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Silke und Holger Friedrich zum Kauf der “Berliner Zeitung”: “Beim ‘Tagesspiegel’ hätten wir das nicht gemacht”

Die neuen Eigentümer des Berliner Verlags: Silke und Holger Friedrich
Die neuen Eigentümer des Berliner Verlags: Silke und Holger Friedrich

Silke und Holger Friedrich, die Käufer des Berliner Verlags haben der nunmehr eigenen "Berliner Zeitung" ihr erstes Interview gegeben. Darin erläutern die beiden ihre Motivation für den überraschenden Kauf. Nebulös bleibt die Rolle des "Berliner Kurier".

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“Eine Hauptmotivation ist für uns, einen Beitrag zu leisten im gesellschaftlichen und politischen Diskurs. Weil wir im persönlichen Umfeld und auch aus eigener Erfahrung feststellen können, dass es eine Politik- und Medienverdrossenheit gibt und eine ganz große Skepsis.” So begründet der Software-Unternehmer Holger Friedrich in der “Berliner Zeitung” den Kauf des angeschlagenen Verlags. Er habe die “Berliner Zeitung” immer als einen Versuch wahrgenommen, “möglichst ehrlich zu sein und das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Deswegen ist sie heute noch da. Wir sind sehr dankbar dafür.”

“Eine gewisse Angstfreiheit”

Das Unternehmerpaar könne bei der Zeitung “einen hohen Grad an Unabhängigkeit, das Wissen um technologische Zusammenhänge und eine gewisse Angstfreiheit” einbringen. Das klingt schon mal ganz gut. Friedrich betont in dem Gespräch auch die emotionale Bindung, die er als Ost-Berliner zum früheren DDR-Blatt “Berliner Zeitung” habe: “Wenn es heute die gleiche Verkaufs-Diskussion zum ‘Tagesspiegel’ gegeben hätte – das hätten wir nicht gemacht. Ich bin mit der ‘Berliner Zeitung’ groß geworden.”

Auf die Frage, ob sie sich auf den Spuren des Amazon-Gründers und Milliardärs Jeff Bezos fühlten, der in den USA die “Washington Post” gekauft hat, verneinen die Friedrichs. Sie würden das nicht aus “Mäzenatentum” machen, sondern aus “bürgerlichem Engagement” heraus. Wobei das eine das andere ja nicht unbedingt ausschließt.

Branchenfremdheit als Chance

Silke Friedrich, die u.a. die Privatschule Berlin Metropolitan School leitet, erklärt, dass es ein Vorteil sein kann, dass sie beide branchenfremd sind: “Wir sehen das als absolutes Potenzial, als Chance für den Verlag, für uns und für die Branche, in der wir uns bewegen. Wir wollen eintauchen und uns vertiefen, lernen, uns austauschen mit anderen.” Sie glaubten nicht an den “Abgesang des Journalismus”. Es brauche “gute Medien und zwar meinungsstark, reflektiert, faktenorientiert als Navigation in dieser unfassbar komplexen Welt”. Wohl gesprochen, aber auch etwas, das vermutlich jeder andere ebenso unterschreiben würde.

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Das Verhältnis der beiden Neu-Eigentümer zu Print und Digital bleibt auch in dem Interview unscharf. Einerseits erklärt Holger Friedrich, dass man heute wohl stets zuerst digital lese. Andererseits gibt er ein Bekenntnis zu Print ab. Dass die beiden am Tag der Verkündung des Kaufs auch die Druckerei besucht haben, war ungewöhnlich und wurde als starkes Zeichen gewertet. Holger Friedrich: “Das gedruckte Wort jetzt einfach in die Ecke zu schieben, halte ich für falsch. Es muss eine Rückkopplung geben. Wir werden dafür sorgen, dass dieses Druckhaus ausgelastet wird, vielleicht nicht nur mit Produkten des Berliner Verlages.”

Was ist mit dem “Berliner Kurier”?

Man müsse Print und Digital “versöhnen”, sagt der frisch gebackene Verleger. Da hat er recht, die Frage nach dem “wie” beschäftigt die Branche freilich schon etwas länger. Was auch noch unklar bleibt, ist das Verhältnis der beiden zum Boulevardjournalismus. Zum Berliner Verlag gehört schließlich auch der “Berliner Kurier”, der allgemein als das noch weitaus größere Sorgenkind gilt und von den Friedrichs auch nicht von selbst erwähnt wurde. Auf die Nachfrage nach dem “Kurier” fällt den beiden dann auch nicht allzuviel dazu ein. Holger Friedrich sagt, dass er beim Fliegen auch gerne Boulevardzeitungen mitnehme und dies sein Meinungsbild “komplettiere”. Silke Friedrich erklärt relativ lapidar, dass Fakten Fakten seien und sagt: “Es kommt nur darauf an, sie in verschiedene Kanäle einzuspeisen. Wir sollten die Leser da abholen, wo sie stehen.” Bitte fünf Euro ins Phrasenschwein!

Es wäre aber nun vielleicht auch allzuviel verlangt, zu erwarten, dass die beiden Neuen an Tag zwei gleich Patentrezepte für alle Probleme der Zeitungsbranche der vergangenen zehn Jahre aus dem Hut zaubern. Der Berliner Verlag hat zwei neue Eigentümer, die den Eindruck vermitteln, dass sie es ernst meinen und die vielleicht einen neuen Blick auf alte Probleme einbringen können. Das sind für die Beschäftigten des Berliner Verlags und für die Branche zuerst einmal gute Nachrichten.

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Alle Kommentare

  1. Das größte Problem: auf unternehmerischen Wagemut wird in diesem unseren Lande zuerst Häme und ätzende Kritik ausgegossen!

    Die mentale Verfassung vieler MitbürgerInnen ist damit auf einem Tiefstand angelangt.

    Das verschwendet Zeit und Chancen – für Alle!

    Ich denke, es gab noch nie soviel kreativen Background, um Zeitung neu zu erfinden! Die Zeit ist dafür da, und das Personal.

    Interkulturelle Kollaboration, soziale und technologische Synergien sind möglich, von denen die vom „methodologischen Solipsismus“ befallenen Kritiker noch nicht einmal träumen können!

    Die große Aufgabe kann nur von klugen Zeitungsmacher bewältigt werden:

    Den durch soziale Medien beförderten methodologischen Solipsismus besiegen, die daraus resultierenden Qualia zu überwinden, und die Energiezufuhr für populistische Denkmodelle zu bremsen.

    Wer keine geschriebenen weisen Worte mag, muss irgendwann zum Arzt gehen.

    1. Sie könnten bei der Berliner Zeitung schon mal die Rubrik “Die Laber & Schwafel Ecke” übernehmen. Das können Sie wirklich gut.

      1. Liebe Frau Wehowski,

        ich habe größere Pläne, als nur eine Rubrik. Betrachten Sie doch die Zeitungswelt als unendlich elastisches kreatives und lernendes System.

        Niemand ist gezwungen, sich an bodenständiger Folklore und Populismus festzusaugen.

        Ein Luftzug nur, unter dem Absatz, oder dem gewohnten Denkmodell – schon kann man abheben, und zu neuen Höhen gelangen.

        Statt Rubrik wird es einen neuen Trend geben:

        smart Citizenship.

  2. Wer sind denn nun die beiden: Alter, Herkunft, Ausbildung, bisherige (Unternehmer-)Tätigkeiten, Quellen ihres Vermögens, politische Präferenzen …? Etwas Recherche vielleicht? Danke.

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