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KKR glückt der Mega-Deal: Was der US-Finanzinvestor jetzt mit Axel Springer vorhaben könnte

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Foto: Axel Springer

KKR ist am Ziel: Dem US-Finanzinvestor ist der Einstieg bei Axel Springer geglückt. Er hat sich mit mehr als 20 Prozent an dem Medienkonzern beteiligt. Mindestens fünf Jahre will das Unternehmen aus Manhattan nun bei den Berlinern an Bord blieben. Axel Springer dürfte nach dieser Zeit wohl ein völlig anderes Gesicht zeigen. Eine Analyse.

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Sie ist Liebhabern klassischer Musik wohl bekannt. Guiseppe Verdis Oper “La Traviata“, zu deutsch “Die vom Wege Abgekommene”. Darin wird die Geschichte der Kurtisane Violetta erzählt, die am Ende des Stücks an Tuberkulose stirbt. Ausgerechnet den Namen “Traviata II” wählte der US-Finanzinvestor KKR für die Beteiligungsgesellschaft aus Luxemburg, die den Aktionären des Berliner Medienkonzerns Axel Springer vor einem Monat ein Übernahmeangebot unterbreitete.

Jetzt hat “Traviata II” ein glückliches Ende gefunden. Nach anfänglicher Zurückhaltung haben die Springer-Aktionäre KKR mehr als 20 Prozent angedient, teilten Springer und KKR mit. Damit hat der US-Investor sein selbst gestecktes Ziel erreicht. Diese Anteilsschwelle hatte KKR zur Bedingung gemacht, um mit der Verlegerin Friede Springer und dem Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner gemeinsame Sache zu machen.

Für den Deal hat KKR tief in die Tasche gegriffen. Aktuell ist das Aktienpaket der Amerikaner an der Börse mit mehr als 1,35 Mrd. Euro bewertet. Noch ist die geplante Übernahme nicht zu Ende: Jetzt folgt ein zweites Übernahmeangebot zu den gleichen Bedingungen wie das bisherige. Es soll weiteren Springer-Aktionären ermöglichen, KKR ihre Aktien zu verkaufen, die in der ersten Angebotswelle nicht mit geschwommen sind. Doch das ist nicht alles. Denn KKR und Springer planen, das Unternehmen von der Börse zu nehmen.

Investor hat viel vor

Ist dies der Fall, dürfte KKR erst richtig aktiv werden. Abkoppelt von ständigen Publikationszwängen durch Quartalsberichten können KKR und der Springer-Vorstand das Unternehmen dann nach eigenem Gusto umbauen, um das Wachstum voranzutreiben. Denn die Investoren haben viel vor. Sie wollen Axel Springer zum Weltmarktführer im digitalen Rubrikengeschäft und digitalen Journalismus machen. Und dies auch durch Zukäufe. Dabei dürfte sich die Expansion vermutlich vor allem auf ausländische Märkte richten, um Springer globaler aufzustellen. Einen ersten Vorgeschmack hierauf lieferte Springer – noch ohne Mitwirkung von KKR – vergangene Woche mit Meilleurs Agents. Springer will das französische Portal für einen satten Betrag von 200 Millionen Euro kaufen. Hierüber können Immobilienbesitzer innerhalb weniger Minuten ihre Wohnungen oder Häuser bewerten lassen und wenn sie es möchten, auch verkaufen.

Weitere Deals dieser Art könnten rasch folgen. Dabei werden die Akquisitionen aber vermutlich deutlich größere Dimensionen annehmen als bisher. Denn das Hauptziel der Amerikaner ist: Sie wollen, dass Axel Springer kräftiger wächst als bisher. Im vergangenen Jahr hatten die Berliner den Umsatz weltweit um 4,1 Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro gesteigert. Für KKR wäre das wohl ein zu spärlicher jährlicher Zuwachs, um in (mindestens) fünf Jahren mit einem deutlichen Gewinn wieder auszusteigen.

Um die Wachstumsrate zu steigern, wird KKR vor allem den Ausbau des digitalen Rubikrengeschäfts forcieren. Geeignete Übernahmeziele sind hierfür in Sicht. So kursieren seit Längerm Gerüchte, dass Ebay sein amerikanisches Kleinanzeigengeschäft abstoßen will – allerdings für einen Megabetrag von zehn Milliarden Euro. Zwar soll sich das US-Unternehmen zu einem Verkauf noch nicht durchgerungen haben. Wenn der Preis stimmt, dürfte die Zurückhaltung aber schnell fallen. Dabei könnte zunächst KKR die Übernahme vollziehen, um den Unternehmenszweig in einem späteren Schritt bei Axel Springer einzubringen.

