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Erster Reporterpreis nach Relotius: Reportage über digitale Diktatur in China und Enthüllung der Ibiza-Affäre prämiert

Die Sieger beim Reporterpreis 2019
Die Sieger beim Reporterpreis 2019 Foto: Reporter-Forum

In Berlin ist gestern Abend der 11. Deutsche Reporterpreis vergeben worden, der erste Reporterpreis nach der Enthüllung des mehrfachen Preisträgers und "Spiegel"-Reporters Claas Relotius, der zahlreiche seiner Reportagen gefälscht hatte. Die Jury hat darum neue Maßnahmen installiert.

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So wird nun von den Autoren beispielsweise zusätzlich ein “Making of” zu einem eingereichten Beitrag verlangt, damit die Jury-Mitglieder die Entstehung eines Textes nachvollziehen und gegebenfalls auch nachprüfen können. Dazu gehören auch Telefonnummern der Protagonisten eines Textes. Alle Einreichungen würden stichprobenartig geprüft, heißt es von Seiten des ausrichtenden Reporterforums.

Diesmal wurden über 90 nominierte Beiträge von der Jury debattiert. Der Preis wurde, wie jedes Jahr im Tipi am Kanzleramt in berlin in elf Kategorien verliehen.

Hier die Preisträger:

REPORTAGE “Die Welt, von der niemand wissen soll” von Harald Maass im “SZ Magazin”. Es geht um die digitale Diktatur, die in China zur Überwachung einer ganzen Region und ihrer Minderheiten führt.

INVESTIGATION: “Die Ibiza-Affäre” – Gemeinsam eingereicht von Spiegel” und “Süddeutscher Zeitung”: Bastian Obermayer, Frederik Obermaier, Leila Al-Serori, Oliver Das Gupta, Peter Münch, Martin Knobbe, Wolf Wiedmann-Schmidt, Alexandra Rojkov, Walter Mayr, Vera Deleja-Hotko, Maik Baumgärtner. Die verdeckten Video-Aufnahmen des damaligen österreichischen Vizekanzlers Strache (FPÖ), wie er in einer Villa in Ibiza vor einer ageblichen Oligarchin prahlt, öffentliche Gelder gegen Wahlhilfen verteilen zu können, sorgte für ein politisches Erdbeben und Neuwahlen in Österreich.

LOKALES: “Die toten Babys von Neukölln” von Julius Betschka und Martin Nejezchleba, “Berliner Morgenpost”

INTERVIEW: “Ich stand vor ihr wie vor einem Richter” vonAnna Kemper, “Zeit Magazin” (Interview mit der Tochter von Johanna Haarer, die 1934 das Buch “Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind” schrieb und damit zur Ideologin des Mutterbildes im Nationalsozialismus wurde)

SPORT: “Ja! Jaa! Jaaa!” von Nicola Meier, “Die Zeit” (Reportage über vier Männer zwischen 85 und 89, die einen Leichtathletik-Weltrekord brechen wollen)

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WISSENSCHAFT: “Wunschdenken” von Patrick Bauer, Patrick Illinger und Till Krause, “SZ Magazin”

FREIE REPORTERIN: “Aus den Augen” von Katrin Blum, “SZ Magazin”

KULTURKRITIK: “Spiel mit dem Tod” von Gabriela Herpell, “SZ Magazin”

ESSAY: “Kriegerin” von Else Buschheuer, “SZ Magazin”

MULTIMEDIA: “#bienenlive” vom Team “Sensor- und Reporter”

DATENJOURNALISMUS: “Wer profitiert vom Berliner Mietmarkt?” von Lubena Awan, Andreas Baum, Michael Gegg, Sidney Gennies, Hendrik Lehmann, David Meidinger und Helena Wittlich, “Tagesspiegel”

Infos zu allen prämierten arbeiten gibt es unter www.reporter-forum.de

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Alle Kommentare

  1. Der bisherige Spiegel-Bonus ist jetzt ein Malus. Weil die Juroren aus Gewohnheit darauf schielen, wo eine Reportage erschienen ist. Da es sich aber bei solchen Preisen immer um Branchen-Inzest handelt, ist das alles ohnehin pupsegal.

  2. Immerhin der “Spiegel” war dieses Jahr nur ein einziges Mal Preisträger und selbst da auch noch geteilt mit der “Süddeutschen”.

    Die Branche hat von der Ericusspitze wohl erstmal die Nase gestrichen voll und wollte wohl (gerade im Jahr 1 nach Relotius) nicht auch noch Öl in das (keineswegs schon vollständig erloschene) Feuer gießen.

    Selters statt Sekt diesmal für den Spiegel.

  3. Es gibt wohl keine andere Branche, die sich selber so oft mit Preisen überhäuft.
    Wen interessiert das eigentlich ausser den Journalisten selber?
    Was die Preise dann Wert waren hat man Dank Relotius erfahren können.
    Peinlich!

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