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“Wilde Kerle“, zahme Zahlen: Warum Sparer Kai Diekmanns “Zukunftsfonds” links liegen lassen

Ex-“Bild”-Chef Kai Diekmann, Cover des “manager magazins” zum Start des “Zukunftsfonds”
Ex-"Bild"-Chef Kai Diekmann, Cover des "manager magazins" zum Start des "Zukunftsfonds"

Mit einem großen medialen Aufschlag hatten der frühere "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann und der Investmentbanker Lenny Fischer ihren "Zukunftsfonds" vor mehr als zwei Jahren angepriesen. Doch die Sparer zeigen dem Produkt weiter die kalte Schulter. Der ehemalige Boulevardjournalist will die Reichweite des Online-Portals "Zaster" deutlich ausbauen, bevor er hierüber die Werbetrommel für die neue Alternative zum Sparbuch rührt.

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Sie sind die “wilden Kerle” – zumindest waren sie das für das “Manager Magazin”. Der eine, Kai Diekmann, jahrelang Chefredakteur der “Bild”, Deutschlands größter Boulevardzeitung, der andere der Starbanker Leonhard (“Lenny”) Fischer, der sich einst als jüngster Vorstand bei der Dresdner Bank einen Namen machte. Werbewirksam durfte das Duo Mitte November 2017 seine Pläne für eine angekündigte Revolution im Spar-Bereich im “manager magazin” ausbreiten. Und die waren mehr als ehrgeizig: Der frühere Vollblutjournalist und sein Schulfreund aus Bielefelder Kindheitstagen planten, bei den Bundesbürgern perspektivisch mehr als 20 Milliarden Euro einzusammeln. Quasi als Alternative zum Sparbuch, das derzeit in der Tiefzinsphase praktisch keine Rendite mehr abwirft, sollten die Bundesbürger in Scharen dem “Zukunftsfonds” ihr Geld anvertrauen.

Interesse der Anleger weiterhin mau

Doch das Interesse der Anleger ist unverändert mau – auch am zweiten Jahrestag des “Zukunftsfonds”, wenn man den November 2017 als Starttermin wählt, zu dem der Fonds technisch aufgelegt wurde. So bewegt sich das verwaltete Vermögen bei rund 12,23 Millionen Euro (Stand 27.11. 2019), das sind 1,3 Prozent weniger als zwei Jahre zuvor. Dabei hat Diekmann mit dem Online-Magazin “Zaster” seit Mai vergangenen Jahres eigens ein Online-Medium ins Leben gerufen, das das Publikum für neue Formen der Geldanlage sensibilisieren soll. “Das Magazin ist, wie wir von Anfang an immer gesagt haben, ausdrücklich keine Werbeplattform für den Zukunftsfonds. Mit unserem digitalen Magazin ‘Zaster’ wollen wir Themen rund ums Geld einfach, informativ und unterhaltend darstellen”, erklärt Diekmann gegenüber MEEDIA. So arbeite die “Zaster”-Redaktion “vollkommen unabhängig. Sie finden dort keine Empfehlung für den Zukunftsfonds, sondern Tipps zu Sparmöglichkeiten, zur Immobilienfinanzierung und vielen anderen Dingen.” Unabhängig vom “Zukunftsfonds” ist “Zaster” aber natürlich nicht, das merkt ma allein daran, dass das Magazin als Unterseite der Website www.der-zukunftsfonds.de zugänglich ist und die DFG Deutsche Fondsgesellschaft SE Invest, die den Zukunftsfonds vertreibt, laut Impressum “Zaster” herausgibt. Redaktionell betreut wird “Zaster” wiederum von Diekmanns zweitem Projekt, der Medienagentur Storymachine.

Mit “Zaster” “absolut zufrieden”

“Mit der Entwicklung von ‘Zaster’ sind wir absolut zufrieden. Wir stehen kurz davor mit unserer kleinen, agilen Redaktion unseren Wettbewerber ‘Orange by Handelsblatt’ bei der Anzahl der Twitter-Follower zu überholen. Bislang schalten wir keinerlei Werbung, weder für den Zukunftsfonds noch von Dritten“, meint der Medienmacher. Es gehe ihm darum, “Zaster” weiter als Marke für “unterhaltsamen, lebendigen und informativen Finanzjournalismus zu etablieren.” Ist dies erreicht, soll das Online-Magazin für den “Zukunftsfonds” aktiv werden. Diekmann: “Wenn wir eine ausreichende Reichweite aufgebaut haben, werden wir diesen Kanal auch nutzen, um den ‘Zukunftsfonds’ zu vermarkten. Das steht im Moment aber nicht im Vordergrund.”

Für Martha Böckenfeld, entspricht die bisherige Entwicklung des Fondsvolumens den Erwartungen: “Ein solcher Verlauf ist für ein neu am Markt eingeführtes Finanzprodukt – vor allem für eins, das vorwiegend online vertrieben wird – völlig normal”, meint die Mitgründerin der DFG, die den Zukunftsfonds ausschließlich digital vertreibt. Die Zielgruppe des Fonds seien Menschen, die monatlich kleinere Beträge über einen Sparplan anlegen wollen. Daher baue sich das Fondsvolumen eher langsam auf. Böckenfeld: “Uns ist aber auch klar, dass wir mit unserem Geschäftsmodell die klassische Lehrmeinung herausfordern, die lautet: Fonds werden nicht gekauft, sondern verkauft. Die Vermögensverwaltung ist ein anspruchsvolles Geschäft. Eine Marke und Vertrauen aufzubauen, braucht Zeit – und diese nehmen wir uns.”

