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Ärger bei Axel Springer: Vorstandschef Mathias Döpfner kappt betriebliche Altersvorsorge für Beschäftigte

Axel Springer-CEO Mathias Döpfner
Axel Springer-CEO Mathias Döpfner

Nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors KKR drohen den Mitarbeitern des Berliner Medienkonzerns Axel Springer Einschnitte. Vorstandschef Mathias Döpfner will ab 2020 die Verzinsung für die betriebliche Altersvorsorge senken, um sie an die "wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" anzupassen. In der Belegschaft sorgt dies für Verärgerung.

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Vor zehn Jahren warb Axel Springer für seine vorbildliche betriebliche Altersvorsorge seiner Mitarbeiter. “Die Axel Springer VarioRente ist unserer Kenntnis nach eines der attraktivsten Modelle der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland und stellt somit sicherlich auch einen Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen dar. Sie ist ein wichtiger Eckpfeiler der betrieblichen Sozialleistungen und ein richtiger Schritt auf das vom Vorstand ausgegebene Ziel – das mitarbeiterfreundlichste Medienhaus Europas zu werden”, hieß es damals aus dem Springer-Verlag. Daran dürfte sich wohl wenig geändert haben, wenn man die am Freitag erschienene Bild-Zeitung in die Hand nimmt. Hier lobt die Boulevardzeitung die betriebliche Altersvorsorge in Deutschland in höchsten Tönen, um sich ab Mitte 50 gegen die “Armut im Alter” zu schützen.

Begründung: “Anpassung an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen”

Doch ausgerechnet nach dem Einstieg des renditehungrigen Finanzinvestors KKR drohen hier der Springer-Belegschaft nun Einschnitte: Denn Vorstandschef Mathias Döpfner hat überraschend die freiwillige Gesamtbetriebsvereinbarung zur so genannten Vario-Rente zum 31. Dezember 2019 gekündigt, erfuhr MEEDIA aus Unternehmenskreisen.

Sie sah vor, dass die Beschäftigten bislang eine Verzinsung auf die eingezahlten Beträge für die Altersvorsorge von sechs Prozent erhielten. Davon will der Springer-Vorstand nun Abstand nehmen und künftig nur noch drei Prozent zahlen. Konkret bedeutet dies für die Beschäftigten: “Das Geld, welches bisher bereits eingezahlt und angespart wurde, soll auch weiterhin mit den bisher üblichen sechs Prozent verzinst werden. Nur das Geld, welches ab Januar 2020 eingezahlt wird, soll dann ab diesem Zeitpunkt mit nur drei Prozent verzinst werden”, heißt es in einer Mitteilung des Konzertbetriebsrats, die MEEDIA vorliegt. Bei Neuabschlüssen ab 2020 soll der Rechnungszins generell nur noch drei Prozent betragen.

Laut Betriebsrat begründet der Springer-Vorstand die “Änderung mit der Anpassung an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen”. Gemeint ist wohl die aktuelle Zinsentwicklung. Denn das Medienunternehmen dürfte angesichts des gegenwärtigen Niedrigzinsumfeldes Probleme haben, die von ihm zum Teil für die Mitarbeiter eingezahlten Beträge zum bisherigen Zinssatz anzulegen. Um die Konzernkasse weniger zu belasten, verringert deshalb Döpfner die Verzinsung für die betriebliche Altersvorsorge.

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Was passiert, wenn KKR Springer von der Börse nehmen sollte?

In der Belegschaft sorgt dies für Unmut und Verärgerung. Der Berliner Medienkonzern betont hierzu auf Anfrage vom MEEDIA: “Mit der VarioRente bietet Axel Springer einem kleinen Kreis von Mitarbeitern seit 2004 eine betriebliche Altersvorsorge mit einer heute unvergleichlich hohen Verzinsung von sechs Prozent. Seit ihrer Einführung vor 15 Jahren ist der Marktzins allerdings dramatisch gesunken. Vor diesem Hintergrund sehen wir Anpassungen in Bezug auf die Verzinsung künftiger Beiträge der VarioRente als erforderlich an.”

Dazu befände sich der Verlag seit längerer Zeit in Gesprächen und in Verhandlungen mit dem Konzernbetriebsrat. “Wir werden unseren Mitarbeitern aber weiterhin mit der VarioRente eine attraktive Rendite bieten. Darüber hinaus bieten wir zwei weitere Modelle der betrieblichen Altersversorgung mit attraktiven Zuschüssen und Verzinsungen an”, erklärt eine Unternehmenssprecherin.

Offen ist auch, wie die künftige Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter aussehen könnte. Denn sollte der Finanzinvestor KKR den Berliner Medienkonzern von der Börse nehmen, fällt das Aktienbeteiligungsprogramm weg. Der Springer-Vorstand plant deshalb, ein neues Mitarbeiterbeteiligungsprogramm aufzusetzen (MEEDIA berichtete).

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Alle Kommentare

  1. Die WELT hat, seit es sie gibt, noch nie einen Cent Gewinn gemacht, war immer ein reines Zuschußgeschäft für Springer. Die Streichung der betrieblichen Altersvorsorge ist dort also mehr als angebracht.

    1. Hatte es an anderer Stelle schon mal geschrieben, zumindest von 2000-2012 machte DIE WELT laut Döpfner Gewinn.
      Dies stand u.a. in einem Rundschreiben für Abonnenten.
      Wer fleissig sucht wird auch auf WELT.DE noch einiges finden.

      Außerdem werden die Artikel ja auch in WELT Kompakt und auf WELT Online veröffentlicht.

      Ich finde es nur scheinheilig, wenn man sich selbst erst über den grünen Klee lobt (“vorbildliche Altersvorsorge”), dann sagt, daß der Einstieg von KKR keine Nachteile für die Mitarbeiter bringt, dann kurze Zeit später kürzt und kappt.

  2. Auch Döpfner ist ja Multimillionär. In der WELT Zeitung das hohe Lied der Leistung und von der Pflicht zum Aufbau der Altersvorsorge singen, aber Mitarbeiter die viel geleistet haben bekommen die Altersvorsorge gekappt. Und dies wird wohl erst der Anfang sein.

    Die wenigen Milliardäre und Millionäre kaufen aber – wenn überhaupt noch – auch nur eine Zeitung am Tag.
    Wer nur noch für die oberen 10 000 schreibt, der sollte ein “Elite Business Magazin” o.ä. herausgeben, Preis pro Ausgabe dann 50 Euro, dann stimmt die BILANZ wieder.

  3. Bei Lufthansa wurde den Piloten schon vor Jahren die Betriebliche Altersvorsorge, die zuvor als Teil des Gehaltes gewertet wurde! sang und klanglos gestrichen. Da hat keiner öffentlich gemeckert.

    1. Doch, die Pilotenvereinigung COCKPIT natürlich schon, es ging auch groß durch die Medien.

  4. Aus dem Meedia-Artikel genau eine Stunde später: “…hat der Verlegerin und Großaktionärin Friede Springer bislang keinen Wertzuwachs ihres Vermögens gebracht. Sie verfügt 2019 gegenüber dem Vorjahr unverändert über 4,8 Milliarden Euro.”

    Keinen Vermögenszuwachs mehr, immer noch diese läppischen 4,8 Milliarden – da muss der einfache Arbeiter an der Druckmaschine nun wirklich ein Einsehen haben, dass es so nicht weitergeht. Wenn die Krise *so* dramatisch ist, müssen eben Opfer gebracht werden.

    Bevorzugt natürlich von den Menschen, die sich nicht wehren können.

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