Partner von:
Anzeige

Raus aus der “Komfortzone”: Warum Vorstand Andreas Wiele Axel Springer den Rücken kehrt

Andreas Wiele begründet seinen Rückzug von Springer beim Leadership Summit
Andreas Wiele begründet seinen Rückzug von Springer beim Leadership Summit Foto: Intranet Axel Springer

Andreas Wiele galt bei Axel Springer als Urgestein. Jetzt scheidet er nach fast zwei Jahrzehnten im Vorstand bei dem Berliner Medienhaus aus und wechselt zum Finanzinvestor KKR. Mit dem Vorstandsumbau haben Springer-Chef Mathias Döpfner und der Aufsichtsrat einen schlauen Schachzug getan, um den Konzern international weiterzuentwickeln. Denn das Unternehmen steht vor entscheidenden Wochen. Eine Analyse.

Anzeige

Es war ein große Überraschung für die rund 200 Führungskräfte bei Axel Springer: Andreas Wiele gab gestern auf dem “Leadership Summit 2019” bekannt, dass er seinen Arbeitgeber verlässt. Ein tiefer Einschnitt für den Medienmanager, der fast zwei Jahrzehnte im Vorstand des “Bild”-Herausgebers agierte – zuletzt in dem für die Berliner wichtigen Rubrikengeschäft Classified Media, das 60 Prozent zum Ertrag besteuert.

Als Grund für sein Ausscheiden nannte der 57-Jährige den verblüfften Springer-Führungskräften gestern, dass er seine “Komfortzone” verlassen wolle. Inspiriert zu diesem Schritt hätten ihn die vielen Firmengründer, die er in den vergangenen Jahren traf. “Ich habe immer gedacht: Wow, wenn ich eines Tages so sein könnte wie sie”, erklärt er in einem Statement, das im Springer-Intranet verbreitet wird. Der studierte Jurist will sich beruflich neu ausrichten und hat scheinbar die Einschränkungen seines Angestellten-Daseins satt. Künftig plant er, sich als Unternehmensgründer und Investor zu betätigen. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Denn der Manager soll im kommenden Jahr Mitglied im Senior Advisory Board des US-Finanzinvestor KKR werden, der sich an Axel Springer beteiligt hat.

Schlauer Schachzug

Und das wird in Branchenkreisen als schlauer Schachzug gewertet, hinter dem wohl vor allem Mathias Döpfner steckt. Denn der Springer-Chef verschafft sich mit der neuen Position seines langjährigen Vertrauten ein wichtiges Bindeglied zu seinem neuen Großaktionär KKR. So kann Wiele Döpfner in dieser neuen Funktion helfen, das Berliner Medienhaus – mit Hilfe der Amerikaner – international auszubauen. Döpfner und KKR haben sich viel vorgenommen. Sie wollen vor allem durch Zukäufe, das Wachstum von Springer beschleunigen.

Hier steht der Konzern vor entscheidenden Wochen. Am 26. November will Scout24-Chef Tobias Hartmann entscheiden, ob er die Autohandels-Plattform AutoScout24 behält oder – auf Druck von Hedgefonds – abspaltet und verkauft. Sollte er sich von der Sparte trennen, gilt Axel Springer als möglicher Käufer. Klappt der Mega-Deal, könnte Wiele Döpfner auf KKR-Seite unterstützen, den Zukauf bei Springer zu verdauen.

Anzeige

Verjüngung des Vorstands

Doch es gibt noch eine weitere Facette in der gestern verkündeten Top-Personalie: Mit dem Ausscheiden von Wiele verschlankt der Aufsichtsrat nicht nur den Vorstand, er verjüngt zugleich das Management, indem der wichtige Vorstandsbereich von Wiele an die 45-jährige Stephanie Caspar und den 49-jährigen Jan Bayer verteilt wird. So übernimmt Caspar, Vorstand News Media National und Technology, von Wieles bisherigem Ressort die AVIV-Gruppe, zu dem Immobilienangebote wie Immowelt gehören.

Bayer ist zusätzlich zu seinem Vorstandsbereich News Media International künftig für die Jobportal-Gruppe Stepstone tätig. Damit verteilt Döpfner operativ die Arbeitslast auf mehrere Schultern. Trotz alledem haben beide Manager mit den Bereichen genug zu tun. Vor allem Bayer. Denn durch den Markteintritt der US-Suchmaschine Google mit Google Jobs in Deutschland steht der studierte Medienwissenschaftler vor der großen Herausforderung, den Marktanteil von Stepstone zu halten und auszubauen.

In diesem Licht erscheint der gestern verkündete Umbau an der Springer-Spitze wohl kalkuliert. Und dabei wird es nicht bleiben. Auch die Besetzung des Aufsichtsrats wird sich vermutlich ändern, wenn der Einstieg von KKR alle kartell- und aufsichtsrechtlichen Hürden genommen hat. Dann wird hier der neue US-Großaktionär Sitze einfordern. Somit stehen bei Springer noch einige Personalien an.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. „Klappt der Mega-Deal(,) könnte Wiele Döpfner auf KKR-Seite unterstützen, den Zukauf bei Springer zu verdauen.“

    Darf man erfahren, was gemeint ist? Ist es möglich, in klaren, allgemein verständlichen Worten und Sätzen die Trennung und den offenbar zugleich innigen Schulterschluss des heroischen, womöglich ein wahnwitziges Risiko eingehenden Abschiednehmers Wiele von und mit Döpfner darzustellen? Und: Muss man jetzt für die unter einer unmenschlichen Mehrbelastung schier verzweifelnden Aufsichtsvorstände (trotz ihrer beeindruckenden Durchschnittsverjüngung) beten und Kerzen anzünden? Oder doch nur für die Opfer dieses „Mega“-Geschachers?

    Merci vielmals.

    1. Döpfner versucht wohl im Auftrag seiner Friede, die Risiken zu streuen.
      Dazu braucht er wohl mehrere Eisen im Feuer “KKR”.

      Sie dürfen von meedia.de nicht zu viel verlangen – die können nur offizielle Statement verbreiten. Hintergrundrecherche ist nicht ihr Ding ….

      1. Wie wahr. Damit können sie nicht „punkten“, um mal die Lieblingsphrase ihres Auflagen-Analüsten zu zitieren. Es wird immer langweiliger hier. Selbst Gangsterwally hat die Flucht ergriffen 🙂

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia