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Daniel von Busse, COO TV bei Sport1: „Arbeitet an Euren Sportarten, macht sie attraktiv, macht ein Event draus, sucht intelligente Sendezeiten“

Daniel von Busse, COO TV und Mitglied der Geschäftsleitung von Sport1 Foto: Sport1 | Hesse

Daniel von Busse leitet seit gut zwei Jahren als COO TV die Geschicke der TV-Sender Sport1 und Sport1+, sowie seit Anfang des Jahres die des Neulings eSports1. Im Interview mit MEEDIA spricht er über die 360-Grad-Strategie seiner Sender, über die neue Konkurrenz durch Streaming-Anbieter, gibt Verbänden Tipps, wie sie einen attraktiven TV-Sport schaffen können und outet sich auch als „Audio-Mensch“.

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Zum Start der Fußball-Saison sorgte von Busses Free-TV-Sender Sport1 für einen Premiere, denn er zeigt als erster Privatsender überhaupt Livespiele des DFB-Pokals. Ein Leuchtturm im Programm – auch aus Quotensicht. Denn mit 1,82 Mio. und 2,58 Mio. Zuschauern führen die beiden Spiele die Sport1-Quotencharts des bisherigen Jahres souverän an.

MEEDIA: Sie halten in der aktuellen Saison als erster privater Free-TV-Sender Live-Rechte am DFB-Pokal. Zwei Ihrer vier Spiele der ersten Saison sind nun gelaufen. Können Sie schon eine erste Zwischenbilanz ziehen? Hat sich der Rechteerwerb gelohnt? Sind Sie zufrieden mit den mehr als 2,5 Mio. Zuschauern aus dem Bochum-Bayern-Spiel?

Daniel von Busse: Wir sind absolut zufrieden. Man darf dabei nicht nur auf das Livespiel schauen, sondern muss die Rechte auch in der Breite bewerten. Wir zeigen DFB-Pokal-Klassiker und haben eine ausführliche Vor- und Nachberichterstattung, darunter ‚DFB-Pokal Pur“ mit Highlights aller Spiele und die „DFB-Pokal Analyse“. Insbesondere wenn ich auch auf die digitalen Abrufzahlen schaue, würden wir den Rechteerwerb genauso wieder tätigen.

MEEDIA: Ein Livespiel des DFB-Pokal bringt einen großen Produktionsaufwand und beträchtliche Kosten für die Rechte mit sich. Lohnt sich ein solches Recht also auch monetär – oder nur als Leuchtturm, der dem Sender Image, Neugier und generelle Aufmerksamkeit beschert?

von Busse: Ich glaube, es ist zu kurz gegriffen, sich allein die Erlöse auf dem einen Slot DFB-Pokal anzusehen. Wir haben ein Gesamt-Portfolio, das wir unseren Zuschauern anbieten, d.h. ein Zusammenspiel aus unterschiedlichen Programmbestandteilen. Es gibt immer profitablere Programmslots und weniger profitable. Aber am Ende des Tages ist es dieses Zusammenspiel, aus dem wir ein Geschäftsmodell formen.

MEEDIA: Viele Ihrer Quoten-Erfolge haben mit Fußball zu tun: der DFB-Pokal, das Dauerbrenner-Phänomen „Doppelpass“, sie zeigen sogar die 3. und 4. Liga. Wie wichtig ist der Fußball für Sie und entsteht nicht doch irgendwann mal ein Fußball-Overkill bei den Fans?

von Busse: Natürlich ist Fußball wichtig, gar keine Frage. Wir sind der einzige Sender, der die 1., 2., 3. und 4. Liga überträgt beziehungsweise Highlights zeigt. Dennoch gibt es durchaus Sportarten, die es geschafft haben, ebenfalls ein Massenpublikum zu erreichen. Bestes Beispiel ist die Darts-WM, die wir ab dem 13. Dezember wieder umfangreich übertragen. Wenn es ein attraktives Produkt ist, werden es sich die Leute auch ansehen. Mein Appell an die Verbände ist also: Arbeitet an Euren Sportarten, macht sie attraktiv, macht ein Event draus, sucht intelligente Sendezeiten und dann wird es auch gelingen, Menschen dafür zu begeistern.

