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Abkehr von Reichweiten-Vermarktung: “Impulse”-Chef Förster erwartet nach “Welt” weitere Nachahmer

Chefredakteur und Geschäftsführer von “Impulse”: Nikolaus Förster
Chefredakteur und Geschäftsführer von "Impulse": Nikolaus Förster © Foto: Ulla Deventer/ impulse/ Montage: MEEDIA

Die Skepsis in den Medienbranche war groß, doch der radikale Abschied von tradierten Reichweiten-Modell ist Impulse offenbar geglückt. Der Kurswechsel hat dem Anzeigengeschäft des früheren Gruner + Jahr-Magazins nicht geschadet. Chefredakteur Nikolaus Förster glaubt, dass Impulse und das Springer-Flaggschiff Welt nicht die einzigen Publikationen sind, die langfristig Bordexemplaren und Lesezirkeln ade sagen.

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Der Schritt war mutig und wurde in der Branche kritisch beäugt. Vor wenigen Monaten hatte Impulse-Herausgeber Nikolaus Förster die Reichweiten-Vermarktung für das ehemals zu Gruner + Jahr gehörende Unternehmensmagazin eingestellt. Keine Bordexemplare, keine Lesezirkel, keine sonstigen Verkäufe – radikal kappte er die weiche Auflage der Wirtschaftszeitschrift. Seither liegt “Impulse” nicht mehr kostenlos in Flughafen-Lounges. Verbände und Vereine bekommen keine vergünstigten Abos oder Lesezirkel preiswertere Exemplare (MEEDIA berichtete).

Fehlende Streuverluste sorgen für Interesse

Auch die zu Axel Springer gehörende “Welt” zog nach. Die werktäglich erscheinende Tageszeitung kappte ebenfalls die eher zu Marketingzwecken dienliche weiche Auflage. “Impulse” hat die radikale Kursänderung in der Anzeigenvermarktung, die der Verlag selber in die Hand nimmt, kaum geschadet. “Wir haben einen Anzeigenkunden verloren, der auf eine Reichweiten-Vermarktung setzt. Ein anderer Kunde hat sein Anzeigenvolumen reduziert. Das war es”, erklärt “Impulse”-Herausgeber und Verleger Nikolaus Förster gegenüber MEEDIA.

Damit hätten sich die Befürchtungen vieler Branchenexperten nicht bewahrheitet, die einen Einbruch im Vermarktungsgeschäft der Unternehmerzeitschrift vermutet hatten. “Im Anzeigengeschäft liegen wir im 1. und 2. Quartal über Plan”, versichert Förster.

Dass das Blatt für Werbetreibende weiter interessiert ist, liegt an den fehlenden Streuverlusten. Diese müssen Anzeigenkunden nicht mehr in Kauf nehmen, weil “Impulse” nur noch die hart verkaufte Auflage ausweist. Diese liegt derzeit bei 12.000 Exemplaren – allerdings zu einem Copypreis von fast 25 Euro pro Stück. Bisher bewegte sich die Zahl der verkauften Exemplare bei 70.000 Heften.

“Verlage werden sich von der Reichweiten-Vermarktung verabschieden”

Förster geht davon aus, das “Impulse” und die “Welt” nicht die einzigen Publikationen bleiben, die langfristig weichen Auflagenbestandteilen den Rücken kehren. “Ich bin sicher, dass sich die Verlage von der Reichweiten-Vermarktung verabschieden werden, nicht dieses Jahr, aber binnen von zehn Jahren”, erwartet der frühere Journalist der Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien. Als Grund hierfür nennt er die weiteren radikalen Strukturwandel in der Printbranche. “Der Anzeigenmarkt verändert sich strukturell. Sie erleben Jahr für Jahr, dass die Volumina bei den Printanzeigen rückläufig sind. Da ist es leicht zu prognostizieren, wann sich eine Reichweiten-Vermarktung für die Medienhäuser nicht mehr lohnt”, meint Förster. Auch für die “Welt” hat sich der Rückzug bei der weichen Auflage nicht negativ auf die Vermarktung ausgewirkt. Wie es aus Springer-Kreisen heißt, ist das Unternehmen mit der Anzeigenbelegung sehr zufrieden.

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Ob sich “Wirtschaftswoche”, “Capital”, “Manager Magazin” & Co. von der Reichweiten-Vermarktung abkehren, ist allerdings zu bezweifeln. “Viele Wirtschaftsmagazine sind gut geschrieben, sie sind aber für betriebliche Entscheidungen nicht von Bedeutung. ‘Impulse’ hingegen liefert einen qualitativ hochwertigen Nutzwert-Journalismus. Die Unternehmer wissen nach der Lektüre genau, was sie in ihrem Betrieb machen müssen”, meint Förster.

Dass sich Impulse im Zuge der neuen Strategie auch von Reichweiten-Messungen wie der AWA abgekehrt hat, birgt für das Unternehmen aus dem Hamburger Stadtteil Hammerbrook einen Vorteil. Seit Kurzem vernetzt Förster seine Leser digital und erhöht damit die Leser-Blatt-Bindung. “Wir haben die Daten unserer Leser profiliert und kennen jetzt jeden einzelnen unserer Kunden sehr genau. Ein Abonnent kann jetzt jederzeit bei uns anrufen und wir sind in der Lage ihn, mit einem anderen Unternehmer aus der Region zu vernetzen”, betont Förster.

Magazin längst nicht mehr einziger Erlösbringer

Auch für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Unternehmer mit seinen 40 Festangestellten wieder einen Gewinn. Wie hoch dieser ausfällt, dazu wagt er allerdings keine Prognose. “Impulse” hatte 2018 bei einem Umsatz von 4,4 Millionen Euro Umsatz einen Gewinn von 136.000 Euro erzielt. Dabei ist das Magazin längst nicht mehr der einzige Erlösbringer: Seminare, Coachings und Unternehmerreisen – unter anderem ins Silicon Valley – sorgen zusätzlich für Umsatz.

Jüngst ist zudem ein kostenpflichtiger digitaler Dienst namens „Gesetzeslotsen“ dazugekommen. Er soll Unternehmern helfen, sich im undurchschaubaren Dickicht von Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien besser zu orientieren. Förster hatte “Impulse” 2013 im Rahmen eines Management buy outs vom Hamburger Großverlag Gruner + Jahr übernommen.

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Alle Kommentare

  1. “DIE WELT” ist mit dem Anzeigenaufkommen in der Woche zufrieden ?
    Seltsam, werktäglich sind doch fast gar keine Anzeigen mehr drin, abgesehen die hauseigenen ( Abo Werbung, Digitalfirmen von Springer, usw. ).

    Seltsam, aber so steht es geschrieben.

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