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Heuschrecke und langfristig denkender Investor: die beiden Gesichter von KKR-Gründer Henry Kravis

Heuschrecke oder langfristig denkender Investor: KKR-Gründer Henry Kravis
Heuschrecke oder langfristig denkender Investor: KKR-Gründer Henry Kravis Screenshot:KKR-Firmenvideo

Jahrelang galt KKR-Gründer Henry Kravis als aggressiver Firmenjäger, der mit rüden Geschäftsmethoden Profit aus den übernommenen Unternehmen schlug. Jetzt will der New Yorker Finanzinvestor bei Axel Springer einsteigen. Droht Springer nun ein ähnliches Schicksal? Aktionärsvereinigungen wie DSW und SdK sehen keine Gefahr. Sie erwarten nicht, dass Kravis bei den Berlinern nach Heuschrecken-Manier agiert.

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Wenn Mathias Döpfner über KKR und seinem Gründer Henry Kravis redet, spricht er von ihm in den höchsten Tönen. “KKR ist ein guter Partner”, betonte der Axel Springer-CEO auf einer Telefonkonferenz. Er kenne Kravis schon seit mehr als 20 Jahren, der mit Kohlberg Kravis Roberts “das Vorbild für die gesamte Private-Equity-Branche” gewesen sei. Was Döpfner nicht erwähnt, sind die aggressiven Geschäftspraktiken, mit denen Finanzinvestoren wie KKR, Permira und Blackstone in den vergangenen Jahrzehnten ihre immensen Profite erwirtschaftet haben. Ihre Strategie so simpel wie schlagkräftig: Die US-Gesellschaften kaufen mit geliehenem Geld unterbewertete Firmen auf, lasten ihnen dann den bei der Übernahme entstandenen Schuldenberg auf, entlassen anschließend Mitarbeiter und zerlegen die Unternehmen in ihre Einzelteile, um diese wieder mit Gewinn abzustoßen – teils über Spin-offs, die sie an die Börse bringen. Das ist das bekannte Prinzip “Heuschrecke”, das der Private Equity-Branche einen miesen Ruf eingebracht hat.

“Barbarians at the gate”

An der Wall Street gibt es für diese Finanzakrobatik einen nüchternen Begriff: Leveraged Buyout. Damit haben es KKR & Co. in den vergangenen Jahrzehnten zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht – und zugleich die Taschen ihrer Anteilseigner gefüllt. Kräftig daran verdient hat vor allen Henry Kravis. Das US-Magazin Forbes schätzte sein Vermögen 2018 auf 5,8 Milliarden US-Dollar. Bekannt wurde der Sohn eines Ölingenieurs aus Oklahoma für einen Megadeal in den achtziger Jahren: der Erwerb von RJR Nabisco. Wochenlang tobte um den US-Tabak- und Nahrungsmittelkonzern ein erbittertes Bietergefecht. Am Ende machte KKR das Rennen und bürdete der Firma einen massiven Schuldenberg auf. Minutiös beschreiben die Autoren Bryan Burrough und John Heller den Überlebenskampf der Firma in einem Buch mit dem bezeichnenden Titel: “Barbarians at the gate” – auf deutsch erschienen unter: “Die Nabisco-Story: ein Unternehmen wird geplündert“.

In den USA war der Aufschrei über die Transaktion groß. Vor allem die Gewerkschaften brachte Kravis mit seiner Art des Geschäftemachens auf die Barrikaden. Mit der US-Finanzkrise 2007 legte der Manager sein Image als kaltherziger Finanzjongleur dann zunehmend ab – notgedrungen auch aus finanziellen Gründen. Denn mit dem Bankencrash drehten viele Kreditinstitute den Beteiligungsfirmen den Geldhahn zu. Dadurch wurde es für Kravis immer schwieriger, millionenschwere Übernahmen zu finanzieren. Er nahm sich stattdessen eine Investorenlegende zum Vorbild, die mit Augenmaß und Geschick den Beteiligungsmarkt aufmischt: Warren Buffet.

Schlummernde Wachstumspotenziale

Statt mit rüden Methoden beteiligte sich Kravis fortan an Firmen, um deren schlummernde Wachstumspotenziale zu heben, darunter vor einigen Jahren an der Münchener TV-Kette ProSiebenSat.1. Doch hier machte KKR erneut seinem alten Image alle Ehre. Kreditfinanzierte Zukäufe, beispielsweise der skandinavischen Sendergruppe SBS, überhöhte Dividendenausschüttungen und Personaleinschnitte machten dem Konzern aus Unterföhring schwer zu schaffen. Jetzt will Kravis bei Axel Springer zugreifen. Und die Belegschaft des “Bild”-Herausgebers ist skeptisch, ob sich die Geschichte aus Unterföhring nicht wiederholt.

