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Die Auflagen-Bilanz der größten 83 Regionalzeitungen: kaum noch Titel mit einem Minus unter 2%

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Die Verkaufszahlen der deutschen Lokal- und Regionalzeitungen sinken weiter - auf teilweise dramatischem Niveau. Nur sieben der größten 83 Titel verloren im zweiten Quartal laut IVW weniger als 2% der Abos und Einzelverkäufe. Besonders heftig sieht es bei der "Berliner Zeitung" mit einem 11,2%-Minus und dem Kölner "Express" mit einem Rückgang von sogar 12,2% aus.

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Eine große Ausnahme bei der Entwicklung der Verkaufszahlen bleibt erneut “Der Tagesspiegel” aus Berlin. Mit 94.062 Abos und Einzelverkäufen liegt er erneut über dem Vorjahreszeitraum – und zwar um 1,4%. Der Grund dafür sind die weiter steigenden ePaper-Abos, die inzwischen bei 27.622 Exemplaren angekommen sind – fast 5.000 mehr als im zweiten Quartal 2018. Das Plus hier gleicht das Minus bei den Papier-Verkäufen mehr als aus.

Die Berliner Konkurrenz hingegen befindet sich komplett deutlich im Minus. Die “B.Z.” verliert weitere 4,3%, die “Berliner Morgenpost” 6,6%, der “Berliner Kurier” 9,2% und die “Berliner Zeitung” sogar extreme 11,5%. Sowohl die Abos, als auch die Kiosk-Verkäufe gingen hier um zweistellige Prozentzahlen nach unten.

Jeweils um die 4% büßten die Zeitungen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommern ein, die “Lausitzer Rundschau” sogar 7,1%. Der Marktführer Sachsen-Anhalts, die “Mitteldeutsche Zeitung”, liegt 6,0% unter dem Vorjahr, der Marktführer Thüringens, die Mediengruppe Thüringen, 5,1%. Die “Freie Presse” aus Sachsen ist mit einem Rückgang von 2,3% schon der Titel, der am glimpflichsten in den östlichen und nordöstlichen Bundesländern davon kam.

In Bremen und Hamburg verzeichnen die Zeitungen ebenfalls ein Minus um 4%, die Ausnahme heißt hier “Hamburger Morgenpost”. Wie die meisten anderen Boulevardzeitungen auch verliert die “Mopo” besonders deutlich: 8,7%. Mit nur noch 36.881 Abos und Verkäufen im Einzelhandel sieht die Situation des Titels immer bedrohlicher aus.

IVW 2019/II: Die größten Regionalzeitungen (Teil 1)

Platz Titel / Belegungseinheit Abos + Einzelverkauf Mo-Sa 2019/II vs. 2018/II in %
Berlin*
1 Der Tagesspiegel (mit Potsdamer Neueste Nachrichten) 94.062 1296 1,4
2 B.Z. 67.491 -3006 -4,3
3 Berliner Zeitung 62.066 -8030 -11,5
4 Berliner Morgenpost Gesamtausg. (Nordisch+Tabloid) 48.954 -3471 -6,6
5 Berliner Kurier 48.540 -4890 -9,2
Brandenburg
1 Märkische Allgemeine Gesamt 94.881 -4296 -4,3
2 Gesamtausgabe Märkische Oderzeitung 61.789 -2888 -4,5
3 Lausitzer Rundschau Gesamt [ohne Weißwasser / Sachsen] 56.412 -4327 -7,1
Mecklenburg-Vorpommern
1 Ostsee-Zeitung Gesamtausgabe 112.453 -5648 -4,8
2 Nordkurier Gesamtausgabe [ohne Uckermark Kurier / Brandenburg] 52.860 -2178 -4,0
3 Schweriner Volkszeitung Gesamt [ohne Perleberg/Der Prignitzer / Brandenburg und Norddeutsche Neueste Nachrichten] 52.720 -2030 -3,7
Sachsen-Anhalt
1 Mitteldeutsche Zeitung Gesamt Sachsen-Anhalt Süd MZ-Gesamt + Naumburger Tageblatt 154.099 -9919 -6,0
2 Volksstimme Gesamt 147.983 -5263 -3,4
Sachsen
1 Freie Presse Gesamt 210.822 -4966 -2,3
2 Sächsische Zeitung 010 Gesamt 188.737 -7977 -4,1
3 Leipziger Volkszeitung Gesamt 146.967 -6127 -4,0
4 Morgenpost für Sachsen Gesamt 45.601 -3866 -7,8
Thüringen
1 MGT Thüringen Gesamtausgabe (TA+TLZ+OTZ) 216.249 -11627 -5,1
2 Südthüringer Presse Plus Hauptausgabe 56.029 -2722 -4,6
Bremen
1 Weser-Kurier Gesamtausgabe 118.197 -4852 -3,9
2 Nordsee-Zeitung Gesamt 44.483 -2041 -4,4
Hamburg*
1 Hamburger Abendblatt/Bergedorfer Zeitung 138.236 -7014 -4,8
2 Hamburger Morgenpost 36.881 -3500 -8,7
*: Zahlen für Berlin und Hamburg wegen besserer Vergleichsmöglichkeiten Mo-Fr / In allen anderen Bundesländern Mo-Sa // Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Immerhin zwei Rückgänge von weniger als 3% sind in Niedersachsen zu beobachten: Die “Neue Osnabrücker Zeitung” verzeichnet ein Minus von 2,1%, die “Nordwest-Zeitung” eins von 2,7%. Marktführer “HAZ/NP Hannover” hingegen liegt 3,7% unter dem Vergleichszeitraum. In Schleswig-Holstein geht es für die “Lübecker Nachrichten” besonders deutlich nach unten, die sh:z kommt mit 3,0% weniger relativ glimpflich davon.

