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Karriere-Tipps von Dr. Döpfner für mehr Gehalt: Einfach selber Vorstand werden!

Beim eigenen Gehalt hört für Springer-CEO Mathias Döpfner der Transparenz-Spaß auf. „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt wagt sich bei Twitter ganz kurz wieder aus der Deckung. Irgendwas scheint in der Paarbeziehung zwischen den Roches und Studio Bummens nicht zu stimmen und die „Titanic“ war früher auch mal besser. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Medien, bzw. Medienmenschen verlangen allenthalben gerne Transparenz und Glaubwürdigkeit. Nehmen wir Springer-CEO Mathias Döpfner. In einem Interview mit dem Mediendienst Ihres Vertrauens sagte er mal:

Unser Haus ist plural und unberechenbar. Aber in unseren Grundwerten haben wir eine nicht verhandelbare Verankerung – Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte. Und als Voraussetzung dafür: Transparenz. Dafür stehen wir. Dafür arbeiten wir.

Klingt doch gut! Andererseits will man das bei Springer mit der Transparenz auch nicht übertreiben. Wie viel der Springer-CEO verdient, bleibt durchaus berechenbar intransparent. Man weiß nur, dass es sehr, sehr viel Geld sein muss. Das Gehalt und die Boni von Döpfner im Speziellen und dem Springer-Vorstand im Allgemeinen sind seit der Verkündung des radikalen Spar-Programms im Hause jedenfalls wieder Thema. Wie „kress“ reportiert, wurde bei dem jüngsten Townhall-Talk des Unternehmens von einem Mitarbeiter die Frage gestellt: „Wie rechtfertigen Sie Vorstandsboni von 35 Millionen Euro, während gleichzeitig Arbeitsplätze abgebaut werden?“

Bevor Sie sich wundern: Die Frage wurde anonym gestellt – sicher ist sicher. Döpfner antwortete darauf u.a.:

Man kann zwei Sichtweisen auf das Thema haben. Man kann sagen: Ich hasse es, dass mein Boss so viel Geld bekommt. Aber ich würde auch sagen: Großartig, in so einer Firma zu arbeiten! Was kann ich tun, um Teil davon zu werden? Was kann ich tun, um mehr zu bekommen? Sie sollten es als Anreiz sehen.

Ja, klar! Werd‘ doch selber Vorstand! Dann haste auch was von denn ganzen Mios! Dass die Unterlinge bei Springer da nicht selbst drauf gekommen sind… Zauber des Kapitalismus…

Springer gehört übrigens zur kleinen Minderheit der fünf von 80 Unternehmen aus DAX und MDAX, die von ihrem Recht Gebrauch machen, die Vorstandsbezüge nicht personalisiert auszuweisen. Soviel zum Thema Transparenz.

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„Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt hat ja neulich auf Twitter den Habeck gemacht. Will heißen: Er hat sich wortreich von dem Charakter deformierenden Kurznachrichtendienst zurückgezogen. So ganz kann er dann aber doch nicht ohne. Als „Welt“-Blogger „Don Alphonso“ in dieser Woche dafür kritisiert wurde, dass er angeblich ganz schlimme Shitstorms gegen Leute lostritt, sprang Poschardt für seinen Blogger auf Twitter noch einmal aus der Deckung:

Unter den zahlreichen, häufig recht erwartbaren Reaktionen auf das Mini-Comeback („Er ist wieder da.“), fand ich diesen getwitterten Link von Hatice Akyün noch am originellsten:

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Ich bin ja nachhaltig fasziniert von dem Podcast „Paardiologie“ von Charlotte Roche und ihrem Gatten Martin Keß. Was die beiden jeden Freitag auf Spotify präsentieren, ist für mich Podcast-Content im besten Sinne: Intim, unterhaltsam, manchmal lehrreich, häufig lustig und super-authentisch. Der frühere TV-Produzent Keß offenbart dabei echte Entertainer-Qualitäten, wenn auch in Slow Motion. Im April wird zu dem Podcast auch noch ein Buch herausgebracht. Das funktioniert vermutlich im Sinne von 360-Grad-Blabla und Diversifikations-Gedöns sogar – wegen mir hätte es das nicht gebraucht. Viel interessanter finde ich, dass seit einiger Zeit im Podcast der gesprochene Abspann mit Hinweis auf das Podcast-Studio Bummens fehlt. Im Interview mit „Zeit Magazin Online„, in dem Martin Keß u.a. enthüllte, das er ein Gesicht besitzt, wurde Frau Roche darauf angesprochen:

Schon wieder keine Transparenz!

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Es ist ein furchtbar ausgelatschter Spruch, ich äußere ihn hier aber trotzdem: Die „Titanic“ war früher besser/lustiger. Als langjähriger Abonnent fällt es mir immer schwerer, über die Beliebigkeit und moralinsaure Attitüde der „Briefe an die Leser“ hinwegzusehen. Auch den Aktionen fehlt meist der Witz und wo sind die früher sensationell komischen Politiker-Foto-Stories? Glanzstück jeder Ausgabe sind noch immer die zuverlässig abliefernden „Katz & Goldt“-Comics und die Heinz-Strunk-Kolumne „Intimschatulle“ (eine Art fiktives Tagebuch). Weil aber „Früher war alles besser“-Genöle immer nervig ist, möchte ich mit einem Lob schließen. Das aktuelle Titelbild zum Dauerbrenner-Topic „Was man noch sagen darf“ finde ich wiederum sehr gelungen!

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast „Medien-Woche“ reden Christian Meier („Welt“) und ich uns diesmal über den mutmaßlich steigenden Rundfunkbeitrag die Köpfe heiß. Außerdem gibt es ein ausführliches Update zur „Silke und Holger“-Reality-Soap. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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