Marktbedingte Gründe
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Dass Diekmanns Fonds bislang auf kein breites Anlegerinteresse gestoßen ist, hat für Volker Schilling teils marktbedingte Gründe. “Natürlich waren wir mit der leicht negativen Kursentwicklung im Jahr 2018 nicht zufrieden. Wir müssen aber einbeziehen, dass der Dax in diesem Zeitraum rund 20 Prozent seines Werts verloren hat – ein extrem schwieriges Marktumfeld. Unser Verlust war gering, zudem hat der Fondswert nur wenig geschwankt”, sagt der Asset Manager, der den “Zukunftsfonds” bei der Greiff Capital Management AG verwaltet. Dennoch meint er, dass das Anlageprodukt im Vergleich zu anderen Produkten gut abgeschnitten habe: “Kein anderer Fonds der Vergleichsgruppe hat bei gleichem Risiko eine höhere Rendite beziehungsweise mit gleicher Rendite ein geringeres Risiko. In diesem Jahr liegen wir mit unserer Performance von aktuell 3,3 Prozent im Zielkorridor von 2 bis 4 Prozent jährlicher Rendite.”

Schon im August 2018 monierte die Website Finanz-Szene.de, dass der “Zukunftsfonds” kaum Mittelzuflüsse von normalen Anlegern habe. Zu den Investoren, die das Startkapital von knapp 12 Mio. Euro beisteuerten gehörte mit knapp zwei Millionen Euro außerdem wohl der “Multi Leaders Fund” (MLF) der von der Greiff Capital Management AG verwaltet wird. Deren Vorstand, Volker Schilling, ist wiederum gleichzeitig der Fondmanagers des “Zukunftsfonds”. Die DFG sieht darin kein Problem, da der “Zukunftsfonds” am MLF nur einen sehr geringen Anteil habe. Damals erklärte die DFG zur Kritik am geringen Mittelzufluss: “Über konkrete Zahlen möchten wir uns vor Ablauf der ersten zwölf Monate nicht äußern, denn das wäre schlichtweg unseriös. Beim Launch eines digitalen neuen Produkts steht in den ersten Monaten das Kennenlernen im Vordergrund – das Wachstum tritt erst nach 12-­15 Monaten ein. Entscheidend wird die Entwicklung der kommenden 12 Monate sein.”

Fondspläne seien “kläglich gescheitert”

Daniel Saurenz, Fondsexperte bei Feingold Research und früherer Mitarbeiter bei der “Financial Times Deutschland”, sieht aktuell Diekmanns Fondspläne “kläglich gescheitert.” Dafür macht er mehrere Gründe verantwortlich. Dazu gehört, dass der Fonds über kein Vertriebsnetz verfügt. Saurenz: “Offenbar ist es in Deutschland ausgesprochen komplex, Anleger zu Geldanlage zu bewegen, die nicht auf ein massives Vertriebsnetz gestützt ist. Aktive Fonds schlagen bekanntlich in der großen Mehrheit ihren Vergleichsindex nicht, dennoch sammeln jene Geld ein, die Vertrieb liefern”, sagt er. Doch das ist nicht alles. Die Bundesbürger seien vorsichtig, wo sie ihre Ersparnisse anlegen. Laut Saurenz ist “die Bereitschaft einen neuen Fonds zu testen gering”. Und dafür sieht der ehemalige Wirtschaftsjournalist einen profanen Grund: “Insgesamt gibt es bei selbstentschiedener Geldanlage in Deutschland ein bekanntes Problem – Anleger investieren meist lieber Stunden in die Auswahl eines neuen Smartphones als in eine lebenslang wichtige Entscheidung wie jene der Vorsorge.”

Sollte “Zaster” kurzfristig mehr Aufmerksamkeit gebrauchen, könnte man den Berichtsschwerpunkt ja auf Telekommunikation und Smartphones verlagern …

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Alle Kommentare

  1. Die beiden grössten deutschen Banken machen seit Jahren nur Verluste und wissen andererseits nicht, wohin mit dem Geld, am besten im Keller auf Paletten 500,- € Scheine einlagern, bei der EZB werden Strafzinsen fällig.

    Da kommt dann der Ex-Chefredakteur des grössten deutschen Boulevardblattes und ein verkachter Ex-Investmentbanker, dessen Bank pleite gemacht hat, und wollen allen mal zeigen, wie man mit Geld Geld verdient.

    Es kam, wie vorauszusehen war, die beiden können es auch nicht. Wer sein Geld einfach auf dem Girokonto liegen gelassen hat, anstelle den Zukunftfonds zu kaufen, hat wenigstens nominell keine Verluste gemacht.

    Was schon verdächtig ist, Verwaltungsgebühren werden in jedem Fall fällig und nicht X % vom möglichen Gewinn. Wenn die Fondsmanager schon selber nicht an Ihren Erfolg glauben und nicht nur am möglichen Gewinn partizipieren wollen, wie sollen dann Anleger an den Erfolg glauben ?

  2. war doch völlig klar, dass der Zukunftsfonds krachend scheitert. Mit laufenden Kosten von 1,43% p.a. kann das ja nichts werden, wenn “normale” gute ETFs nur 0,3 bis 0,5% p.a. kosten. Bisher gab es auch nur eine Ausschüttung zu 0,18 Cent, das sind gerade mal 0,3%. Da zeugt es schon von großer Realitätsferne, von “zufrieden” und “völlig normal” zu sprechen…
    Mannmannmann, Kai, da haste Dir ordentlich vergaloppiert und es würde von wahrer Größe zeugen, das einfach zuzugeben.

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