In Nordrhein-Westfalen rauscht die Funke-Mediengruppe mit 5,9% weniger Abos und Einzelverkäufen weiter nach unten. Die “Rheinische Post” hingegen liegt über dem Vorjahr, allerdings ist das Sondereffekten bei der Neuordnung einiger Belegungseinheiten wie der Bergischen Morgenpost und der Ausgabe Solingen zu verdanken, die um Remscheid ergänzt wurde. Echt ist hingegen das heftige Minus des Kölner “Express”, der um 12,2% nach unten rauscht. Die Zahlen der Ruhr Nachrichten, bzw. der Vermarktungseinheit mrw WIRA Dortmund, sind nicht mit denen des Vorjahres vergleichbar, da sich hier Änderungen ergeben haben – 2018 wurden noch die Zahlen der Westfälischen Rundschau des Hellweger Anzeigers mitgerechnet. Ohne diese Zahlen liegt dass Minus von mrw WIRA Dortmund bei 4,4%.

In Hessen kommt die Vermarktungsgruppe RheinMainMedia Gesamt glimpflich davon, zu der u.a. die “Frankfurter Neue Presse” und die “Frankfurter Rundschau” gehören. Der Grund dafür auch hier: ein deutliches Plus bei den ePaper-Abos, das die Papier-Rückgänge fast ausglich. Mehr als 5% eingebüßt haben hingegen das “Darmstädter Echo” und die VRM Tageszeitungen Lahn-Dill.

