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An der “Welt” festhalten, “wenn die Ertragssituation stimmt” – KKR-Dokument sorgt für Unruhe bei Springers blauer Gruppe

Stephanie Caspar, Vorstand Axel Springer News Media National
Stephanie Caspar, Vorstand Axel Springer News Media National ©Picture-Alliance

Wirbel um die Zukunft der "Welt"-Gruppe: Der US-Finanzinvestor KKR knüpft die Fortführung der Gruppe in einem Dokument an bestimmte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Damit dürfte die Zeitungsgruppe unter erheblichen Veränderungsdruck stehen, um die als schwach geltende Ertragslage des Geschäftsbereichs zu verbessern. Axel Springer gibt unterdessen ein Bekenntnis zur "Welt" ab.

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Anfang März nahm Springer-Chef Mathias Döpfner bei der “Welt”-Gruppe Einschnitte vor. Überraschend kappte der Konzernchef bei der werktäglichen erscheinenden Welt die weichen Auslagenbestandteile – wie Bordexemplare und sonstige Verkäufe (MEEDIA berichtete). Die Maßnahme ist verständlich: Döpfner will die Rentabilität der Tageszeitung verbessern, die seit Jahren eher als schwach gilt.

KKR stellt Bedingungen

Jetzt könnte sich der Ertrags- und Veränderungsdruck auf die “Welt”-Gruppe weiter deutlich erhöhen. Denn der US-Finanzinvestor KKR hat in einer Unterlage zum geplanten Übernahmeangebot die Fortführung der “Welt”-Gruppe an bestimmte wirtschaftliche Bedingungen geknüpft. So will der Investor aus Manhatten an der “Welt”-Gruppe nur festhalten, wenn die “Ertragssituation” stimmt – sprich: ein ordentlicher Gewinn unter dem Strich steht oder die möglicherweise anfallenden Verluste nicht ganz so groß ausfallen? Man weiß es nicht genau. Der Passus ist extrem schwammig formuliert. Wörtlich heißt es hierzu im KKR-Angebot: “Der Investor und die Bestandsaktionärsgesellschaften haben in der Vereinbarung vom 12.Juni vereinbart, den Geschäftsbereich der Welt-Gruppe (einschließlich der Tageszeitung “Welt”, “Welt am Sonntag”, digitale Angebote der “Welt” und Fernsehsender Welt) fortzuführen. Dies steht unter der Voraussetzung einer angemessenen Steuerung der jährlichen Ergebnissituation.“

Trotz der Bedingungen sieht Axel Springer den Bestand der Zeitungsgruppe nicht als gefährdet an. “Die vertragliche Vereinbarung mit KKR beinhaltet ein klares Bekenntnis zur Welt-Gruppe. Damit bleibt die ‘Welt’ ein wesentlicher Bestandteil der Zukunftsstrategie von Axel Springer”, betont eine Verlagssprecherin und fügt hinzu: “Aufgrund allgemeiner kaufmännischer Erwägungen gilt selbstverständlich, so wie bisher auch, der Vorbehalt einer angemessenen Ertragslage.” Die Sprecherin erklärte zudem, dass es der Wunsch von Axel Springer war, schriftlich abzusichern, dass die Welt-Gruppe ein wesentlicher Eckpfeiler der Zukunftsstrategie bleibt. Laut Aussage der Sprecherin hat KKR das nie in Frage gestellt und sofort zugestimmt.

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Unruhe im Haus

Dass KKR der “Fortführung der Welt-Gruppe” in dem mehr als 221 Seiten starken Dokument allerdings einen eigenen Passus widmet, sorgt hausintern für viel Unruhe. Denn seit vergangenem Jahr wird immer wieder in Branchenkreisen spekuliert, dass die “Welt”-Gruppe vor gravierenden Veränderungen stehen könnte. Im Fokus ist vor allem die werktägliche Ausgabe der Tageszeitung. So kursieren Gerüchte, dass Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner die werktägliche Print-Ausgabe einstellen könnte, um die Druck- und Vertriebskosten zu sparen. Im Gegenzug solle das Online-Angebot und die “Welt am Sonntag” ausgebaut werden, um die Ertragslage der unter Auflagen- und Anzeigenschwund leidenden Tageszeitung zu verbessern. Eine Sprecherin des Verlags erklärte, dass die werktägliche Print-Ausgabe der “Welt” nicht zur Disposition steht. Eins ist aber klar: Sollte der US-Finanzinvestor KKR der Einstieg bei Axel Springer gelingen, dürfte die Welt-Gruppe verstärkt unter Rendite-Beobachtung stehen, zumindest die gedruckten Produkte.

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