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“Eine der größten Manipulationsoperationen”: Wikipedia-Eintrag zu Claas Relotius offenbar systematisch verfälscht

Claas Relotius
Claas Relotius

Der Wikipedia-Eintrag des "Spiegel"-Fälschers Claas Relotius ist laut einem Bericht des Schweizer "Tages-Anzeigers" offenbar systematisch manipuliert und beschönigt worden. Dabei wurden sogar Presseberichte gefälscht. Wikipedia hat die Nutzerkonten, die mit dem Fall zusammenhingen wegen "massiver Manipulation" gesperrt.

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Der “Tages-Anzeiger” berichtet von Vorwürfen gegen acht Wikipedia-Konten, die seit Bekanntwerden des Fälscher-Skandals vor fast einem Jahr den Eintrag über Relotius systematisch verfälscht haben sollen. Fünf von ihnen sei offenbar nachgewiesen worden, dass sie vom selben Computer aus gesteuert wurden. Der “Tages-Anzeiger” nennt die Aktion “eine der größten Manipulationsoperationen in der deutschsprachigen Ausgabe von Wikipedia”.

Dem Bericht zufolge fingen die Nutzer, die sich “PreRap”, “Snapperl” oder “Klussmann” (wohl als Anspielung auf “Spiegel”-Chefredakteur Steffen Klusmann) nannten, schon früh an, den damals neu angelegten Eintrag über Relotius zu beschönigen. Dabei blieben sie zunächst harmlos: Sie verglichen den Fälscher an einigen Stellen mit dem legendären Reporter Egon Erwin Kisch. An anderer Stelle wird Relotius von der Gruppe als “Karl May unserer Tage” verharmlost.

Falsche Belege

Später operierten die Konten jedoch auch mit gefälschten Belegen, um Relotius besser dastehen zu lassen. Sie zogen ein Jahrbuch einer deutschen Stiftung heran, um die Existenz eines kapitalistisch agierenden Steuerberater in Kuba vermeintlich zu belegen. Diesen hatte Relotius porträtiert, woran es später jedoch starke Zweifel gab. In dem Jahrbuch fanden sich allerdings ebenfalls keine Belege für die Existenz des Protagonisten.

Zudem ließ die Gruppe große Teile des Wikipedia-Textes verschwinden, in denen Vorwürfe und die Vorgehensweise des Fälschers detailliert beschrieben wurden.

Mit einem Artikel aus der “Basler Zeitung” wollten die Nutzer darüber hinaus untermauern, dass Relotius seine Preisgelder Kinderhilfswerken gespendet hat. Allerdings war auch dieser Beleg falsch. In dem Artikel stand kein Wort dazu.

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Screenshots wurden gefälscht, um Relotius zu entlasten

Auch verfälschten sie offenbar Stellen aus dem Abschlussbericht der “Spiegel”-Kommission zu dem Fall, verteidigten die Fälschung über das Gespräch von Relotius mit einer Holocaust-Über­lebenden und versuchten sogar Passagen aus dem Buch des Relotius-Enthüllers Juan Moreno aus dem Online-Lexikon zu tilgen.

Letzteres betrifft etwa den Teil des Buches, in dem Relotius gesagt habe, er könne eine Stelle beim “Spiegel” wegen seiner kranken Schwester nicht antreten. Eine Schwester hat der Fälscher allerdings nicht gehabt. Um das Gegenteil zu beweisen, hat einer der Accounts einen Screenshot einer Nachricht in der “Welt” hochgeladen. Wikipedia-Nutzer entlarvten das Bild später als Fälschung.

In Folge dieses Versuchs wurden die Accounts Ende September wegen “massiver Manipulation” aus Wikipedia entfernt. Eines der Konten hatte dem “Tages-Anzeiger” zufolge “wohl durch einen Lapsus” einmal seine IP-Adresse preisgegeben. Wie genau, ist nicht beschrieben. Die Adresse deute aber darauf hin, dass die Aktionen im Umkreis der norddeutschen Gemeinde Seevetal gesteuert wurden. Dort liegt auch die Ortschaft Tötensen, aus der Claas Relotius stammt.

rt

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Alle Kommentare

  1. Sind das hier wieder die Copy-&Paste-Standardtexte der bräunlichen Kameraden, oder ist es ein Deja-vu?

    Vielleicht sollten Sie sich wenigstens ein Minimum an Mühe geben bei ihren Versuchen, arbeitenden Menschen ihre Zeit zu stehlen.

    1. Hallo @Arno Nym,

      sind Sie es wirklich oder sind Sie der Wikipedia @user “Fröhlicher Türke” der Streitantworten auf den Diskussionsseiten immer mit “Lachender Türke” zeichnete?

      Oder sind Sie es der berühmte Wikipedia @user Andol aus Unterfranken?