IVW 2019/II: Die größten Regionalzeitungen (Teil 2)
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Platz Titel / Belegungseinheit Abos + Einzelverkauf Mo-Sa 2019/II vs. 2018/II in %
Niedersachsen
1 HAZ/NP Hannover 139.135 -5337 -3,7
2 Neue Osnabrücker Zeitung (A-B) 134.559 -2945 -2,1
3 Nordwest-Zeitung Gesamt 97.453 -2753 -2,7
4 Braunschweiger Zeitung Hauptausgabe 92.938 -4478 -4,6
5 Kreiszeitung Gesamt ohne Rotenburg 53.964 -2199 -3,9
Schleswig-Holstein
1 sh:z Gesamtausgabe 162.264 -4994 -3,0
2 Lübecker Nachrichten Gesamt [ohne Mecklenburger Nachrichten / Mecklenburg-Vorpommern]* 72.501 -4015 -5,2
3 Kieler Nachrichten Hauptausgabe 65.819 -2670 -3,9
Nordrhein-Westfalen
1 Funke-Mediengruppe Funke-Medien-G 850 (WAZ+NRZ+WP+WR)+IKZ 457.500 -28553 -5,9
2 Rheinische Post Gesamt 260.324 815 0,3
3 Zeitungsgruppe Köln Abozeitungen Gesamt (Kölner Stadtanzeiger/Kölnische Rundschau) 211.801 -13166 -5,9
4 Neue Westfälische Zeitung 151 111.739 -4420 -3,8
5 mrw WIRA Dortmund 2210 (u.a. Ruhr Nachrichten) 103.509
6 Westfalen-Blatt Gesamtauflage 95.524 -3176 -3,2
7 WN-/MZ-Hauptausgabe inkl. EVZ (100) 93.933 -3624 -3,7
8 Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten Gesamt 86.156 -6610 -7,1
9 Express Köln/Bonn EXKB 61.205 -8471 -12,2
10 General-Anzeiger Bonn 57.236 -2583 -4,3
11 Westdeutsche Zeitung 57.186 -4453 -7,2
12 Die Glocke Gesamt A-F 45.398 -1442 -3,1
13 Siegener Zeitung 44.325 -1647 -3,6
14 Recklinghäuser Zeitung 43.095 -2535 -5,6
Hessen
1 RheinMainMedia Gesamt (FNP, Höchster Kreisbl., Taunus Ztg, Nass. Neue Presse, Rhein-Main-Ztg, FR) 150.626 -745 -0,5
2 HNA (Wirtschaftsraum Kassel, Frankenberg, Schwalm, Rotenburg/Bebra) 110.209 -2899 -2,6
3 Darmstädter Echo gesamt (017) 70.694 -3904 -5,2
4 VRM Tageszeitungen Lahn-Dill 49.776 -3145 -5,9
5 Wiesbadener Kurier/Wiesbadener Tagblatt ges. (200) 45.908 -2155 -4,5
6 Gießener Allgemeine Gesamt 44.263 -852 -1,9
7 Fuldaer Zeitung Hauptausgabe 35.792 -1265 -3,4
*: Di-So / Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

In Rheinland-Pfalz verliert der Marktführer “Rheinpfalz” vergleichsweise geringe 2,8%, im Saarland die “Saarbrücker Zeitung” hingegen 7,0%. Auch das Duo “Stuttgarter Zeitung” und “Stuttgarter Nachrichten” verliert in Baden-Württemberg deutlich, die “Schwäbische Zeitung” und der “Südkurier” liegen hier unter der 3%-Marke.

In Bayern schafften drei Titel ein Minus von weniger als 2%: die “Passauer Neue Presse”, das Duo “Strabinger Tagblatt” und “Landshuter Zeitung”, sowie der “Donaukurier”. Am deutlichsten verloren hat hier die “tz” aus München, die Top-Titel “Nürnberger Nachrichten”, “Augsburger Allgemeine” und “Münchner Merkur” liegen bei 2,5% bis 3,3%.

IVW 2019/II: Die größten Regionalzeitungen (Teil 3)

Platz Titel / Belegungseinheit Abos + Einzelverkauf Mo-Sa 2019/II vs. 2018/II in %
Rheinland-Pfalz
1 Die Rheinpfalz Gesamt ohne Pirmasenser Zeitung 190.929 -5527 -2,8
2 Rhein-Zeitung Gesamt 155.136 -5352 -3,3
3 Rheinland-Pfalz-Kombination (030) 80.774 -3871 -4,6
4 Trierischer Volksfreund Gesamtausgabe 67.199 -4792 -6,7
Saarland
1 Saarbrücker Zeitung ohne Pfälzischer Merkur 101.503 -7696 -7,0
Baden-Württemberg
1 Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten PLUS 169.223 -8705 -4,9
2 Schwäbische Zeitung Gesamt 144.202 -3464 -2,3
3 Badische Zeitung 104 Gesamtausgabe 115.116 -4144 -3,5
4 Badische Neueste Nachrichten Gesamt 220 106.027 -3264 -3,0
5 Südkurier Gesamt 001 98.441 -2908 -2,9
6 Schwarzwälder Bote 78.786 -2961 -3,6
7 Südwest Presse [Neue Pressegesellschaft] 73.083 -2763 -3,6
8 Heilbronner Stimme Gesamt 70.883 -2770 -3,8
9 Rhein-Neckar-Zeitung Gesamt 70.300 -2638 -3,6
10 Offenburger Tageblatt Gesamt
41.153
-1323
-3,1
11 Mannheimer Morgen (Ausgabe A ohne Südhessen Morgen und Bergsträßer Anzeiger) 37.951 -1617 -3,9
Bayern
1 Nürnberger Nachrichten Gesamt 223.502 -7690 -3,3
2 Augsburger Allgemeine Nordausgabe 182.536 -4836 -2,6
3 Großraumausgabe Münchner Merkur  159.752 -4087 -2,5
4 Passauer Neue Presse Gesamt 149.787 -2515 -1,7
5 Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung 109.897 -2167 -1,9
6 Main-Post 50 Gesamt 102.421 -3371 -3,2
7 Mittelbayerische Zeitung Gesamt 92.789 -2612 -2,7
8 tz-München 90.281 -5507 -5,7
9 Allgäuer Zeitung Südausgabe 84.130 -1924 -2,2
10 Donaukurier Gesamt 77.448 -1498 -1,9
11 Der neue Tag Gesamt 08 63.943 -2140 -3,2
12 Main-Echo Gesamt 61.680 -1855 -2,9
13 Oberbayerisches Volksblatt 56.307 -1485 -2,6
14 Fränkischer Tag 55.888 -1752 -3,0
15 Frankenpost Hochfranken (1030) 37.753 -1556 -4,0
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Hinweis: Die IVW-Analyse zu den überregionalen Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen finden Sie an dieser Stelle.