„Der Medienvertrag, den wir gemeinsam mit der DEL und der Telekom abgeschlossen haben, ist für mich einer der besten Medienverträge, die ich in meinem Leben gemacht habe“

MEEDIA: Was müssten Verbände Ihrer Meinung nach denn konkret tun?

von Busse: Ich muss dafür sorgen, dass mein Produkt vor Ort attraktiv ist. Ein Positiv-Beispiel ist für mich hier die Volleyball-Bundesliga. Dort hat man in die Infrastruktur investiert, mit verpflichtenden LED-Banden für die Bundesligisten und mit Hallenböden, die nicht nach Turnhalle, sondern nach Leistungssport aussehen. Es gibt eine ganze Menge an einfachen Hausaufgaben, mit denen ich als Verband in Vorleistung gehen kann und es dann auch schaffen werde, medial erfolgreich zu sein.

MEEDIA: Und welche Sportarten schaffen das bereits?

von Busse: Eishockey ist ein schönes Beispiel. Der Medienvertrag, den wir gemeinsam mit der DEL und der Telekom abgeschlossen haben, ist für mich einer der besten Medienverträge, die ich in meinem Leben gemacht habe. Es ist eine Win-Win-Win-Situation. Die Liga profitiert enorm von den Partnern Telekom und Sport1, die Telekom überträgt alle Spiele, Sport1 am Sonntagabend ein Top-Spiel im Free-TV, das ist eine ideale Verbreitungssituation für eine Liga. Der Fan hat über die Angebote der Telekom die Möglichkeit, alle Spiele schauen zu können und für die Sponsoren und die Allgemeinheit existiert ein Top-Spiel auf Sport1. Die Liga entwickelt sich fantastisch, ist zudem gut organisiert. Ein Negativ-Beispiel ist für mich die Handball-Bundesliga. Ich denke, es war ein Fehler, ins Pay-TV zu gehen. Die Liga verliert unweigerlich an Aufmerksamkeit. Ich glaube auch nicht, dass man das durch einzelne Free-TV-Spiele in der ARD ausgleichen kann.

MEEDIA: Sie haben Darts angesprochen: Im Dezember steht für Sie wieder die WM an – vermutlich wieder mit Top-Quoten. Gibt es Änderungen im Umfang und bei Ihren Erwartungen?

von Busse: Wir senden 115 Stunden live von der WM, das ist ein neuer Rekordwert für uns. Gerade die Darts-WM zeigt durch coole Protagonisten, ihren Event-Charakter, auch durch den intelligenten Sendeplatz zwischen den Jahren, in dem sonst nicht allzu viel Live-Sport im Fernsehen zu sehen ist, wie ein Zuschauersport entstehen kann. Für uns ist Darts jedenfalls eine ganz wichtige Programmfarbe. Ich gehe fest davon aus, dass wir mit der Darts-WM mindestens auf Vorjahresniveau landen.

„Den Vergleich von DAZN als ein ‚Netflix für Sport‘ halte ich für unzutreffend“

MEEDIA: Wie viel schwerer ist es in den vergangenen Jahren geworden, attraktive Sportrechte zu kaufen? Es kommen ja gefühlt ständig neue Mitbewerber dazu – ProSieben Maxx, Nitro, der Streaminganbieter DAZN, weitere werden folgen…

von Busse: Der Wettbewerb ist grundsätzlich in den Medien stark gestiegen. Erst recht durch die technologischen Neuerungen der letzten Jahre. Wenn ich nicht für einen Sportsender tätig wäre, sondern wir uns z.B. mit Fiction oder Entertainment auseinandersetzen würden, würde ich vielleicht über Netflix und Amazon Prime jammern und hoffen, dass Apple und Disney noch lange brauchen, um sich in Deutschland durchzusetzen. Ich glaube allerdings, dass wir als Sport1 in den vergangenen 25 Jahren immer gezeigt haben, dass wir in der Lage sind, Nischen zu finden und Nischen für uns zu entwickeln. Unsere Partner wissen auch, was sie an uns haben. Wir haben dabei immer vernünftig agiert. Strategische Preise von Konkurrenten haben wir des Öfteren als überteuert empfunden, haben uns dabei stets auf uns konzentriert und vernünftig gewirtschaftet. Das werden wir auch in Zukunft tun.