      Oder doch Wikipedia @user GiordanoBruno der zu allen Themen etwas beizutragen hat, egal ob es um Erdbeeren oder Chemikalien oder Massenmörder geht?

      Wikipedia @user Feliks könnten Sie auch sein. Aber der wurde enttarnt von der veröffentlichenden Meinung dem Pöbel vorgeworfen. Der sind Sie bestimmt nicht.

      Oder sind Sie der @user, der Emanuel Kant aus Wikipedia verbannt haben will, weil der vor 100 Jahren das Wort “Neger” irgendwo in seinen Briefen verwandte?

  2. Der “Tages-Anzeiger” nennt die Aktion “eine der größten Manipulationsoperationen in der deutschsprachigen Ausgabe von Wikipedia”.

    Hahaha! Das Wort “Dimension” fehlt noch …

    Das deutsche Wiki ist nicht mehr bedenkenlos zitierfähig. Bei Fragen zur Tier- oder Pflanzenkunde schlage ich bedenkenlos in Wikipedia nach. Sobald es aber Interpretation gibt ist Wikipedia höchst parteiisch. Politik, Geschichte, soziologische Themen, Religion, Ideologien (z.B. Feminismus), Philosophie, usw. sollte man auf Wikipedia getrost ignorieren. Bei diesen Themen ziehe ich vorher die Einweghandschuhe an und werfe die hinterher sorgsam weg. Wenn Wikipedia das Gedächtnis der Menschheit sein soll, dann gute Nacht liebe Welt. Deswegen wird in den nächsten Jahren der Brockhaus auf Ebay wohl für horrende Preise zu erwerben sein oder ganz verboten.

    Wiki ist ganz O.K. als allgemeine Info (noch), aber nur wenn man mehrere Sprachen spricht. Ich verstehe 4 und ehrlich, ich wundere mich manchmal nicht schlecht, wenn ich einen nach dem anderen die Artikel lese. Da gibt es solche abissalen Unterschiede, dass man nicht mehr von “einem” Projekt reden kann. Im Grunde genommen ist Wikipedia nicht nur das Babylon der Versionen sondern auch noch das größte Beispiel des “ich erfinde das Rad neu”, das ich jemals gesehen habe.

    Tipp: Es lohnt sich englische und deutsche Wiki-Artikel zu vergleichen!

    Die englischen Artikel sind oft ausgewogener und sehr viel weniger politisiert!

    Man findet in den englischen Artikeln oft auch “politisch unerwünschte” Infos, die bei der deutschen Wiki von Kader-Admins schnell raus editiert werden!

    Zum Glück ist es für die deutschen Kader-Gruppierungen in jedem Fall schwieriger sowohl die englische als auch die deutsche Wikipedia mit Admins zu unterwandern, so daß sie es halt nicht schaffen beide Artikel zu manipulieren, wodurch sich ein Vergleich der verschiedenen Sprachen auf jeden Fall lohnt!

    Die Zahl derer, die bei WP aktiv sind ist seit Jahren rückläufig. Weil engagierte Leute von gewissen gut verseilten “Platzhirschen” wie schnell weggebissen werden und “das tu ich mir doch nicht freiwillig an”.

    Die Platzhirsche behängen sich gegenseitig mit “Lametta”, mit Orden “barn stars”, und sie haben auch eine extra “Störe-unsere-Kreise-nicht-Regel”, die nennt sich allerdings “Störe nicht Wikipedia” (auch nicht, wenn du Recht hast, Schnauze halten!) . Man soll nicht darauf hinweisen, wenn bei der deutschen WP mit zweierlei Maß gemessen wird, denn so etwas erzeugt angeblich “Wikistress”. Da fühlen sich die WP-Großkopfeten dann vorgeführt und man wird nach dieser Regel ganz schnell gesperrt.

    Der Ablauf bei unerwünschten Fakten innerhalb der deutschen WP ähnelt sich häufig:

    Ein Fakt wird trivialisiert.
    Ein Fakt wird geleugnet oder verzerrt.
    Ein sogenannter Edit-War wird begonnen; der Artikel mit nunmehr missliebiger Kritik wird also immer wieder auf die kunterbuntwirhabenunsalleliebimkampfgegenrechts Version zurückgesetzt.
    Der Artikel wird anschließend für die Bearbeitung gesperrt.

    Damit ist das Ziel im Prinzip auch schon erreicht. Die allermeisten Wikipedia Benutzer schauen natürlich nicht auf die Diskussionsseite. Die Sperre kann mit Hilfe von Admin-Kumpanen noch ein paar Mal verlängert werden. Die missliebige Kritik ist aus der öffentlichen Wahrnehmung. Benutzer mit anderer Meinung wenden sich angewidert oder resigniert ab. Irgendwann interessiert es keinen mehr.

