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Wochenrückblick: Amthor-Anfeindungen, Wetter-Wahnsinn, Klöckner-Kapriolen

Das Wetter vor zehn Jahren, Philipp Amthor bei “Markus Lanz”, Julia Klöckner bei der Arbeit
Das Wetter vor zehn Jahren, Philipp Amthor bei "Markus Lanz", Julia Klöckner bei der Arbeit Fotos: Screenshots Facebook/Markus Lanz/twitter-BMLE

Eine von der AfD im Social Web verbreitete Wetterkarten-Verschwörung entpuppte sich als sehr heiße Luft. Julia Klöckner von der CDU kuschelt mit einem gewissen Großkonzern. Der "Freitag" analysiert den "Lookismus" in Sachen Philipp Amthor und bei "Telepolis" steht was Schlaues zum Thema Klima. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Und jetzt: das Wetter! Wer diese Woche in den so genannten sozialen Netzwerken unterwegs war, dem ist womöglich dieses Bild mit zwei Wetterkarten untergekommen. “Fühlen Sie sich manipuliert?” stand drüber. Da war eine Temperatur-Karte aus dem Jahr 2019 abgebildet, die bei Temperaturen von 20 bis 34 Grad in diversen Rottönen gehalten war. Darunter war zum Vergleich eine Wetterkarte aus dem Jahr 2009 mit Temperaturen zwischen 27 und 36 Grad (also noch heißer!) die aber statt bedrohlicher Rottöne eine freundliche Sonne (ok, und ein paar Gewitterblitze) zeigte. Angefertigt hat den Vergleich der AfD-Bundestagsabgeordnete Jan Nolte. Er wollte damit wohl ausdrücken, dass es a) früher auch schon mal warm war. Und b) diese bösen Staatsmedien (die Wetterkarten stammen von der ARD) uns mit Hilfe über-dramatisierter Einfärbung in den Klima-Irrsinn treiben wollen.

Screenshot: Facebook

Blöd halt, dass es sich bei der roten Karte um eine so genannte Temperaturvorhersage handelt und bei der zweiten, der mit der Sonne, um eine normale Wetterkarte für die kommenden Aussichten. Siehe da: Auch 2009 zeigte die Temperaturvorhersage lauter fiese Rottöne! Diverse AfD-Facebookseiten sorgten freilich trotzdem dafür, dass sich der Schmu heiter weiterverbreitete. MdB Nolte hat den Rohrkrepier dann auch bemerkt, nachdem diverse Faktenchecker die Sache an die große Glocke gehängt haben und die Kachel mit den Wetterkarten auf seiner FB-Seite entfernt. Schuld war, wer hätte geahnt, ein anonymer Mitarbeiter, der wohl mausgerutscht war:

Darauf kann man aber nicht mit einer Grafik hinweisen, wie der, die mein Pressereferent gestern hier hochgeladen hat. Sie zeigte zwei verschiedene Grafiken, die sich nicht miteinander vergleichen lassen. Ich habe sie deshalb wieder löschen lassen, weil sie meinen Ansprüchen an eine saubere, faktenbasierte Entzauberung des Klima-Irrsinns nicht gerecht wird. Die Verantwortung liegt als Chef natürlich letztlich bei mir und nicht bei meinem Angestellten. Dazu stehe ich, alles andere wäre ja unehrlich.

Mmh, ja, bisschen durchsichtiges Rückzugsmanöver vielleicht aber immer noch besser, als alles, was die CDU in Sachen Krisenkommunikation vermutliche hinbekommen hätte.

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Denn die CDU, soviel scheint klar, hat massiven, also: MASSIVEN, Bedarf an Kommunikationsberatung. Da sind einmal die vielen beherzten Fettnäpfchen-Hüpfer der Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Da ist das unbeholfene Agieren des Generalsekretärs in der Rezo-Affäre. Diese Woche kam ein satter Fehltritt der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hinzu.

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Frau Klöckner posierte mit ihrem fröhlichsten Weinköniginnen-Lächeln mit dem Deutschland-Chef des Nestlé-Konzern für ein Video und lobte die Bemühungen des Lebensmittel-Multis über den grünen Klee. Nestlé-Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch freute sich auch und erklärte im Video kryptisch, dass man ja schon zehn Prozent reduziert habe und demnächst nochmal fünf Prozent reduzieren würde. Fett, Zucker, Salz, alles zusammen? Egal, Hauptsache reduziert! Er unterstütze die “Reformulierungsstrategie” der Ministerin jedenfalls. Damit ist nicht etwa gemeint, dass irgendwas anders formuliert werden soll, sondern dass sich die Rezepturen der Lebensmittel (die Formeln) ändern sollen. Hätte man das in einem Social-Media-Video erklären können oder sollen? Ach woher, guckt doch mal, wie prima sich die CDU-Ministerin und der Konzernchef verstehen. Das Video sorgte verständlicherweise für Entrüstung und Schleichwerbevorwürfe. Aus Kommunikationssicht fragt man sich schon, wie eine hochrangige Politikern glauben, kann, ein Kuschelvideo mit dem Vertreter eines der umstrittensten Konzerne überhaupt sei eine gute Idee. Paul Ingendaay schrieb dazu in der FAZ:

Die Ministerin betreibt Industrielobbyismus mit Bundesmitteln und hat nicht erkannt, dass die Zeiten andere geworden sind. Sie gibt Vereinfachern wie Rezo nachträglich recht und liefert nicht nur den Grünen, sondern auch dem arg zerzausten Koalitionspartner eine Steilvorlage: Endlich kann sich die SPD wieder über einen Blödsinn aufregen, der nicht aus den eigenen Reihen stammt.

Der Mann hat komplett recht!

+++

Kommunikativ geschickter ist Frau Klöckners Parteifreund Philipp Amthor. Sie wissen: Der jüngste Rentner, der Bubikopf, der Alfred E. Neumann der CDU usw. Das sind noch ein paar der harmloseren Beschimpfungen, die Amthor regelmäßig über sich lesen darf, wenn er dieses so genannte Social Web aufschlägt. Im “Freitag”, eine Publikation, die des Amthor-Fantums gänzlich unverdächtig ist, hat der Psychiater Robert von Cube einen tollen Text über “Lookismus” und “toxische Männlichkeit” am Beispiel Amthor geschrieben:

Es ist bemerkenswert, dass an anderer Stelle der Vorwurf von „Lookism“ so schnell erhoben wird, Amthor aber aufgrund seines Aussehens nach Belieben gebasht werden darf; dass Männlichkeitsideale überall in Frage gestellt werden, nur nicht beim politischen Gegner.

+++

Wo ich gerade dabei bin, “Lesetipps” zu verteilen. Wer am Wochenende Zeit hat und bei rotglühender Sonne auf der Hollywood-Schaukel hockt, dem sei zur Lektüre noch dieser ellenlange Text “Das CO2-Syndrom” aus dem Digitalmagazin “Telepolis” von Heise empfohlen. Friedrich Homann dekliniert darin beeindruckend sachkundig, faktensatt und aufreizend differenziert die Problematik mit dem Klimawandel und der extrem hitzigen Debatten darüber durch. Ein ganz toller Artikel. Eigentlich erstaunlich, dass so etwas gratis im Netz zu lesen ist.

Schönes Wochenende!

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