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Einstieg bei PIN AG: “Tagesspiegel”-Verleger Dieter von Holtzbrinck greift auf dem Berliner Briefmarkt an

Dieter von Holtzbrinck
Dieter von Holtzbrinck Foto: Verlagsgruppe Handelsblatt

Deutschlands Medienhäuser liebäugeln stärker mit dem Briefgeschäft. Ein Konsortium um den Verleger Dieter von Holtzbrinck plant bei dem Berliner Postunternehmen PIN AG einzusteigen. Und auch die Madsack Mediengruppe aus Hannover ist nicht untätig. Sie erwägt, das in Kiel und Lübeck getrennt geführte Briefgeschäft in Rostock zu bündeln.

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Überraschend will ein Konsortium unter der Führung der Dieter von Holtzbrinck Vermögensbeteiligung GmbH bei dem Postunternehmen PIN AG und ihren drei Tochterfirmen in Berlin einsteigen. Mit an Bord ist auch Marc Zeimitz, jahrelang Aufsichtsratsvorsitzender des Briefzustellers. “Die PIN kenne ich seit über 15 Jahren sehr gut. Gemeinsam wollen wir Investoren uns engagieren, um die PIN AG bei ihrer weiteren Entwicklung zu unterstützen”, begründet der Geschäftsmann den Einstieg. Noch muss der Deal allerdings vom Bundeskartellamt abgenickt werden.

Die 1999 gegründete PIN AG zählt mit etwa 1.300 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 70 Millionen Euro zu einem der größten privaten Briefdienstleister in Europa. Das Logistikunternehmen ist bislang ausschließlich in Berlin aktiv und verteilt hier täglich 750.000 Briefe. Dies erfolgt über ein eigenes Sortierzentrum, 18 logistische Depots und rund 500 Briefkästen. Davon befinden sich 250 in Partnershops, unter anderem in Märkten des Handelskonzerns Edeka. Mit dem Einstieg verstärkt der Verleger Dieter von Holtzbrinck seine geschäftlichen Aktivitäten in Berlin. Hier ist er über die DvH Medien-Gruppe unter anderem unternehmerisch und publizistisch mit dem “Tagesspiegel” präsent, der sich auf dem hart umkämpften Berliner Tageszeitungsmarkt behaupten muss.

Bewegte PIN-Geschichte

Mit dem Besitzerwechsel hat sich auch die Rechtsform des Berliner Briefdienstleisters geändert. Aus der PIN Mail AG wurde jetzt die PIN AG, bestätigt ein Firmensprecher. Das Logistikunternehmen hat eine bewegte Firmengeschichte. Im Juli 2007 hatte sich der Berliner Medienkonzern Axel Springer mehrheitlich an der damaligen PIN Group AG beteiligt, um im Briefgeschäft zusätzliche Erlöse zu erzielen.

Doch das Engagement wurde für Springer-Chef Mathias Döpfner zu einem teuren Flop. Mehr als 620 Millionen Euro musste der Medienriese damals auf sein Aktienpaket abschreiben. Nach dem Ausstieg von Springer richtete sich das Briefunternehmen neu aus und wagte als PIN Mail AG einen Neuanfang. Daran beteiligten sich zeitweise verschiedene Firmen, zuletzt das Private Equity-Unternehmen Quantum Capital Partners, das jetzt ausgestiegen ist.

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Auch Madsack treibt Briefgeschäft voran

Auch die Madsack Mediengruppe treibt ihr Briefgeschäft voran. Das Unternehmen plant, seine Nordbrief-Aktivitäten neu auszurichten. So sollen die bisher in Kiel und Lübeck getrennt geführten Gesellschaften auf die Nordbrief GmbH in Rostock verschmolzen werden. Entsprechende Pläne hat Madsack jetzt beim Bundeskartellamt angemeldet. Ein Madsack-Sprecher hierzu: “Hierbei handelt es sich um die Zusammenlegung der Nordbrief-Aktivitäten, die bisher in getrennten Gesellschaften in Kiel und Lübeck aktiv waren. Fortan werden diese in einer gemeinsamen Gesellschaft stattfinden.”

Nähere Einzelheiten will der Verlagssprecher hierzu nicht nennen. Der Nordbrief-Verbund ist eines von mehreren Standbeinen der Mediengruppe im Briefgeschäft. Zu diesem Geschäftsfeld gehören auch die Citipost, die die Regionen Hannover, Celle, Göttingen, Hildesheim abdeckt, die LVZ Post in Leipzig sowie weitere Postdienstleister in Brandenburg, die unter dem Dach der Mazmail zusammengefasst sind. Mehr als 250 Millionen Briefe jährlich verteilt das Medienunternehmen, zu dem die “Hannoversche Allgemeine Zeitung” gehört, hierüber in Nord- und Ostdeutschland.

Holzbrinck und Madsack sind nicht die einzigen Medienhäuser, die sich in dem Geschäftsfeld tummeln. Erst im April hatte die Funke Mediengruppe stärker im Thüringer Briefmarkt Fuß gefasst und durch die Funke Logistik GmbH die Mehrheit an der mpn mail & parcel network GmbH erworben. Damit will das Essener Medienhaus ein größeres Gegengewicht zur Post setzen, heißt es. Trotz der Konkurrenz durch die Post ist das privat geführte Briefgeschäft für viele Verlage eine lukrative Einnahmequelle. Sie machen sich hierdurch unabhängiger vom erodierenden Werbegeschäft. Zusätzliche Ertragsdynamik erhoffen sich die Unternehmen offenbar durch den Ausbau des Paketversands, der durch den wachsenden Online-Handel zunimmt.

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Alle Kommentare

  1. “Verleger Dieter von Holtzbrinck greift auf dem Berliner Briefmarkt an….”
    Ausgerechnet jemand aus der Besitzerfamilie des (inzwischen weit) linken “Zeit-Verlages”.
    Wo doch gerade die “Zeit” derart über die Ausbeutung durch den Kapitalismus herzieht.
    Und jetzt der Einstieg in das hauptsächlich von Mindeslohnbeziehern abhängige Briefgeschäft.
    Und das im rot/rot/grün regierten Berlin(!)

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