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Ende einer Ära: Süddeutscher Verlag will „Kontakter“ und „Lead Digital“ in derzeitiger Form nicht weiterführen

SWMH-Chef Christian Wegner Foto: SWMH

Die Branchenmarken „Kontakter“ und „Lead Digital“ sollen nicht in derzeitiger Form weitergeführt werden. Dies soll den Mitarbeitern am Montag verkündet worden sein. Die Inhalte des „Kontakters“ könnten künftig bei W&V Data einfließen.

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Der Schritt deutete sich bereits seit geraumer Zeit an. Erst hatte der Fachverlag Werben & Verkaufen die Erscheinungsweise des traditionsreichen Medienmagazins „Kontakter“ von wöchentlich auf 14-täglich umgestellt, dann wurde im April 2019 auch noch die Printausgabe eingestampft – nach 60 Jahren.

Maßnahme Anfang nächsten Jahres geplant

Nun wird dem Vernehmen nach überlegt, den „Kontakter“, als Marke vom Markt zu nehmen. Dies hat W&V-Geschäftsführer Karl Ulrich den Mitarbeitern auf einer Sitzung am Montag verkündet, wie MEEDIA aus W&V-Kreisen erfuhr. Geplant ist die Maßnahme Anfang nächsten Jahres. Die Inhalte des Kontakters, der Media- und Werbeagenturen zuletzt mit Zahlen zum Werbemarkt, Branchen-Analysen, Rankings und Umfrage zum Pitchverhalten versorgte, sollen nach MEEDIA-Informationen in W&V-Data einfließen. Der „Kontakter“ galt über Jahrzehnte als das wichtigste Medium in der Medien- und Werbeszene. Doch die Auflage der Zeitschrift geriet in den vergangenen Jahren ins Trudeln.

Doch das ist nicht der einzige Einschnitt, den der Verlag verkraften muss. „Werben & Verkaufen“-Chefredakteur Holger Schellkopf plant auch, die B2B-Marketingmarke „Lead Digital“ in der derzeitigen Form nicht weiterzuführen. Dies, nachdem W&V bereits 2017 bei der Print-Ausgabe die Reißleine zog. Dabei galt „Lead Digital“ einst als großer Hoffnungsträger der Münchener. Gestartet 2011 wollte die „W&V“-Spitze mit dem Fachblatt vor allem Digital-Professionals erreichen, um zusätzliche Anzeigenerlöse zu erzielen. Hoch war deshalb der Anspruch des Titels: „‚Lead Digital‘ hat es sich zur Aufgabe gemacht, hinter die Kulissen der digitalen Szene zu blicken und Hintergrundwissen zu Themen wie Mobile, Social Media, SEM/SEO, Online-Marketing und E-Commerce zu liefern – fundiert, kreativ und praxisorientiert“, hieß es damals.

Ein „W&V“-Sprecher sagt hierzu auf Anfrage von MEEDIA: „Die ‚W&V‘ arbeitet aktuell an Produkten und Konzepten, um die Inhalte der Medien ‚Kontakter‘ und ‚Lead Digital‘ in anderer Form in 2020 weiterzuführen. Das heißt: Es geht nicht darum, ‚die Medien vom Markt zu nehmen‘ oder sie ‚einzustellen‘, sondern sie eben in anderer Form weiterzuführen. Inwieweit ein Rebranding dabei stattfinden wird und ob die Inhalte in W&V Data eingehen werden, ist noch nicht final entschieden, aber möglich.“

SWMH auf der Kostenbremse

Mit den jetzigen Umbau drückt die SWMH bei den Fachmedien weiter auf die Kostenbremse. Der Münchner Fachverlag hatte erst Anfang des Jahres bei dem publizistischen Flaggschiff „Werben & Verkaufen“ die Erscheinungsweise von wöchentlich auf monatlich verringert. Vorausgegangen war ein deutlicher Absatzrückgang. Die schwierige Lage des Fachmediums hatte sich auch in der Führungsspitze bemerkbar gemacht. Der langjährige Chefredakteur von „W&V“, „Kontakter“ sowie „Lead Digital“, Jochen Kalka, verließ vor wenigen Monaten das Unternehmen. Seither hat Schellkopf, seit April 2017 Chefredakteur Digital, das Sagen bei „W&V“.

Dabei steht der frühere Vize-Chefredakteur vor keiner leichte Aufgabe. Denn „Werben & Verkaufen“ hat seit Jahren bei den Ertragszahlen wenig geglänzt. Das will Christian Wegner kaum hinnehmen. Der Chef der Holding SWMH, zu der auch die „Süddeutsche Zeitung“ gehört, trimmt das viel verzweigte Zeitungshaus massiv auf Gewinn. Dafür sollen bis Ende 2020 rund 150 Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen, berichtete jüngst das „Handelsblatt“. Betroffen hiervon seien unter anderem der Stuttgarter Holding sowie der Süddeutschen Verlag. “Wir wollen mit allen Verlagen weiterhin Top-Journalismus anbieten und im deutschsprachigen Raum Abo-Marktführer für Qualitätsmedien und Fachinformationen werden“, erläuterte der frühere ProSiebenSat.1-Manager die Strategie. Im gleichen Atemzug verkündete er, dass die SWMH in den nächsten zwei Jahren rund 100 Millionen Euro investieren will.

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