe“ verlassen musste. Doch auch sein nächster Arbeitgeber, die Hamburger Ganske-Verlagsgruppe, brachte ihm wenig Glück. Bereits nach eineinhalb Jahren trennte sich der Verleger Thomas Ganske von dem kaufmännischen Vorstand – wieder, so das Unternehmen, wegen „unterschiedlicher Auffassungen zur der strategischen Ausrichtung der Unternehmensgruppe“.

Die NOZ-Manager sind aber nicht die einzigen, die Keßler als Liebler-Nachfolger ablehnen. Sie bekommen Rückendeckung vom NOZ-Mitgesellschafter – der Familie Elstermann. Sie lehnt es ebenfalls ab, den einst geschassten Co-Chef in die Geschäftsführung der Holding zu hieven. Dies sollen sie der Gegenseite inzwischen schriftlich mitgeteilt haben, heißt es. Wichtig zu wissen: Beide Gesellschaftergruppen, Fromm und Elstermann, sind an dem Osnabrücker Medienhaus paritätisch engagiert. Jede Seite hat das Recht, einen Geschäftsführer als Vertreter in die Führung zu entsenden. Für die Elstermann-Seite ist Gleie aktiv.

Setzen sich beide Gesellschaftergruppen nun an einen Tisch?

Dennoch kann die Fromm-Seite, ihren Kandidaten nicht problemlos durchdrücken. Die Mitgesellschafter Elstermann müssen zustimmen, wenn ein neuer Geschäftsführer in der Holding bestellt wird. Das macht es für die Gegenseite so schwierig, einen Ersatz für Liebler zu finden. Bereits seit Monaten halten deshalb die Anteilseigner um die Familie Fromm nach einem passenden Kandidaten Ausschau. Am Ende fällt ihre Wahl ausgerechnet auf den ausgeschiedenen NOZ-Mann Keßler. Fraglich ist nun, wie sich die Familie Fromm aus der misslichen Lage manövriert. Drücken sie ihren Mann – gegebenenfalls gerichtlich – durch, bringen sie alle Führungskräfte gegen sich auf. Das wäre für das norddeutsche Medienhaus äußert schädlich.

Möglich ist, dass sich beide Gesellschaftergruppen nun an einen Tisch setzen und die Holding-Führung personell neu ausgerichtet wird. Dafür müsste aber Gleie die Geschäftsführung abgeben und könnte als Vertreter in den Gesellschafterkreis Elstermann aufrücken. Dies könnte helfen, dass sich der schwelende Zank unter den beiden Familien auflöst. Zugleich wäre der Weg frei, zwei neue, völlig unbelastete Geschäftsführer bei den NOZ Medien einzusetzen. Die weitere Zukunft des Verlags wäre so gesichert.

Beide Gesellschaftergruppe halten sich zu dem Streit bedeckt. Die Fromm-Gesellschafterseite erklärt auf MEEDIA-Anfrage. „Die Bestellung von Geschäftsführern ist im Medienhaus NOZ-mh:n Sache der jeweiligen Gesellschafterversammlungen, zu deren Aufgaben und allfälligen Entscheidungen zu äußern ich nicht befugt bin“, so Werner Ebke. Die Elstermann-Seite äußert sich hierzu noch knapper: „Kein Kommentar.“

Anzeige