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“Tue mich mit Netflix-Kooperation noch etwas schwer”: SWR-Intendant Gniffke gibt Einblicke in seine Pläne

Kai Gniffke
Kai Gniffke

Der neue SWR-Intendant Kai Gniffke will den Südwestrundfunk mit Innovationen zu einem digitalen Vorreiter innerhalb der ARD machen. In Baden-Baden soll dazu ein besonderes Labor entstehen, kündigte der bisherige Chefredakteur von ARD-aktuell nun an.

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In Ihrer Bewerbungsrede vor der Intendantenwahl haben Sie das Ziel ausgegeben, den SWR zum Schrittmacher der Digitalisierung zu machen. Was schwebt Ihnen da vor?
Kai Gniffke
: Mein Anspruch ist es, dass der SWR Motor der Digitalisierung und Innovation in der ARD wird. Nicht nur bei der Formatentwicklung, sondern auch bei Produktionsweisen und neuen Plattformen. An allen SWR-Standorten beschäftigen sich bereits Einheiten und kreative Köpfe mit dem Thema Innovation. Erste Aufgabe muss es daher sein, diese Einheiten zu vernetzen und auszubauen und auch ganz praktisch Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.

Sie haben ein Innovationszentrum in Baden-Baden ins Spiel gebracht.
Gniffke
: Es gibt beim SWR in Baden-Baden bereits eine kleine Einheit, die sich um Radio von morgen kümmert, also beispielsweise um neue Anwendungen für Sprachassistenten oder Audio in selbstfahrenden Autos. Darauf möchte ich aufsetzen. Zudem gibt es in Baden-Baden eine relativ gut ausgebaute Produktionsinfrastruktur. Ich wünschte mir, dass wir sie nutzen, um kreativen Menschen die Möglichkeit zu geben, Formate auszuprobieren. So ähnlich wie die Youtube-Spaces, die es weltweit gibt. Dazu wollen wir Menschen aus dem eigenen Haus einladen, aber auch von außen.

“Mein Anspruch: Dass der SWR Motor der Digitalisierung und Innovation in der ARD wird”

Wen wollen Sie ansprechen?
Gniffke
: Ich setze zum Beispiel auf die Kooperation mit Hochschulen aus beiden Bundesländern mit der Botschaft: Wir stellen Euch hier eine High-End-Produktionskapazität zur Verfügung. Nur mal als Idee: Wer 10.000 Follower hat, kriegt es einen Tag. Wer 100.000 Follower hat, kriegt es eine Woche. Wir müssen uns auch mit der Start-up-Szene enger vernetzen.

Sechs Prozent Quote im SWR-Fernsehen sind, wie Sie in Ihrer Rede gesagt haben, ausbaufähig. Sie nannten den NDR als Vorbild für das Vorabendprogramm. Was macht der NDR besser?
Gniffke
: Man kann die Zuschauerschaft nicht einfach austauschen. Da gibt es einzelne Sendungen mit zum Teil mehr als 30 Prozent Marktanteil beim MDR und NDR. So gern ich das auch im SWR hätte, so sehr muss ich dann doch gucken, was realistisch ist. Wir wollen die Regionalität weiter stärken, ohne provinziell zu sein. Einig sind wir uns, dass wir Information in den Mittelpunkt stellen. Information ist unser Kern, regionale Information ist es noch mehr. Deshalb ist eines meiner Ziele, im Fernsehen früher Nachrichten anzubieten, als wir es jetzt haben. Im Moment starten wir um 16.00 Uhr, das finde ich zu spät. Im Interesse des Publikums wünsche ich mir frühere Nachrichten.

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Wie sieht es mit dem Bereich Unterhaltung und Serien aus?
Gniffke: Im Bereich Unterhaltung können wir stärker werden. Bei Serien stehen wir vor einer schwierigen Entwicklung: Was on demand gut läuft, muss nicht automatisch auch im Fernsehen gut laufen. Paradebeispiel dafür war die Serie “Labaule & Erben”. Ein extremer Erfolg in der Mediathek, und dann im SWR Fernsehen – ja, geht so. Viele andere Sender haben ähnliche Erfahrungen gemacht: Wenn “House of Cards” im Fernsehen lief, haben es kaum Leute geguckt. Im Netz haben wir es alle irgendwie genossen.

Sie haben angekündigt, Netflix Konkurrenz machen zu wollen. Können Sie sich auch vorstellen, mit Netflix etwas gemeinsam zu machen?
Gniffke
: Wir haben ja mit “Babylon Berlin” schon mal Neuland betreten zusammen mit Sky. Das hat auch ganz gut funktioniert. Ich sehe, dass Netflix gerade mit einem großen Lasso durchs Land zieht und auch bei der ARD versucht, Leute einzufangen. Was denen noch fehlt, ist die Relevanz in bestimmten Bereichen wie etwa in der Information. Den Bereich News haben sie noch nicht besetzt. Aber ich lege meine Hand nicht dafür ins Feuer, dass das immer so bleibt. Ich tue mich mit der Kooperation mit Netflix noch etwas schwer, denn im Moment sind wir nun mal Wettbewerber in einem wichtigen Markt – was uns vielleicht aber nicht hindern sollte, mal einen Versuchsballon zu starten.

“Netflix zieht gerade mit einem großen Lasso durchs Land und versucht auch bei der ARD versucht, Leute einzufangen”

Worauf könnte der SWR verzichten, um Ressourcen für Neues zu haben?
Gniffke
: Egal, wie nett Sie das formulieren, es verletzt Menschen sehr, wenn man ihnen sagt: “Wir machen das jetzt nicht mehr; wir machen jetzt etwas, was uns im Moment wichtiger erscheint.” Eine solche Veränderungskultur ist aber notwendig. Wir möchten in Journalismus investieren. Und wenn unsere Ressourcen gleich bleiben – und das werden sie bestenfalls tun, mehr werden es bestimmt nicht – dann müssen wir umschichten. Wir sollten nicht ins Programm schneiden, sondern wir müssen deutlich günstiger produzieren. Dort liegt unsere Zukunft.

Was heißt das konkret?
Gniffke
: Wir müssen unsere Produktionsstandards dort absenken, wo es möglich ist. Wir müssen uns fragen: Was machen wir noch mit einem großen Ü-Wagen und wo reicht ein Smartphone zur Übertragung? Die Technik hilft uns da sehr. Kleinstequipment liefert heute eine bestechende Bildqualität. Die Menschen zahlen ihren Rundfunkbeitrag nicht für eine große Kamera, sondern dafür, dass sie am Abend in den Nachrichten gut informiert werden. Bei der Produktion von täglichen Sendungen und Magazinen brauchen Sie nicht immer zehn Menschen. Das können Sie manchmal auch mit deutlich weniger machen. Die Differenz will ich in Journalismus investieren.

dpa

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