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Alle Kommentare

  1. Wenn immer weniger Redakteure eine Zeitung machen müssen, darf man sich nicht über den Inhalt beschweren.

    Wenn man jahrelang online kostenlos alles anbietet, muss man sich auch nicht wundern, wenn die Jüngern nicht so gerne bezahlen wollen.
    Wieso glaubt auch jede kleine Provinzzeitung, sie müsse die Nachrichten der großen Welt 2019 noch bringen?

  2. Wenn die Zeitungen weniger Amerika hörig wären, könnte der Abo – und Kiosk – Verlust eingedämmt werden. Mehr USA – kritische Artikel würden der deutschen Presselandschaft sicher gut tun.

  3. Warum soll ich als junger Mensch der wegen Studium und Jobs alle 4 Jahre umzieht eine Lokalzeitung kaufen? Gleiches Problem wie beim Ehrenamt. Die lokale Bindung nimmt ab, die Mobilität zu.

    Den Bundes- und und Landesteil bekomme ich online in höherer Qualität und schneller, die Lokalzeitung druckt meist eh nur dpa Meldungen.

    Lokalzeitung sind teuer, beim erscheinen veraltet, qualitativ schlecht. Eine Teufelspirale. Die Zukunft liegt in Wochen- und Monatszeitungen in erstklassiger Qualität, vollgestopft mit exklusiv Storys. Dafür kann mann dann auch 5€ zahlen.

  4. Mit 1,20 Euro oder sogar 1,50 Euro für die MOPO hätte ich kein Problem, wenn denn der Inhalt stimmen würde. Aber der stimmt schon lange nicht mehr.

    Früher waren hier werktäglich Comics wie “Phantom”, “Blondie”, “Mandrake”, schon lange aus Kostengründen eingespart.

    Da kaufe ich dann für die S-Bahnstationen lieber die WELT kompakt, die hat zwar auch keine Comics, immerhin aber einige wenige lesenswerte Artikel.

    Bei der MOPO ist oft noch nicht mal der “Aufmacher” ein eben solcher.

  5. Als passionierter Zeitungleser verfolge ich den Auflagenschwund der Lokalzeitungen mit einem großen Unbehagen, wobei das Abendblatt ja doch relativ glimpflich davon gekommen ist.

    Woran liegt es?

    Der Preis? Bei der Hamburger Morgenpost sicher der entscheidende Faktor. 1,20 € sind für ein Blatt das mit Ach und Krach Lesestoff für 5 U-Bahnstationen bietet einfach zuviel.

    Bevölkerungsentwicklung? Spielt sicher eine Rolle. Die Alten sterben weg und die Jungen und die Neuen lesen wohl nicht mehr so gerne Zeitungen.

    Inhalt: Es gibt diese Kritik an der mainstream Einheitsberichterstattung. Die trifft im Falle des Abendblattes aber nicht (mehr) zu.

    Ich hoffe, daß ich immer meine Zeitung zum Frühstück lesen kann

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