Partner von:
Anzeige

Winterbauers Woche: Vorsicht! Wer diesen Account retweetet ist womöglich rechtsradikal …

Aufregerle der Woche
Aufregerle der Woche Screenshots: Twitter/ZAPP, Netzpolitik.org,/stern.de/taz.de

Das Label "rechtsradikal" wird von Netzpolitik.org recht leichtfertig verteilt. Greta Thunberg spaltet mit ihrem Segeltrip in die USA die Medien. Bei stern.de haben sie ein wachsames Auge auf Instagram geworfen und bei "Zapp" nutzen sie Zitate-Kacheln zur Kritik an Zitate-Kacheln. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

Anzeige

Netzpolitk.org hat diese Woche enthüllt, dass der ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen auf Twitter eine “stramm rechte Followerschaft” haben soll. Ja, sagemal! Eine “Datenanalyse” habe dies ergeben, so ist zu lesen. Es kommt noch krasser: Laut Überschrift retweeten die Follower des Herrn Maaßen “rechtsradikale Accounts”. Ein Blick in den Artikel verrät, dass damit Twitter-Accounts gemeint sind wie jene des “Welt”-Bloggers Don Alphonso, des ehemaligen “Wirtschaftswoche”-Chefredakteurs Roland Tichy, des ehemaligen “Merian”-Chefredakteurs Andreas Hallaschka, des Anwalts Joachim Steinhöfel, der AfD-Politikerin Alice Weidel.

Sind die etwa alle “rechtsradikal”? Nein, natürlich nicht. Die meisten der aufgeführten Accounts gehören Leuten aus dem konservativen bis rechtskonservativen Spektrum. Sechs Accounts werden in der “Datenanalyse” als “offen rassistische Influencer” geführt, keiner der oben genannten gehört dazu. Wobei die Klassifizierung als “offen rassistisch” auch nicht weiter begründet wird. Vermutlich muss man das in einer “Datenanalyse” nicht. Mal ganz abgesehen davon, dass solche “Analysen”, die Personen danach beurteilen, wer ihnen auf Twitter folgt und was diese Follower da wiederum retweeten per se ein bisschen fishy sind, war es schon ganz schön unverschämt, z.B., die oben genannten Leute in einer Überschrift allesamt als “rechtsradikal” zu klassifizieren. Andreas Hallaschka hat sich darüber bei Netzpolitik.org beschwert, worauf man großzügig ein “oft” in die Überschrift gebastelt hat.

Ich kann verstehen, dass Hallaschka sich darüber aufregt.

+++

Greta Thunberg schippert also mit einem Segelboot, das zwar kein Klo an Bord hat, von Gabor Steingart aber trotzdem konsequent als “Luxusyacht” bezeichnet wird, über den Atlantik. Die Medien teilen sich in glühende Bewunderer und geifernde Kritiker. Der “stern” packte “Klima-Greta” (“Bild”) auf den Titel und interviewte sie zum Start ihrer ungewöhnlichen Reise zum UN-Klimagipfel (“mutig, kompromisslos, unerschrocken”). RTL und n-tv berichten konzertiert. Die Bertelsmann Content Alliance will ein bisschen was abhaben von der Reichweiten-Power einer Greta Thunberg. Beim nächsten Cover-Check wird sich zeigen, ob das für den “stern” geklappt hat (Prognose: nein).

Auf der anderen Seite des Spektrums schlägt Greta Thunberg unverhohlener Hass entgegen. Journalisten und Kommentatoren rechnen aus, dass ihre Überfahrt mehr CO2 verbraucht als jede Atlantiküberquerung seit dem Zweiten Weltkrieg. Oder es wird moniert, dass die Sponsoren der Renn-Yacht für diese Überquerung übermalt wurden. Greta Thunberg kann vermutlich machen, was sie will – die einen werden sie als Quasi-Heilige verehren, die anderen werden sie verdammen. Hätte sie einen Linienflug genommen, wäre der Shitstorm auch unvermeidlich gewesen. Positiv aufgefallen in der ganzen Greta-Hysterie ist mir die “taz”, die ganz unideologisch aufgeschrieben hat, dass die CO2-Bilanz der Segel-Reise nicht eben klein ist. Im selben “taz”-Artikel kommt auch ein Sprecher des Segelteams zu Wort, der sagt: “Natürlich wäre es umweltschonender gewesen, nicht darauf aufmerksam zu machen, dass wir dringend etwas tun müssen gegen die Klimakrise. Aber wenn keiner darauf aufmerksam macht, dann tun wir auch nichts.” Die “taz” wurde wegen des Berichts von zahlreichen Lesern in den Kommentaren hart angegangen, offensichtlich, weil der Text einigen “taz”-Lesern nicht ins Weltbild passte. Der Autor Jost Maurin antwortete darauf u.a.:

Wenn ich als Journalist etwas erfahre, das für ein Thema relevant ist, kann ich das nicht einfach unterdrücken und meinen Lesern verschweigen. Auch die taz hat in den vergangenen Tagen mehrmals über Gretas Reise in die USA geschrieben. Auch bei uns stand, dass die Fahrt selbst emissionsfrei sei. Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit. Heute habe ich die andere Hälfte erfahren, weil ich nachgefragt habe. Darauf bin ich gekommen, da ein Leser unter einem unserer Artikel darauf hingewiesen hatte, wie die Wartung von Yachten nach so einem Törn abläuft. Es ist dann meine journalistische Pflicht, diese andere Hälfte der Wahrheit nachzuliefern.

That’s Journalismus!

+++

Klimawandel gut und schön, aber kommen wir nun zu den wirklich relevanten Themen. Wie steht der Wendler eigentlich mittlerweile dazu, dass er seiner Kindsbraut im “Sommerhaus der Stars” beim RTL vor laufender Kamera auf dem Poppes herumgetatscht hat? stern.de weiß: “Michael Wendler rudert zurück: ‘Ärgere mich, dass ich das gemacht habe’“. Quelle für die Enthüllung ist ein Instagram-Livestream auf dem Profil zur Sendung, in dem der Wendler Chris Töpperwien (aka “Der Currywurst-Mann”) anvertraut hat. Die Medienagentur Jeschenko hat jüngst übrigens zusammengezählt, dass stern.de sich besonders häufig bei Instagram für Geschichten bedient (gefolgt von t-online.de und Bild.de). Instagram-Redakteur bei stern.de – vermutlich ein Berufsbild mit Zukunft.

Anzeige

+++

Im NDR-Medienmagazin “Zapp” haben sie einen Beitrag darüber gebracht, wie problematisch das Arbeiten mit so genannten Zitate-Kacheln ist. Das sind diese Bildchen von Personen plus knackigem Zitat, die für die Verbreitung in den sozialen Medien angefertigt werden. Einer der Kritikpunkte war, dass man in so einer Zitate-Kachel ja keinen Kontext transportieren kann.

Folgendermaßen wurde der Beitrag auf Twitter angepriesen:

Merkt Ihr selbst, liebe “Zapp”-Leute, oder? Old habits die hard!

Schönes Wochenende!

PS:

Im Podcast “Die Medien-Woche” geht es auch um di Hysterie rund um die Greta-Reise. Außerdem haben wir mit dem Politikberater Martin Fuchs über den Wirbel rund um abgehängte PARTEI-Wahlplakate in Sachsen gesprochen. Es würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia