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„Nicht langsam, zäh und in jährlich neuen Sparrunden“: So informiert der Springer-Vorstand die Mitarbeiter über den Radikal-Umbau

Ebay-Kleinanzeigen steht vor dem Verkauf: Dafür soll sich Springer-Chef Mathias Döpfner (Foto) interessieren.

Der Berliner Medienkonzern Axel Springer richtet sich neu aus. Darüber haben die Springer-Vorstände Mathias Döpfner und Stephanie Caspar die Mitarbeiter heute in einem Schreiben informiert. Darin steht auch, dass Kündigungen nicht ausgeschlossen werden können. MEEDIA dokumentiert die wichtigsten Passagen des Schreibens im Wortlaut.

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Axel Springer sei deshalb ein erfolgreiches Medien- und Technologieunternehmen, „weil wir uns in den letzten Jahrzehnten immer wieder von Grund auf verändert haben“, heißt es in dem Schreiben des Vorstands an die Springer-Belegschaft. „Wir haben uns stets frühzeitig den Marktherausforderungen gestellt und notwendige Maßnahmen für Wachstum insbesondere im digitalen Journalismus ergriffen. Nur deshalb sind wir heute schon führender Digitalverlag Europas. Wir wollen als journalistisches Haus auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein, um unabhängig zu bleiben und um gestalten zu können, anstatt irgendwann mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Das ist uns im Vorstand und, wie wir aus vielen Gesprächen wissen, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Axel Springer wichtig.

„Bild“ soll ins TV

In Zukunft werde die Mediennutzung „noch digitaler sowie zunehmend audio-visuell“, gleichzeitig nehme die Zahlungsbereitschaft im Internet zu. Die Marke „Bild“ soll darum zu einer „Live-Plattform für News, Entertainment und Sport“ ausgebaut werden und auch ins TV verlängert werden. Wie genau, lassen die Vorstände offen. Gut möglich, dass hierfür der hauseigene TV-Kanal Welt (vormals N24) genutzt wird.

Bei der Zeitung „Welt“ soll die „heute schon sehr erfolgreiche Paid Content-Entwicklung mit Investitionen in Inhalte und Technologie“ ausgebaut werden.Döpfner und Caspar verweisen zudem auf den Umzug in den gemeinsamen Newsroom im Axel-Springer-Neubau, „wo Fernsehen, Digital und Print noch viel enger vernetzt zusammenarbeiten können.“

„Können leider in vielen Bereichen nicht so weitermachen“

Man investiere also mit „gezielten Initiativen für herausragenden digitalen Journalismus in die Zukunft der Marken Bild und Welt“, heißt es. Aber die bittere Pille folgt: „Gleichzeitig müssen wir uns fokussieren, um auch weiterhin einen wirtschaftlich erfolgreichen und unabhängigen Journalismus sicherzustellen. Wir können leider in vielen Bereichen nicht so weitermachen wie bisher, wenn wir unser deutsches Mediengeschäft zukunftsfähig aufstellen wollen. Deshalb sind Einsparungen bei unseren Aktivitäten und damit auch bei Mitarbeitern notwendig, die sich täglich mit viel Leidenschaft für den Erfolg unserer journalistischen Marken einsetzen.“

Das betreffe „selbstverständlich“ auch Führungskräfte. „Wir werden bei News Media National wo möglich Funktionen durch moderne Technologien standardisieren, Hierarchien abbauen und Angebote konzentrieren. Ziel ist es, die aktuellen Strukturen zu verkleinern. Auf diesem Weg wollen wir bei News Media National die aktuelle Kostenbasis durch strukturelle Maßnahmen um 50 Millionen Euro über alle Bereiche und Standorte hinweg senken“, heißt es in dem Schreiben.

„Schnell größtmögliche Klarheit geben“

Diese Entscheidungen seien „uns definitiv nicht leichtgefallen“. Die Vorstände schreiben: „Wir haben intensiv darüber nachgedacht, ob wir Ihnen allen, den Bereichen und den einzelnen Teams, so viel Veränderungen auf einmal zumuten können und ob es nicht besser ist, schrittweise vorzugehen. Das ist keine einfach zu beantwortende Frage. Wir sind aber überzeugt, dass es wichtig ist, Ihnen jetzt schnell größtmögliche Klarheit zu geben. Wir wollen Journalismus bei Axel Springer in Deutschland jetzt zukunftsfähig machen – nicht langsam, zäh und in jährlich neuen Sparrunden. Sondern in einem umfassenden, schnellen Schritt und mit großen Veränderungskonzepten. Uns ist sehr wichtig, dass Sie diesen Plan kennen und verstehen, wie wir vorgehen möchten.“

Das Haus setze beim Personalabbau in erster Linie auf „Freiwilligkeit, Fluktuation und Vorruhestandsregelungen“. Aber: „Zur Klarheit, die wir Ihnen geben möchten, gehört auch, dass wir betriebsbedingte Kündigungen im Zusammenhang mit dieser Neuorganisation nicht ausschließen können. Wir möchten aber mit den Maßnahmen in unserem Paket alles tun, um das möglichst zu vermeiden. Über Details und Möglichkeiten werden wir in enger und konstruktiver Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern ab sofort jeden einzelnen Bereich informieren. Gleichzeitig zu sparen und zu investieren wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Wir glauben: Es ist die Voraussetzung für den Erfolg unserer Wachstumsstrategie.“

Unterzeichnet haben das Schreiben CEO Mathias Döpfner und Stephanie Caspar, Vorstand News Media National & Technology bei Springer.

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