    Der “Tages-Anzeiger” nennt die Aktion “eine der größten Manipulationsoperationen in der deutschsprachigen Ausgabe von Wikipedia”.

    Hahaha!

    1. >Die englischen Artikel sind oft ausgewogener und sehr viel weniger >politisiert!
      Das finde ich sehr interessant! Habe Sie evtl. ein paar Beispiele von Wikipedia-Artikeln, bei denen die englische Version deutlich ausgewogener ist als die deutsche ?

  3. Zitat: “Eine der größten Manipulationsoperationen”: Wikipedia-Eintrag zu Claas Relotius offenbar systematisch verfälscht.

    Meine Meinung:
    Spielt das bei den heutigen Medien noch eine Rolle?
    Warum aufregen, einfach Finger weg.

    Wer unbedingt etwas lesen muss ist hier richtig.
    Rodong Sinmun die nordkoreanische Arbeiterzeitung.
    Eine typische Ausgabe sieht wie folgt aus:

    Erste Seite: Leitartikel, Berichte über die Aktivitäten Kim Jong-uns
    zweite Seite: Artikel zur nordkoreanischen Staatsideologie (Chuch’e, Sŏn’gun)
    dritte Seite: Wirtschaftsnachrichten (Inland)
    vierte Seite: nationale und internationale Nachrichten
    fünfte Seite: Propaganda gegen Südkorea
    sechste Seite: Propaganda gegen die USA und Japan*

    Da weiß man was man liest.

    *Wikipedia

  4. Wikipedia ist, was die Rubrik Politik betrifft, ein linkes Manipulationsorgan. Ich kann mich an artikel erinnern, wo Leute “enttarnt” oder besser bekannt wurden, die selbst in den Giftschrank gehören. Und zwar definitiv. Man darf sich auch gern mal den immer weiter glatt geschliffenen Artikel bsp. zu Kahane ansehen. Das ist kein Zufall, das hat System. Von daher ist dieses Organ zumindest im Bereich Polik im weiten Sinne nicht der Wahrheitsfindung dienen. Nur leider sagt das so keiner…………..

  5. Dann wäre es ja eine Aufgabe unserer hochgelobten investigativen Medien herauszufinden, wer hinter diesen Fälschungen steckt. Aber dazu hat wohl offensichtlich keines Lust, es wäre ja auch zu mißlich, wenn es ein Haltungsjournalist wäre wie Relotius selbst. Eine Krähe…

  6. Hochbegabte Ferndiagnostiker ergreifen hier das Wort. Fürsorgliche Ratgeber, die auch die Gefährdeten-Ansprache beherrschen. Woher wissen sie eigentlich, dass es Relotius selber war?

      1. Okay, Dieter war‘s nicht, der hat’s nicht so mit Computern 😉
        Aber Max Schott, warum nimmst Du Partei für einen überführten Fälscher? Bist Du etwa selbst der Claas?
        Mein Gott, ist das wieder spannend…

      2. Schmittgen, es ist zu befürchten, dass Sie schon mit der kognitiven Erfassung dreier kurzer Sätze überfordert sind. Wie sollten Sie da den Unterschied zwischen Unschuldsvermutung und Parteinahme begreifen.

      3. Hallo Claas, ich hab da einen interessanten Wikipedia Eintrag gefunden: „Max Schott, Autor von Geschichten, Romanen und Essays.“ Zufall? Wohl kaum.
        Claas komm raus, du bist umzingelt!! 😀😀

  7. Das Ein-Mann-Kommando “Tötensen Revenge” mit sechs Kampfnamen. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es fast schon lustig.

    Der Mann ist offenbar wirklich schwer psychisch beeinträchtigt, bis zur exzessiven Selbstschädigung. Er kocht seine eigene Geschichte immer und immer wieder hoch, und er vergrößert dabei den Schaden für sich immer weiter. Wo soll denn das enden? Selbstverbrennung vor dem Spiegel-Gebäude, vor zwanzig vorher einbestellten Fernsehteams?

    Ab einem bestimmten Punkt muss ihn doch endlich einmal jemand zu seinem eigenen Schutz aus dem Verkehr ziehen.

  8. Herr Relotius, wenn Sie Ihr Leben ordnen wollen, hilft nur ehrliche Selbsterkenntnis und ein aufrichtiges Mea Culpa, nicht weitere Manipulationen.

    1. Selbsterkenntnis und ein aufrichtiges Mea Culpa – also Selbstreflexion – ist nichts, womit sich (die meisten) Journalisten belasten. Die eigene intellektuelle und moralische Überlegenheit darf durch solche Nebensächlichkeiten nicht beeinträchtigt werden.

      Ich weiß, wovon ich schreibe, denn ich war selbst einer.

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