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70. Geburtstag der „Hamburger Morgenpost“: Betriebsrat bangt um gedruckte Ausgabe

Die „Hamburger Morgenpost“ ist 70. Rund 350 Gäste feierten gestern den runden Geburtstag der traditionsreichen Boulevardzeitung im Hamburger Rathaus. Doch die Festlichkeiten werden von einer verunsicherten Belegschaft begleitet. Der „Mopo“-Betriebsrat warnt die Kölner DuMont Mediengruppe davor, die Printausgabe einzustellen, falls es zu keinem Verkauf der Zeitung kommt.

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Es gehört dazu, dass an einem runden Geburtstag schwungvolle Reden gehalten werden. Das ließ sich auch „Mopo“-Chefredakteur Frank Niggemeier nicht nehmen. Seine Worte stießen bei der anwesenden Belegschaft des Boulevard-Blattes aber nur bedingt auf Wohlgefallen. Stein des Abstoßes war vor allem eine Aussage: „Unser Ziel ist es, digital so stark zu werden, dass dieser Bereich künftig die Marke trägt“, sagte Niggemeier anläßlich des 70. Geburtstags der Tageszeitung im Hamburger Rathaus.

„Ohne Print keine Zukunft der ‚Mopo'“

Betriebsrat und die Belegschaft sehen dies offenbar anders. Sie befürchten, dass eine radikalere Ausrichtung aufs Digitale die Existenz der Marke gefährden könnte: „Ohne Print gibt es keine Zukunft für die Publizistik der ‚Mopo‘. Aus den heutigen Digitalerlösen wird man keine Redaktion finanzieren können“, erklärten die ‚Mopo‘-Arbeitnehmervertreter in einem Schreiben an die Mitarbeiter, das MEEDIA verliegt. So bleibe die „Zeitung der Träger und das Mittel zur Transformation in eine digitale Zukunft“, heißt es darin. In dem Schreiben erinnert der Betriebsrat die Geschäftsführung und die Chefredaktion „an ihr Versprechen, die Printausgabe der Zeitung fortzuführen“.

Die Belegschaft der Boulevardzeitung hatte in der Vergangenheit bei runden Geburtstagen unliebsame Erfahrungen gemacht. So vor 20 Jahren. Zum 50. Geburtstag des Blattes hatte der ehemalige Eigentümer Gruner + Jahr in der Öffentlichkeit große Versprechen gemacht. Damals sagte der frühere G+J-Chef Gerd Schulte-Hillen den „Mopo“-Mitarbeitern in der Festrede felsenfest zu, dass die Bertelsmann-Tochter an dem Blatt festhalten würde. Doch es kam anders: „Nur wenige Tage später platzte die Bombe: Gruner + Jahr verkündete den Verkauf, der sicherlich schon länger ausgehandelt worden war. Vorher hatte G+J noch einmal versucht, mit der Zerschlagung der Vollredaktion die Sanierung der Zeitung zu realisieren. Eine finanzielle und redaktionelle Krise war die Folge“, erinnert die Arbeitnehmervertretung. Und verweist im selben Atemzug auf ein Rundschreiben des damaligen Betriebsrats: Darin hieß es: „Die Beschäftigten in Verlag und Redaktion haben die Nachricht vom Verkauf der ‚Hamburger Morgenpost‘ mit Wut und Enttäuschung aufgenommen. Wut und Enttäuschung, weil die vollmundigen Erklärungen noch am 16. September zum 50. Geburtstag der ‚Mopo‘ das Gefühl vermittelten, G+J stehe zu dem Blatt – ein Trugschluss.“

Angst vor Stellenabbau

Die „Mopo“-Belegschaft warnt unterdessen die Kölner DuMont Mediengruppe auch davor, einen Personalabbau vorzunehmen – falls es zu keinem Verkauf der Zeitung kommt. „Personalabbau sorgt nicht für die Qualität, die die Leser von uns erwarten. Personalabbau reduziert die Kosten nur kurzfristig, sorgt aber nicht für langfristige Stabilität“, erklären die Arbeitnehmervertreter. Sie fordern, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen: „Wir brauchen eine Zukunftsstrategie, die die gute alte Dame ‚Mopo‘ nicht ins Pflegeheim bringt, sondern die sie zu einer Eisernen Lady macht, die der Stadt noch viel zu geben hat“, heißt es. In der „Mopo“-Redaktion kursieren seit einigen Tagen Gerüchte, wonach die jüngsten Etat-Planungen der Geschäftsführung einen Stellenabbau vorsehen. Unsicherheit herrscht auch über das Schicksal der gedruckten Sonntags-Ausgabe. Hier hatte Chefredakteur Niggemeier erst Ende 2018 in einem MEEDIA-Interview erklärt, dass der Verlag an einem neuen Wochenend-Konzept arbeitet. Bislang ist hier nichts passiert.

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