MEEDIA: Welche Rolle spielt in Ihren Überlegungen das Thema Streaming? Haben Sie als Sport1 vor, verstärkt in dieses Thema hinein zu gehen?

von Busse: Lang bevor es DAZN und andere Streamingangebote gab, haben wir unsere Inhalte bereits gestreamt. Alle unsere Inhalte sind auf unserer 360-Grad-Plattform abrufbar, die Verbreitungssituation von Sport1 ist dadurch weitaus besser als die von vielen Mitbewerbern. Wir sind über jeden Verbreitungsweg verfügbar: Kabel und Satellit, über das Internet, mobil. Die Debatte ist im Sport auch nicht so relevant, weil die Musik im Live-Sport spielt. Den Vergleich von DAZN als ein „Netflix für Sport“ halte ich dabei auch für unzutreffend. Netflix und Amazon Prime leben davon, dass sie sich eine große Library aufbauen. Mit jeder Eigenproduktion wird der Service attraktiver. Bei Sport-Streamingdiensten ist das nicht so: Diese hängen genauso an den Live-Rechten wie wir. Dem Zuschauer zu Hause ist es dabei auch völlig egal, ob er sein Programm über Kabel, Satellit oder das Internet empfängt. Aus Sicht der Anbieter kommt dazu, dass sie alle bisher massive technische Probleme hatten. Der Hype um Streaming im Sport ist für mich daher nur sehr bedingt nachvollziehbar.

MEEDIA: Angesichts all der technologischen Entwicklungen wie Streaming, auch auf unterschiedlichsten Plattformen, auf denen TV-Sender live übertragen werden und unterschiedlichsten Geräten, auf denen Fernsehen konsumiert wird: Welche Aussagekraft hat Ihrer Meinung nach die traditionelle TV-Quote überhaupt noch?

von Busse: Ich glaube, dass wir zunehmend an eine Grenze stoßen, was die Aussagekraft der AGF-Quote angeht. Ein Beispiel: Wenn ich mir ansehe, dass wir beim DFB-Pokal-Spiel Bochum-Bayern rund 450.000 Menschen in unserem Stream beziehungsweise auf unserem YouTube-Kanal hatten, die nicht auf die AGF-Quote einzahlen, dann sieht man schon, welche Schwächen das System hat. Wir haben eine technologische Realität, die sich aus meiner Sicht in der TV-Währung zurzeit nicht wiederspiegelt.

„Wir verstehen uns als 360-Grad-Plattform, daher ist der Podcast als Audio-Verbreitungsweg ein ganz wichtiger Bestandteil“

MEEDIA: Vor mittlerweile zehn Monaten haben Sie einen Sender zum Boom-Thema eSports gestartet: eSports1. Funktioniert das moderne rein digitale Thema auch als linearer Fernsehsender?

von Busse: Was wir grundsätzlich an Aufmerksamkeit und Respekt für die Innovationskraft des Projekts bekommen haben, ist immens. Ich glaube, es war genau der richtige Schritt, ein komplementäres Angebot zu den Streamingdiensten wie Twitch zu etablieren. Wir sind froh mit unseren Partnern Blizzard und ESL auf der Lizenzgeberseite sowie unseren Verbreitungspartnern Vodafone und Telekom ein gutes Produkt auf die Beine gestellt zu haben. Wir haben im ersten Jahr viel dazu gelernt und werden als Folge das Programmschema im neuen Jahr ein bisschen umstellen. Vielen, die es kritisch gesehen haben, ein lineares Produkt anzubieten, haben wir das Gegenteil bewiesen. Weil wir die Inhalte, die grundsätzlich verfügbar sind, veredelt haben. Wir ordnen ein und wir erklären eSports in allen Facetten und das mit großem redaktionellem Aufwand. Wir erweitern das Publikum für eSports in Deutschland. Das ist ein richtiger Weg, den wir über 2020 hinaus auch weiter gehen.

MEEDIA: Das Thema Podcasts ist ja derzeit ein großer Hype. Sport1 ist auch mit einigen Angeboten vertreten. Ein Thema, das Sie noch ausbauen wollen?

von Busse: Wir verstehen uns als 360-Grad-Plattform, daher ist der Podcast als Audio-Verbreitungsweg ein ganz wichtiger Bestandteil. Ich selbst höre sehr gern Podcasts und Radio, bin auch ein Audio-Mensch und habe daher große Sympathie für dieses Produkt. Mit der „Podcast-Familie“, die es bei Sport1 gibt, sind wir sehr gut aufgestellt. Wir werden das Thema weiter vorantreiben, es sind bereits weitere Podcasts in Planung, die in nächster Zeit veröffentlicht werden sollen.

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