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Projekt „Herkules“: Springer-Chef Döpfner will Stellenabbau bei der „Welt“ mit Turbo-Prämie beschleunigen

Springer-Chef Mathias Döpfner – Foto: Axel Springer

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner steht vor einem Kraftakt. Er will bei der wichtigen Sparte News Media National Stellen streichen, zu der die „Bild“ und „Welt“ zählen. Jetzt plant der Verlag, „Welt“-Redakteure mit finanziellen Anreizen zum freiwilligen Ausscheiden zu bewegen. Doch das Turbo-Programm stößt auf Kritik.

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Noch ist unklar, wie viele Arbeitsplätze in den Redaktionen dem Rotstift zum Opfer fallen sollen. Bei der „Bild“ ist inoffiziell die Rede von bis zu 150 Stellen. CEO Mathias Döpfner steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er will vermeiden, dass die geplanten Personalmaßnahmen in einer Prozesslawine vor den Arbeitsgerichten enden, was den angestrebten Abbau behindern würde. Er hat deshalb ein Programm namens „Herkules“ aufgesetzt, um Mitarbeiter zum freiwilligen Ausscheiden zu bewegen – zumindest gilt dies vorerst bei der „Welt“-Redaktion.

Das Freiwilligen-Programm hat heute die „Welt“-Chefredaktion, die Geschäftsführung und der Betriebsrat der Belegschaft vorgestellt. Demnach sollen die Mitarbeiter auf das derzeit bis Juni 2022 gültige Rationalisierungsschutzabkommen, eine finanzielle Prämie von 20 Prozent erhalten. In dem Abkommen hatte der Betriebsrat mit der Springer-Vorstand 2018 geregelt, was Mitarbeiter im Falle ihres Ausscheidens finanziell erhalten können.

„Welt“-Mitarbeiter können das jetzt angebotene Freiwilligen-Programm aber nur im Zeitraum zwischen dem 20. November und dem 18. Dezember annehmen. Doch im Verlag stößt die Offerte auf wenig Gegenliebe. „Es ist eine Mogelpackung, da die Mitarbeiter beim Rationalierungsschutzabkommen mit dem Arbeitgeber eine individuelle Abfindung aushandeln können, die höher als die jetzt offerierte Prämie liegen könnte“, erklärt ein Springer-Mitarbeiter. Kritik gibt es auch an einem weiteren Passus im derzeitigen Freiwilligen-Angebot. So müssen die Mitarbeiter die Abfindung zeitanteilig zurückzahlen, falls sie im Springer-Konzern innerhalb von zwei Jahren einen neuen Job finden.

Eine Verlags-Sprecherin sagt hierzu auf Anfrage von MEEDIA: „Ziel ist es, wie bei Axel Springer üblich, in möglichst vielen Fällen sozialverträgliche Lösungen zu finden. Daher bieten wir ‚Welt‘-Mitarbeitern über den abgeschlossenen Sozialplan hinaus die Teilnahme an einem Freiwilligenprogramm. Es handelt sich dabei um sehr großzügige Regelungen, oberhalb des Sozialplanniveaus.“ Ob diese Regelung auch für Mitarbeiter bei der „Bild“ gelten wird, ist unklar. „Die Verhandlungen für ‚Bild‘ laufen noch. Wir hoffen, auch hier für die Mitarbeiter attraktive Vereinbarungen schließen zu können“, so die Firmensprecherin.

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