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Zoff um SWMH-Chef Christian Wegner: Betriebsrat kritisiert die neue Strategie des früheren P7S1-Managers

Christian Wegner (r.) folgte bei der SWMH auf Richard Rebmann
Christian Wegner (r.) folgte bei der SWMH auf Richard Rebmann

Als Christian Wegner vor mehr als einem Jahr die Spitze der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) übernahm, galt er als der große Hoffnungsträger. Doch nun hagelt es massiv Kritik an dem ehemaligen P7S1-Digitalvorstand. Der Betriebsrat protestiert mit einem offenen Brief scharf gegen seine Strategie mit Fokus auf das Digitale. Die Arbeitnehmervertreter sehen das renditestärkere Printgeschäft (u.a. "Süddeutsche Zeitung").

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Es war ein bemerkenswerter Wechsel in der Führung der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH): Jahrelang hatte der eher als konservativ geltende Richard Rebmann die Geschicke des vielschichtigen Medienreichs der SWMH geführt. Doch Mitte vergangenen Jahres setzen die SWMH-Gesellschafter einen Manager an die Spitze des Zeitungshauses, an den wohl keiner gedacht hat: den ehemaligen ProSiebenSat.1-Digitalvorstand Christian Wegner (MEEDIA berichtete). Er verkörpert eine ganz andere Manager-Generation als Rebmann: jung, umtriebig und vor allem digitalerfahren. Wegner sollte bei dem schwäbische Medienkonzern für eine neue Aufbruchstimmung bei den Mitarbeiten sorgen, um das Unternehmen fit für den digitalen Strukturwandel zu machen.

Massive Kritik am neuen Chef

Jetzt, ein Jahr später, ist von dieser Aufbruchstimmung wenig zu spüren. Wegner steht hausintern massiv in der Kritik. Der Konzernbetriebsrat der Medienholding Süd rügt die Strategie des Geschäftsmannes. Der will vor allem die Digitaloffensive der “Süddeutschen Zeitung” vorantreiben und verstärkt in die Vermarktung von Digitalangeboten investieren, im Gegenzug allerdings beim Kerngeschäft, den gedruckten Medien, die Kosten senken. Beim Betriebsrat kommt das nicht gut an, er hält dies für das falsche Vorgehen und befürchtet, dass durch das Spardiktat das renditenstärkere Printgeschäft gefährdet wird. “Verstärkte Anstrengungen verbunden mit Investitionen in neue Geschäftsfelder sind generell begrüßenswert, dürfen aber nicht auf Kosten und zum Schaden des Kerngeschäfts gehen”, heißt es in einem offenen Brief der Betriebsräte, der MEEDIA vorliegt.

Und weiter: “Und das Kerngeschäft der SWMH ist, wie die Konzernbilanzen belegen, der Bereich Print (Qualitätsjournalismus), der, so der Eindruck des KBR, unter zunehmender Vernachlässigung und Einsparungen leiden muss und nicht die Beachtung erfährt, die erforderlich ist.” Dieses Vorgehen, so meinen die Arbeitnehmervertreter, sei schon in Wegners Zeit bei P7S1 “offenbar nicht nachhaltig erfolgreich” gewesen. Vielleicht sei dies auch der Grund, warum der Vorstandsvertrag mit Wegner bei dem Münchener TV-Konzern “in beiderseitigem Einverständnis nicht verlängert wurde”, merkt der KBR an.

Die Sorge des Betriebsrats um die Zukunft der “Süddeutsche Zeitung” ist verständlich. Die Tageszeitung verliert – wie andere Titel auch – kontinuierlich im Vertrieb. So sank die verkaufte Auflage im 1. Quartal 2019 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal um mehr als vier Prozent auf rund 338.000 Exemplare. Besonders betroffen ist der Einzelverkauf. Er brach im Berichtszeitraum um fast zwölf Prozent ein.

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Umstrittene Personalpolitik

Doch das ist nicht alles. Kritisiert wird auch Wegners Personalpolitik, alte Kollegen von ProSiebenSat.1 zur SWMH zu holen und diese in “hoch dotierte Führungspositionen” zu hieven, während an anderer Stellen am Personal gespart werden soll. Als Beispiele für solche Aufsteiger nennt der KBR Namen wie die frühere P7S1-Personalchefin Desiree Ball oder Thomas Höfer, der bei der Sendergruppe als Senior Vice President Business Development & Strategy den Ausbau von Partnerschaften im Digital Entertainment verantwortete und jetzt bei der SWMH als Chief Commercial Officer agiert. “Es entsteht der Eindruck, als würden Sie sich, Herr Dr. Wegner, mit ihren Weggefährten umgeben. Hier stellt sich für den KBR die Frage, wie dieses Vorgehen mit der von ihnen ausgegebenen Marschrichtung, nämlich zu haushalten und bei Personalneueinstellungen verhalten zu agieren, zusammenpasst”, monieren die Arbeitnehmervertreter.

Herbert Dachs, Geschäftsführer der Medienholding Süd GmbH, verteidigt hingehen das Vorgehen des früheren TV-Managers. “Der Wandel unserer Unternehmensgruppe ist notwendig, begonnen und kontinuierlich. Die Erweiterung des Führungsboards um Personen, die wertvolle und für diesen Prozess nicht alltägliche Erfahrungen einbringen, ist auch aus meiner Sicht folgerichtig”, kontert er die Vorwürfe des Betriesbrats. Auch für Wegners neuen Firmenkurs stärkt Dachs dem SWHM-Chef den Rücken. So sei es notwendig, die Unternehmensgruppe zu einem modernen Medienhaus zu wandeln. “Würde sich unsere Unternehmensgruppe diesem Wandel verschließen, geriete es in eine Schieflage, die wir vermeiden werden”, so Dachs.

Der Schlagabtausch zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsführung, über den die “Kontext”-Wochenzeitung zuerst berichtete, ist für die SWMH ungewöhnlich. Eigentlich versuchen die Arbeitnehmervertreter, Differenzen mit der Geschäftsführung nicht in der Öffentlichkeit auszutragen. Insider werten den Schritt als eine Art Hilferuf an die SWMH-Gesellschafter.

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