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“FAZ” plant neues Layout für die Zeitung und täglichen Nachrichtenpodcast

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© Picture Alliance

Die "FAZ" wird im November 70 Jahre alt. Bei einem Kongress der Zeitung in Frankfurt kündigte der Vorsitzende der "FAZ"-Geschäftsführung, Thomas Lindner, ein neues Layout für die Zeitung an. Im Interview mit der "dpa" sprechen sich Herausgeber Berthold Kohler und Digital-Chef Carsten Knop zudem für Produkte neben der Zeitung aus.

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Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (“FAZ”) bekommt ein neues Layout. Der Vorsitzende der “FAZ”-Geschäftsführung, Thomas Lindner, kündigte am Donnerstag auf einem Kongress der Zeitung in Frankfurt ein moderneres und luftigeres Layout ab November an. Die überregionale Tageszeitung wird im November 70 Jahre alt. Bereits jetzt gibt es einen neuen Markenauftritt mit dem Claim “Freiheit beginnt im Kopf” (MEEDIA berichtete). Dieser solle den Gründungsanspruch der Zeitung und die Leistung der Redakteure widerspiegeln, betonte Lindner.

Der Herausgeber der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (FAZ), Berthold Kohler, plädiert im “dpa”-Interview dafür, den Abgesang der Zeitung nicht zu schnell anzustimmen. Der Chefredakteur Digitale Produkte bei der “FAZ”, Carsten Knop, kündigt zugleich neue Produkte jenseits des Gedruckten an. Hier das Interview:

“Wir wollen es so schwer wie möglich machen, auf die Papierausgabe zu verzichten”

dpa: Im November wird die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” 70 Jahre alt. Für was steht die Zeitung heute?
Berthold Kohler: Die Zeitung folgt seit ihrer Gründung vor 70 Jahren denselben Idealen: Freiheit des Denkens, publizistische Unabhängigkeit und journalistische Qualität.

Wie lange wird es dauern, bis es vielleicht keine gedruckte Zeitung mehr geben wird?
Carsten Knop: Das kann man seriös nicht vorhersagen. Das dauert noch sehr lange.
Berthold Kohler: Den Abgesang sollte man nicht zu schnell anstimmen. Wir glauben, dass die gedruckte Zeitung noch recht lange Leser finden wird. Ob Rundfunk oder Fernsehen – kein neues Medium hat die schon zuvor existierenden Medien komplett ersetzt oder verdrängt. Wie sich die Marktanteile entwickeln, ob auch dem Internet in der Zukunft ein neuer Konkurrent erwächst, das alles weiß heute niemand zu sagen.

“Recht lange” – damit meinen Sie Jahrzehnte?
Berthold Kohler: Jedenfalls nicht nur Jahre. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass auch die gedruckten Zeitungen weiter gut gemacht werden und nicht nur als Steinbrüche für das digitale Geschäft herhalten müssen. Dann würde ich sie zu den guten alten Dingen rechnen, die trotz oder vielleicht sogar wegen des rasenden Wandels weiter nachgefragt werden. Es soll Unternehmen geben, die mit Klassikern ganz gute Geschäfte machen. Die Entscheidung, wie lange es noch gedruckte Zeitungen geben wird, treffen aber nicht wir, sondern unsere Leser und Käufer. Wir wollen es ihnen so schwer wie möglich machen, auf die Papierausgabe zu verzichten – und so leicht wie möglich, unsere digitalen Angebote zu nutzen.

“F+” mit 30.000 Lesern nach einem Jahr

Wie laufen die digitalen Produkte “F+” und E-Paper?
Carsten Knop: Zunächst zu “F+”, das ist die Flatrate für “FAZ.NET”, die dort die Paywall freischaltet, aber noch nicht den Zugriff zur vollständigen Zeitung: “F+” haben wir am 9. Oktober des vergangenen Jahres eingeführt. Das Angebot ist ein großer Erfolg, schon mehr als 30.000 Leser begeistern sich dafür.