Daniel Bauer, Vorstandsmitglied bei der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), sieht keine Gefahr. Er glaubt nicht, dass KKR bei den Berlinern nach dem Muster alter Zeiten vorgeht. “Ein konsequentes Vorgehen ist meist angebracht, um Unternehmen zukunftsfähiger zu machen. Es nützt weder den Mitarbeitern noch den Eigentümern, defizitäre Segmente ohne Zukunft jahrelang durchzuschleppen, da dies meist den gesamten Konzern langfristig in seiner Existenz bedroht. Davon zu unterscheiden sind so genannte leveraged buyouts, also Unternehmenskäufe, die man durch einen hohen Anteil Fremdkapital finanziert, deren Rückzahlung man dann dem übernommenen Unternehmen aufbürdet”, erklärt der Experte gegenüber MEEDIA.

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Kein leveraged buyout bei Springer

Er rechnet nicht damit, dass KKR bei den Berlinern einen leveraged buyout wagt: “Letzteres wird man bei Springer nicht sehen, da Friede Springer und Mathias Döpfner zusammen rund 45 Prozent der Anteile halten und kein Interesse an einer solchen Strategie haben dürften. Damit würden sie ihr eigenes Risiko enorm steigern, daher ist das eher ausgeschlossen“, betont er. Ähnliche Töne schlägt auch Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er betont zwar, dass das von KKR favorisierte Modell in der Vergangenheit immer wieder zu beobachten gewesen sei. Doch: “Die dafür erforderlichen Voraussetzungen scheinen bei dem Springer-Deal allerdings nicht gegeben zu sein. Für einen solchen Durchgriff ist in der Regel eine Mehrheitsbeteiligung und die damit verbundende Machtposition notwendig, die KKR bei Springer weder hat, noch – zumindest nach aktueller Kenntnislage – anstrebt”, meint der DSW-Chef.

Er sieht keinen Anlass zur Sorge, dass der Finanzinvestor bei Springer das Sagen bekommt. “Ein Einstieg von KKR in dem aktuell geplanten Umfang von 20 Prozent ist aus unserer Sicht noch kein Grund für Springer-Aktionäre, nervös zu werden. Der Einfluss bleibt aufgrund der bekannten Aktionärsstrukur (Großaktionärin Friede Springer und Springer-Vorstandschef Döpfner verfügen zusammen über 45,4 Prozent) doch sehr begrenzt”, so Tüngler. Aber: “Anders sähe es aus, wenn es sich hierbei nur um einen Schritt auf dem Weg zu einer Mehrheitsübernahme bei Springer handeln würde. Dann bestände durchaus die konkrete Gefahr, dass KKR aktiv in die Geschäftspolitik und eventuell sogar in die redaktionelle Arbeit eingreift”, meint er.

Kampf gegen die Techriesen

SdK-Vorstandsmitglied Bauer wertet den Einstieg von KKR sogar als vorteilhaft, um Springer im Kampf gegen die Techriesen Google, Facebook & Co. zu unterstützen. “Die Medienwelt befindet sich gerade in einem enormen Wandel. Springer hat diesen bereits teilweise vollzogen, wird aber in den kommenden Jahren noch hohe Investitionen vor allem in Technologie und den Aufbau eigener Marken investieren müssen. Diese Investitionen bringen natürlich in Kombination mit dem Wandel an den Märkten Unsicherheit und eventuell rückläufige Ergebnisse mit sich, was an der Börse meist leider zu sinkenden Kursen führt”, meint er.

Daher sei es “für Springer rein operativ gesehen sicherlich vorteilhaft, mit KKR einen kapitalkräftigen Partner mit an Board zu holen, der mittel- bis langfristiger denkt als es die Börse oft tut.” Auch KKR versichert, dass man mit Springer Hand in Hand arbeiten werde. KKR-Europachef Johannes Hut teilt mit: “Der Aufbau dauerhafter und vertrauensvoller Beziehungen zu Unternehmen weltweit ist der Kern unserer Tätigkeit bei KKR. Wir arbeiten seit langem mit Unternehmern, Familien, Führungskräften und Gründern zusammen, die sowohl Kapital als auch einen strategischen Partner suchen, der ihre Vision unterstützt.” Nach Heuschrecke klingt das nicht.

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