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Vorbild ProSiebenSat.1?

Nach ähnlichem Muster war KKR vor Jahren bei ProSiebenSat.1 verfahren. Nach der Übernahme der Münchener TV-Kette fusionierten KKR und sein Partner Permira die zuvor von ihnen erworbene skandinavische Sendekette SBS mit dem Fernsehkonzern aus Unterföhring. Dafür mussten die Münchner allerdings tief in die Tasche greifen. Sie zahlten rund 3,3 Milliarden Euro. Finanziert wurde der Erwerb vollständig über einen Kredit, den ein Bankenkonsortium zur Verfügung stellte. Das Ende des Liedes ist bekannt: Um die Finanzierungskosten zu tragen, musste ProSiebenSat.1 auf die Kostenbremse treten. Beispielsweise durch einen Stellenabbau und den Verkauf des Nachrichtensenders N24, weil er zu wenig Gewinn abwarf. Käufer war die Welt-Gruppe.

Sollte sich dieses Drehbuch bei Springer nun wiederholen, könnte die Sparte News Media ins Visier geraten. Hier bündeln die Berliner die journalistischen Angebote der Bild- und Welt-Gruppe. Denkbar wäre, dass KKR im klassischen Zeitungsgeschäft, das seit Jahren Wachstumsschwächen hat, die Sparaxt ansetzt. Wegen solcher Befürchtungen sorgte ein Passus in den Angebotsunterlagen von KKR für Aufregung bei der Belegschaft. Dort war unter dem Punkt 8.2.5 zu lesen, man habe zwar vereinbart, “den Geschäftsbereich der Welt-Gruppe fortzuführen”. Dies stehe allerdings “unter der Voraussetzung einer angemessenen Steuerung der jährlichen Ergebnissituation”. Bei Springer wollte man dies als Bekenntnis zur Welt-Gruppe verstanden wissen.

Handlungsdruck bei der Welt-Gruppe?

Da aber die Welt-Gruppe – dazu gehören neben der Tageszeitung auch die Welt am Sonntag, die digitalen Angebote sowie der Nachrichtensender – als Verlustbringer gilt, steht Springer vor allem hier unter Handlungsdruck. Vorstandschef Döpfner für den Bereich allerdings eine ausdrückliche Bestandsgarantie: “Selbstverständlich bleibt die ‘Welt’ – ebenso wie ‘Bild’ – fester Bestandteil unserer Zukunftsstrategie.“ Auch der gedruckte Ausgabe der Welt werde weiter erscheinen, obwohl Springer unlängst die Marketingmaßnahmen für die wochentägliche Print-“Welt” einstellte. Von Sparmaßnahmen könnte aber auch die “Bild”-Gruppe betroffen sein. Denn die Boulevardzeitung muss seit Jahren im Vertrieb Federn lassen. Auch im 2. Quartal gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal gab die Auflage der Zeitung um zehn Prozent nach. Ein Ende der Auflagenerosion ist nicht in Sicht.

Vorsorglich forderten die Arbeitnehmervertreter deshalb jüngst den Vorstand auf, für die mehr als 16.000 Mitarbeiter konzernweit eine Bestandsgarantie abzugeben und auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

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Alle Kommentare

  1. Sagen wir mal so: US Investoren sind alle eins: Geldgeil. Und die deutsche Presselandschaft ist nicht gerade das was man derzeit ein gutes Investment nennen dürfte. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis KKR “Strukurell umgestaltet” um das Geld nicht einfach die Toilette runterzuspülen.
    Ich gehe davon aus man hat Verträge so um 1 Jahr gemacht hat, danach kanns losgehen. Zunächst wird man die Nischenzeitungen, die eh keiner kennt einstampfen, danach gehts bei Welt und Bild los.

    Wer sich etwas im internationalen Mediensektor auskennt, kann das gleiche beim neuen Investor bei GO Media sehen. Dort wird das alte Personal mittlerweile unruhig, weil der Neue Leute reinholt, die so gar nicht zu einem dahindarbenden Magazin passen.

  2. Weltmarktführer wird Springer, sicher. So wie Bayer und die Deutsche Bank. Mit einer Halsabschneiderbande an den Steuerhebeln.

    Wer hätte das gedacht, dass “Enteignet Springer!” fünfzig Jahre später schlussendlich vom Vorstandsvorsitzenden umgesetzt wird. Womöglich war das der bestgetarnte Marsch durch die Institutionen aller Zeiten. Jahrzehnte der Tarnung und Täuschung, um Springer von innen heraus zu zerstören. Mathias, Du Teufelskerl! Respekt!

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