Und der Verkauf des E-Papers wiederum steigt in derselben Zeit in exakt demselben Tempo weiter, mit dem das E-Paper auch schon vor der Einführung von “F+” gewachsen ist. Das ist rundum erfreulich. […] Dieses Abo beinhaltet gleich zwei Darstellungsformen: das klassische E-Paper, das die Zeitung eins zu eins abbildet, und das Produkt, das wir Edition nennen. Das ist eine multimediale Ausgabe, die sich responsiv auf allen Endgeräten so anpasst, dass sie auf großen und kleinen Bildschirmen überzeugend aussieht. Dort werden von unserer Redaktion zum Beispiel auch Videos eingebettet, Hintergrundgeschichten verlinkt, ein tieferes Leseerlebnis ermöglicht. Diese multimediale Ausgabe werden wir auf der “FAZ.NET”-Website – und das ist ein Blick in die Zukunft – künftig auch noch deutlich sichtbarer machen. Dann wird man sie leichter finden, und diese moderne Darstellungsform der klassischen Zeitung wird eine noch sehr viel jüngere Zielgruppe erreichen. Wir sind ganz gespannt, was daraus wird. Das ist unser nächstes Projekt.

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Wann startet das Projekt?
Carsten Knop: Begonnen hat es schon, die Layouts stehen, die Programmierung läuft. Den Zeitpunkt der Markteinführung würde ich jetzt – da ist man immer auf so hoher See – noch nicht prognostizieren. Aber es ist absehbar.

“Wir haben damit jetzt eine Art Wünschelrute”

Was lesen die Leute auf Ihrer Webseite, was zieht am besten?
Carsten Knop: Die Stücke, die handwerklich am besten gemacht sind. Der Leser hat dafür ein Gespür. Auch eine starke Meinung läuft gut, das ist ja ohnehin eine besondere journalistische Stärke unseres Hauses. Die Leser erspüren die Qualität schon nach dem Lesen der ersten beiden Absätze, bevor sie an die Paywall stoßen: Hat da jemand wirklich richtig lange recherchiert, hat er sich Mühe gegeben? Hat die Kollegin, die es gemacht hat, oder der Kollege, eine Idee, wo er hin will mit seinem Text? Die Zeitung profitiert davon ebenfalls. Wir haben damit jetzt eine Art Wünschelrute in der Hand, womit wir erspüren können, für was sich der Leser begeistert.

“FAZ” plant täglichen Podcast

Wollen Sie den Videobereich auch ausbauen?
Carsten Knop: Jein. Wir bauen aus – allerdings im Audiogeschäft, und das ist dasselbe Team bei uns. Uns fehlt ja noch ein täglicher Podcast. Der wird in absehbarer Zeit kommen von der “FAZ”: ein täglicher Nachrichtenmagazin-Podcast. Ein richtiges Geheimnis ist das nicht mehr: Wer in den vergangenen Wochen aufmerksam unsere Stellengesuche gelesen hat, konnte dort zwei Audio-Redakteursstellen finden. Und im gewünschten Profil sind eben auch Video-Kompetenzen eingeschlossen.

Soll der tägliche Nachrichten-Podcast morgens oder abends zur Verfügung stehen?
Carsten Knop: Darüber haben wir noch nicht abschließend entschieden.

Nach einem Wechsel im Frühjahr im Team der vier Herausgeber besteht das Gremium erneut komplett aus Männern. Warum ist keine Frau an der Spitze?
Berthold Kohler: Die Erwartungshaltung war uns durchaus bekannt. Bei der Entscheidung, wer in das Herausgebergremium aufgenommen wird, spielen mehrere Kriterien eine Rolle. Das Geschlecht ist auch bei der jüngsten Kooptation nicht das ausschlaggebende Merkmal gewesen.

dpa

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