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Kommt bald „Stern plus“? “Stern”-Chefredakteurin Gretemeier plant Bezahlstrategie fürs Webportal

Anna Beeke Gretemeier ist seit Oktober 2017 Chefredakteurin bei stern.de
Anna Beeke Gretemeier ist seit Oktober 2017 Chefredakteurin bei stern.de

Ob "Spiegel Online", "bild.de" oder "faz.de" – alle großen Nachrichten-Webseiten haben Teile ihres Artikel-Angebots hinter eine Bezahlschranke gestellt. Gruner + Jahr verzichtet beim Digitalauftritt seines publizistischen Flaggschiffs "stern" darauf und setzt weiter voll auf ein Reichweiten-Modell. Doch dies soll sich nun ändern. So arbeitet "Stern"-Chefin Anna-Beeke Gretemeier intensiv an einem Bezahlmodell für stern.de, um neben der Werbefinanzierung weitere Umsätze zu erzielen.

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Seit Jahren setzt das Hamburger Medienhaus Gruner + Jahr bei der Vermarktung von “Stern.de” ausschließlich auf ein Reichweitenmodell, um möglichst hohe Werbeerlöse zu erzielen. Doch das soll sich offenbar nun ändern. Nach Informationen von MEEDIA will die Bertelsmann-Verlagstochter für Teile des Digitalauftritts der Illustrierten demnächst eine Bezahlschranke einführen. An einem entsprechenden Konzept soll “Stern”-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier seit Längerem intensiv arbeiten, heißt es aus Unternehmenskreisen von Gruner + Jahr. Eine G+J-Sprecherin betont hierzu auf Anfrage gegenüber MEEDIA: “Ja, das befindet sich der Konzeptionsphase.”

Gretemeier hatte bereits im vergangenen Jahr gegenüber MEEDIA entsprechende Überlegungen angedeutet: “In den letzten Jahren lag unser Fokus darauf, Relevanz, Reichweite und Umsatz von ‘stern.de’ zu steigern. Hier haben wir unsere Ziele erreicht und setzen uns auf dieser Basis seit Jahresbeginn intensiv mit Paid-Modellen auseinander. Wir denken hier nicht nur an Paid Content, sondern auch an Services und Zusatzleistungen, die wir anbieten können“, betonte sie.

Sorgt die Ertragslage für die Kehrtwende in der Strategie?

Denkbar ist, dass G+J ebenfalls eine Art „Stern plus“ nach dem Modell des Hamburger Konkurrenten “Spiegel” einführt. Das Verlagshaus an der Ericusspitze ermöglicht dabei Lesern von “Spiegel +” nicht nur den kostenpflichtigen Zugriff auf herausragende Artikel, Reportagen und Hintergrundstücke, die auf der Webseite unter dem “Spiegel +”-Logo veröffentlicht werden. Sie können auch die gesamten Inhalte der gedruckten Ausgabe abrufen. Sollte G+J den Schritt umsetzen, wäre der Verlag einer der letzten Marktteilnehmer, die für ihr wichtigstes digitales Nachrichtenangebot eine Bezahlschranke einführen.

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Dass die Bertelsmann-Tochter hiermit eine Kehrtwende in der Vermarktungsstrategie von “stern.de” vornimmt, liegt wohl auch an der Ertragslage des Webauftritts. So soll “stern.de” seit zwei Jahren schwarze Zahlen schreiben, heißt es. Dies ermöglicht dem Unternehmen offenbar größere Spielräume, um die Vermarktung umzustellen. Bisher hatte es G+J nicht gewagt, an dem Reichweitenmodell zu rütteln, um die Werbefinanzierung nicht zu gefährden.

Gedruckte Ausgabe verliert zunehmend

Denn die Marke “Stern” gehört zu einer der wichtigsten Umsatzträger des Verlags, obwohl die gedruckte Ausgabe zunehmend an Auflage verliert. So büßte das Magazin im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr drastische 12,2% der Verkäufe ein und liegt nun noch bei 464.489 Exemplaren pro Ausgabe. Die Zahl der Abos sank dabei um 7,0%, der Einzelverkauf in Supermärkten, Kiosken & Co. um 17,4%.

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Alle Kommentare

  1. @Frank Niehus
    Weil auch bei anderen Formaten, siehe BILD, eine starke Abwanderung von Print zu Digital stattfindet – ohne dass man das Format an sich ablehnt/schlecht findet. Nur weil man “offline” verliert, heißt es ja nicht dass man online nicht dazugewinnt.

    Aber hier liegt schon das erste Problem bei solchen Prozessen: Wurde überhaupt untersucht, welchen Teil der Onlinereichweite (ehemalige) Offlineleser ausmachen? Nur zur Risikoabwägung, sollte bei sowas ja immer vorweg gehen – auch wenn ich persönlich eher glaube, dass hier mal wieder ins Blaue geplant wird, aufbauend auf selbstgemalten Kennzahlen ohne realen Hintergrund.

    Das verdeutlichen auch solche Randnotizen: “… sondern auch an Services und Zusatzleistungen …”
    Hm, da hat sich jemand das Geschäftsmodell von BILD+, spiegel und Konsorten aber wirklich gut angesehen, denn mit echten journalistischen Mehrwerten wird da schon lange kein Vogel mehr abgeschossen, respektive nennenswert Gewinn erzielt.
    Aber ist auch ok, so lassen sich Einnahmen schließlich deutlich nachhaltiger steigern als über Laufkundschaft, der man kein konkretes Kundenprofil zuweisen oder Rechte und Zustimmung zu XY on the go abverlangen kann. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, als man damit bei den Verantwortlichen auf Granit gebissen hat, weil jegliches Verständnis – und das bei dem Hintergrund, wo man die Fähigkeit zur Abstraktion eigentlich annehmen könnte – zur nachhaltigen Monetarisierung fehlte.

  2. Merkwürdige Logik. Wenn die Leute dem gedruckten Stern zu Tausenden davon laufen, wieso sollte dann jemand für die online Angebote zahlen wollen? Zumal diese im Zweifelsfall genau so langweilig und uninteressant sein werden wie die gedruckten Artikel.

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