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“Ist das alles dümmlich hier” – die Medien-Verachtung des AfD-Dreigestirns Weidel, Brandner, Gauland

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Keine Woche ohne Silke und Holger. In der neuen Folge der Medien-Reality-Soap gerät Herr Friedrich in Bedrängnis. West-Medien enthüllen unschöne Dinge. In der Aufregung um die Abwahl des AfD-Rechtsausschuss-Vorsitzenden Stephan Brandner zeigen AfD-Vertreter, wie sie wirklich zu Medien stehen. Und das ZDF ändert in letzter Minute den Namen des neuen "Traumschiff"-Kapitäns. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Silke und Holger halten die Medienwelt in Atem. Bzw. in dieser Woche mehr der Holger. Der Neu-Eigentümer der “Berliner Zeitung” hat sich schon wieder in eigener Sache im eigenen Blatt zu Wort gemeldet. Diesmal aber nicht, um ein wirres Essay gemeinsam mit seiner Frau zu veröffentlichen, sondern um einen Fragenkatalog der “Welt am Sonntag” öffentlich zu machen. Dort wird in der neuen Ausgabe berichtet, dass Holger Friedrich als IM Peter Bernstein eine Stasi-Vergangenheit hat. Das liest sich alles eher unschön. So soll er laut “Welt” zwölf teils handschriftliche Spitzelberichte verfasst haben, einige mit Folgen für die Betroffenen. Holger Friedrich hat alle Fragen der “Welt” samt seinen Antworten öffentlich gemacht. Er argumentiert, dass er damals aus einer Notlage heraus gehandelt habe. Er sei unter dem Verdacht der Republikflucht von der Stasi verhaftet und zur Zusammenarbeit gezwungen worden. Biografien aus der früheren DDR haben sicherlich häufig Brüche, die jemand, der in Westdeutschland aufwuchs, nicht nachvollziehen kann. Dass Friedrich aber seine Stasi-Tätigkeit nicht selbst öffentlich machte, wo er zusammen mit seiner Frau in den vergangenen Tagen doch so massiv mit politischen Thesen an die Öffentlichkeit drängte, lässt sich für mich nicht nachvollziehen. Es ist vor allem unklug. Unbill noch von anderer Seite: Der “Spiegel” berichtet, dass die “Berliner Zeitung” einen “Jubelbericht” über ein ostdeutsches Biotech-Unternehmen veröffentlichte, an dem Neu-Verleger Friedrich beteiligt ist und für das er im Aufsichtsrats saß. Von den Geschäftsinteressen des Eigentümers erfuhren die Leser nichts. Dazu wollte sich Friedrich gegenüber dem “Spiegel” nicht äußern. Dem Vernehmen nach lässt sich Holger Friedrich nun durch den allseits bekannten Medienanwalt Christian Schertz vertreten.

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Die große Diskussion darum, was man noch sagen darf und ob man noch was sagen darf, ging in dieser Woche heiter weiter. Endlich ist mit “Maybrit Illner” auch eine der Talkshows auf den Meinungsfreiheits-Bandwagon aufgesprungen. Der Titel der Sendung war “Worte, Wut, Widerspruch – Hass verbieten, Meinung aushalten?“. Zu Gast war u.a. Sascha Lobo. Aus Gründen der geistigen Beweglichkeit, habe ich sie nicht angeschaut.

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Für eine Riesenwelle sorgte die Abwahl des Rechtsausschuss-Vorsitzenden Stephan Brandner von der AfD. Brandner fiel in der Vergangenheit immer wieder durch scharfmacherische Pöbeleien auf. Und erneut (siehe Wochenrückblick von vergangener Woche) kommt Twitter ins Spiel. Brandner wurden im Zusammenhang mit seiner Abwahl vor allem zwei Entgleisungen auf dem allseits beliebten Kurznachrichtendienst vorgehalten. Einmal retweetete er nach dem Terror-Anschlag von Halle einen Tweet des Accounts “Hartes Geld”. In dem wurde die Frage gestellt, warum Politiker mit Kerzen in Moscheen und Synagogen “herumlungern”, wo doch in Halle zwei “Bio-Deutsche” getötet wurden. Brandner löschte den Retweet nach Kritik und entschuldigte sich dafür. Ob man ihm die Entschuldigung abnimmt, steht auf einem anderen Blatt.

