Partner von:
Anzeige

Bereiten die Wettbewerbshüter KKR Probleme? Wie Kartellrechtsexperte Podszun den Springer-Deal einschätzt

Prof. Dr. Rupprecht Podszun
Prof. Dr. Rupprecht Podszun

Der US-Finanzinvestor KKR hat sich mit mehr als 42 Prozent bei Axel Springer beteiligt. Doch noch ist der Einstieg nicht perfekt. Denn der Übernahme müssen mehrere Instanzen zustimmen, auch das Bundeskartellamt. MEEDIA hat bei Prof. Dr. Rupprecht Podszun, Direktor des Instituts für Kartellrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, nachgefragt, ob das millionenschwere Geschäft dem Investor aus Manhattan wettbewerbsrechtliche Schwierigkeiten bereiten könnte.

Anzeige

Es ist der größte Deal des Jahres, den die deutsche Medienbranche derzeit erlebt: Der US-Finanzinvestor KKR hat sich bei dem Berliner Medienkonzern Axel Springer mehr als 40 Prozent der Aktien gesichert. Das ist doppelt so viel, wie das Unternehmen aus Manhattan zuvor angestrebt hatte. So hatten die Amerikaner zunächst eine Mindestannahmequote von 20 Prozent angepeilt. Doch KKR ist noch nicht am Ziel: Der Erwerb steht unter dem Vorbehalt, dass unter anderem das Bundeskartellamt und die Medienaufsicht der Übernahme zustimmen.

Bislang hat KKR den Deal noch nicht angemeldet. Dies soll aber „zeitnah“ erfolgen, erklärte ein KKR-Sprecher auf Anfrage von MEEDIA. Zum genauen Zeitpunkt wollte er sich nicht äußern. Er betonte lediglich, dass man mit dem Abschluss der Transaktion im 4. Quartal dieses Jahres oder Anfang 2020 rechnet.

“Keine unüberwindbaren Hürden”, sagt der Kartellrechtsexperte

Kartellrechtlich dürfte es vermutlich keine großen Probleme geben. Davon geht zumindest Prof. Dr. Rupprecht Podszun, Direktor des Instituts für Kartellrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, aus. „Ich erwarte in einem Fusionskontrollverfahren keine unüberwindbaren Hürden“, erklärt der Experte. Die Kartellbehörden seien vor allem in zwei Situationen kritisch: „Erstens wenn es zu Marktanteilsadditionen kommt, die in die Richtung von 40 % reichen. Hierzu müssten sich die Aktivitäten überlappen, mir scheint aber bei einem Blick aufs Medien-Portfolio von KKR in Deutschland, dass es eher nach komplementären Aktivitäten aussieht“, so Podszun. So sieht er lediglich, dass es bei den digitalen Aktivitäten von Axel Springer und dem US-Investor zu Überlappungen kommt, die aber angesichts der Marktmacht von Google, Facebook & Co. dem US-Investor keine Sorgen machen dürften.

Podszun: „Im Digitalsegment gibt es sicher Überschneidungen, etwa von Travelbook bei Springer und Getyourguide bei KKR. Aber bedenkliche Marktmacht sehe ich da von außen – auch wegen der starken Konkurrenz durch Google & Co. – nicht.“ Doch das ist nicht alles: Das Bundeskartellamt führt derzeit eine Sektoruntersuchung zur Online-Werbung durch. Hier bleibt abzuwarten, ob dies den KKR-Einstieg bei Axel Springer beeinflusst.

Anzeige

Welche Rolle spielt die Tele München Gruppe?

Podszun sagt dazu: „Deren Ergebnisse werden für die Digitalmärkte interessant sein, da erfahren wir sicher mehr darüber, wie es in Deutschland aktuell in diesem Bereich aussieht.“ Auch der Anfang des Jahres erfolgte Einstieg von KKR bei der Tele München Gruppe dürfte das Geschäft mit Axel Springer wettbewerbsrechtlich kaum belasten, obwohl die Berliner bei dem Nachrichtensender Welt engagiert sind. „Im TV-Bereich sind Tele 5 und Welt zu klein, als dass man wettbewerbliche Kopfschmerzen kriegt“, betont er.

Doch die Wettbewerbshüter achten bei der Prüfung der Springer-Übernahme noch auf einen weiteren Punkt: den, ob „die Gefahr besteht, dass durch einen Zusammenschluss der Zugang zu bestimmten Märkten abgeschottet wird“, unterstreicht der Experte. Podszuns Resümee: „Mir scheint bei oberflächlicher Betrachtung, dass keine der beiden Seiten zu einem Gatekeeper werden kann.“ Damit scheint, dass das Kartellamt dem US-Finanzinvestor relativ zügig und wohl ohne Auflagen die Zustimmung zur Übernahme erteilt.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia