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Steht Axel Springer vor Entlassungswelle? Vorstandschef Döpfner will in allen Bereichen Personalkosten einsparen

Springer-Chef Mathias Döpfner – Foto: Axel Springer

Nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors KKR drohen bei Axel Springer jetzt massive Stellenstreichungen. Hausintern kursieren bereits Gerüchte, wonach zwischen 1.000 bis 2.000 Mitarbeiter dem Rotstift zum Opfer fallen könnten. Betroffen wären neben „Bild“ und „Welt“ auch die Zeitschriften, Druckereien sowie die Vermarktung.

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„Das klingt nicht nur nach einem großen Schnitt, das ist einer“: Springer-Chef Mathias Döpfner und die Verlegerin Friede Springer haben die Belegschaft des Berliner Medienhauses am Wochenende in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ auf harte Maßnahmen eingestimmt. Dabei soll es bei dem geplanten Stellenabbau aber „eher die Häuptlinge als die Indianer treffen“. Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten Verbands (DJV), hält solche Ankündigungen für nicht glaubwürdig: „Warum nur beruhigen solche Aussagen die Springer-Mitarbeiter nicht? Wahrscheinlich deshalb, weil es bei der ‚Bild‘ keine 20 Prozent Häuptlinge gibt“, schreibt er im DJV-Blog.

Bei „Bild“ geht die Angst um

In der Belegschaft des „Bild“-Herausgebers geht deshalb die Angst um, dass der radikale Personalschnitt am Ende doch vor allem die Masse der Mitarbeiter trifft. In der Belegschaft kursieren Befürchtungen, wonach insgesamt zwischen 1.000 bis 2.000 Arbeitnehmer dem Rotstift zum Opfer fallen könnten. Vor allem die Vermarktung mit ihren angeblich 300 bis 400 Mitarbeitern sei von einem Personalschnitt massiv betroffen. So ist hier von Stellenkürzungen von bis zu 250 Mitarbeitern die Rede, heißt es im Unternehmensumfeld. Springer hält sich aktuell zu den Zahlen über den Personalabbau bedeckt. „Die Größenordnung und wo genau es zu Anpassungen kommen wird, das wird gerade erarbeitet, daher können wir keine Zahlen nennen. Lassen Sie mich daher sehr klar sagen: Alle Spekulationen diesbezüglich und das betrifft auch die von Ihnen genannten Zahlen muss ich daher zurückweisen“, erklärt eine Verlagssprecherin gegenüber MEEDIA.

Alle Bereiche auf dem Prüfstand

Treffen kann der Stellenabbau allerdings alle Bereiche: „Grundsätzlich aber gilt, dass kein Bereich ausgenommen ist, so dass logischerweise auch der Vermarktungsbereich bei der Überprüfung von Kosten und Strukturen eingeschlossen ist“, betont eine Firmensprecherin. Wann die Belegschaft über das Ausmaß der Sparmaßnahmen informiert werden soll, ist noch unklar. „Über die nächsten Schritte und den Zeitplan werden wir, wie bei uns im Haus üblich, zunächst die Arbeitnehmervertreter und die Mitarbeiter selbst informieren“, so die Verlagssprecherin. Axel Springer beschäftigte im 1. Halbjahr 2019 im Konzern 16.183 Mitarbeiter. Das waren 1,4 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Sollten bis zu 2.000 Stellen gestrichen werden, wären dies konzernweit mehr als zehn Prozent der Belegschaft.

Erst vor wenigen Tagen hatten Berichte die Springer-Belegschaft verunsichert, wonach der „Bild“-Zeitung eine Verkleinerung der Redaktion um 20 Prozent drohe. Noch deutlicher solle der Personalabbau bei der „Welt“-Gruppe erfolgen, an der Verlegerin Friede Springer und Vorstandschef Döpfner weiter festhalten wollen. In Belegschaftskreisen wird befürchtet, dass durch Personalkürzungen im redaktionellen Betrieb die Qualität der Zeitungen abnimmt. Dies könnte den jahrelangen Auflagenverfall der Boulevardzeitung weiter beschleunigen.

Kritik vom Betriebsrat

Die Sparmaßnahmen betreffen aber auch die betriebliche Altersvorsorge von 1.400 Beschäftigten – darunter Mitarbeiter der Axel Springer SE, Ullstein, B.Z. Ullstein, Services & Immobilien, AS Syndication sowie ASMAS (MEEDIA berichtete). Der Gesamtbetriebsrat kritisiert die Maßnahme in einem Schreiben an die Mitarbeiter scharf. „Viele Kollegen haben darauf gebaut, sich für das Alter abzusichern und die unausweichliche Rentenlücke dadurch verkleinern zu können“, schreibt der Betriebsrat und ergänzt: „Besonders problematisch wird es für Kollegen ab 55 Jahren. Sie werden keine Zeit mehr haben, um sich bis zum Renteneintritt eine adäquate alternative Alterssicherung aufzubauen.“

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