In einem zweiten Fall geht es um einen Tweet von Brandner selbst:

Hier schießt er gegen Udo Lindenberg, der zuvor die AfD in dem ihm eigenen Duktus auf seiner Facebook-Seite kritisiert hatte (“horror-höcke, spitzenkandidat in thüringen einer demokratisch gewählten partei . das is ja gruselig – ein echter fascho, auferstanden aus ruinen und den nazis zugewandt.”). Später wurde Lindenberg mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, allerdings mutmaßlich nicht für diese vor allem orthografisch mutige Facebook-Äußerung. Kritisiert an dem Brandner-Tweet wurde vor allem der Begriff “Judaslohn”, was wiederum eine breite Diskussion lostrat, ob der Begriff “Judaslohn” nun antisemitisch sei oder nicht. Brandner-Fans zählten dabei gerne auf, wer den Begriff in der Vergangenheit sonst noch alles gebrauchte. Wobei sich mittlerweile herumgesprochen haben könnte, dass es eine Eselei nicht besser macht, wenn viele sie begehen. Zum Thema, ob der Judaslohn antisemitisch sei oder nicht, schrieb die “Jüdische Allgemeine” sinngemäß-salomonisch: Es kommt drauf an, häufig aber ja.

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Wirklich interessant, weil schlimm, war dann der Auftritt des AfD-Dreigestirns Weidel, Gauland, Brandner vor der Presse. Nachzuschauen in diesem Video:

Als ein Medienvertreter fragt, ob die AfD als Nachfolger Brandners für den Rechtsausschuss eine “integre Persönlichkeit” aufzustellen gedenke (was man angesichts des Rufs von Brandner durchaus fragen kann), wird Gauland richtig giftig. Und Alice Weidel höhnt mehrfach über die dummen Fragen der Medien. Der Auftritt gipfelt in der Aussage Weidels “Mein Gott, ist das alles dümmlich hier”.

Was für ein schräger, was für ein gruseliger Auftritt. Hier sieht man wie unter dem Brennglas, mit welcher Verachtung führende AfD-Leute den Medien begegnen. Ist das alles Kalkül? Will man sich als eine Art Provinz-Trump aufplustern? Das Faible von AfD-Leute für übersteile Twittereien könnte dafür sprechen.

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Und nun zu etwas völlig anderem: Am zweite Weihnachtsfeiertag sticht zum ersten Mal Flori Silbereisen als neuer “Traumschiff”-Kapitän Max Prager in See. Moment! Max Prager? Oder nicht vielleicht doch Max Parger? In den vom ZDF ausgesandten Pressemappen heißt der neue Capitano auf einmal durchgängig Max Parger statt wie einst angekündigt Prager. Und Joko Winterscheidt spielt in der Folge einen gewissen Moritz Parger, was darauf hindeutet, dass der der Bruder des Kapitäns sein könnte. Warum diese seltsame Namensänderung? Ob das vielleicht damit zu tun hat, dass die “FAZ” kurz nach Bekanntgabe des neuen Kapitän-Namens Max Prager ausgegraben hat, dass es mal einen echten Dampfschiff-Kapitän Max Prager gab, der allerdings im früheren Deutsch-Ostafrika u.a. Sachen gesagt haben soll wie: “Der Neger kann es nicht recht einsehen, warum der weiße Mann in Betreff der Reinlichkeit so penibel ist und er so oft bei ertappter Unsauberkeit gescholten wird.”

Vorteil bei “Max Parger”: Wenn man diesen Namen googelt, stößt man nicht sofort auf den unrühmlichen Namens-Vetter aus der Kolonialzeit. Shitstorm in letzter Sekunde abgewehrt!

Schönes Wochenende!

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