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Nannen-Preis 2019: SZ Magazin-Reporter Bastian Berbner holt den begehrten Egon Erwin Kisch-Preis

Die Preisträger des Henri Nannen Preises 2019 / Foto Copyright Franziska Krug/Getty Images für Gruner + Jahr
Die Preisträger des Henri Nannen Preises 2019 / Foto Copyright Franziska Krug/Getty Images für Gruner + Jahr

Er gilt als der „Oscar“ der Journalistenzunft: Der Henri-Nannen-Preis. Vor 300 Gästen zeichneten Gruner + Jahr und der stern am heutigen Samstag die journalistischen Glanzleistungen der Republik für 2019 aus. Dabei ging der Egon Erwin Kisch-Preis für die beste Reportage an SZ Magazin-Autor Bastian Berbner. Ausgezeichnet für die beste investigative Leistung wurde eine Buzzfeed-Reportage über spanische Erntehelferin, die sexuell missbraucht wurden.

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Die Königs-Disziplin, der Nannen-Preis für die beste Reportage (Egon Erwin Kisch-Preis), gewinnt der SZ-Magazin-Journalist Bastian Berbner für seinen Beitrag “Ich und der ganz andere”. Die Reportage handelt von der Freundschaft der beiden Iren Finbarr O’Brien und Chris Lyons, einem Schwulen und einem Homophoben. Damit gehen in diesem Jahr der Spiegel und der stern leer aus, die ebenfalls mit Beiträgen nominiert waren.

Der Preis wurde in einem deutlich kleineren Rahmen in der Kantine des Gruner + Jahr-Verlagsgebäudes vergeben. 2018 hatte die Verleihung noch in den Elbphilharmonie stattgefunden. „Früher war mehr Lametta“, sagte Moderatorin Marietta Slomka. Dass G+J beim diesjährigen Nannen Preis auf Pomp und Prunk verzichtet, liegt an dem Betrugsfall Claas Relotius. Der frühere Spiegel-Redakteur hatte jahrelang Reportagen gefälscht und damit den Spiegel, an dem Gruner + Jahr beteiligt ist, in eine tiefe Krise gestürzt.

Preis für beste investigative Leistung an Buzzfeed

Für die beste investigative Leistung wurden die beiden Journalisten Pascale Müller und Stefanie Prandl für ihre Reportage “Vergewaltigt auf Europas Feldern” ausgezeichnet. Der Beitrag, die bei Buzzfeed erschien, berichtet über spanische Erntehelferinnen, die sexuell missbraucht wurden. Die Recherche ist eine Kooperation mit Correctiv.

Erstmals wurde auch ein Preis für investigative Leistungen in einer Lokalzeitung ausgelobt. Gewonnen haben die Redakteure Oliver Schmetz und Stephan Mohne der Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten für den Bericht “Teure Bande: Die dubiosen Gehälter von Personalräten”.

Mit einem Sonderpreis geehrt wurde ein Autorenteam der Süddeutschen Zeitung für ihre Berichterstattung über den NSU-Prozess. Sie hatten mehr als fünf Jahre die gerichtliche Auseinandersetzung begleitet.

In der Kategorie “Inszenierte Fotographie” erhielt der belgische Fotograf Stephan Vanfleteren für Fotos in Mare einen Preis – zum Thema: “Wie stellt Du Dir Deine Zukunft vor”. Ausgezeichnet wurden als beste Reportage-Bilder Fotos des US-Kriegsberichterstatters James Nachtwey, die im stern erschienen.

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Karsten Krogmann und Christian Ahlers gewannen in der Kategorie Dokumentation mit ihrem Beitrag “Die Akte Högel”, der bei “NWZ Online” veröffentlicht wurde. Mit dem Nannen Preis 2019 in der Kategorie “Web-Projekt”wurden Katharina Brunner, Sabrina Ebitsch, Sebastian Gierke und Martina Schories ausgezeichnet für ihre Arbeit “Das gespaltene Parlament“, erschienen auf “sueddeutsche.de”.

Bewegte Vorgeschichte

G+J und sein publizistisches Flaggschiff stern zeichneten zum 14. Mal journalistische Bestleistungen aus. Der Preis hat eine bewegte Vorgeschichte. stern-Gründer Henri Nannen hatte 1977 den Kisch-Reportagepreis ausgerufen, der fast mehr als drei Jahrzehnte im Rahmen eines Empfangs im G+J Pressehaus verliehen wurde. 2005 fügte Gruner + Jahr weitere Kategorien hinzu, so dass der Kisch-Preis fortan im Henri-Nannen-Preis aufging. Zehn Jahre später fiel die Verleihung aufgrund von Sparmaßnahmen aus. Der Verlag nutzte die Auszeit, um den Preis neu auszurichten.

Heute hat Gruner + Jahr den für Journalisten wohl wichtigsten Preis stärker für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So wurde das Großereignis der Medienzunft erneut vom „Tag des Journalismus“ begleitet, mit dem Gruner + Jahr Lesern Einblicke in die Welt der Redakteure gewährt. Dies kommt offenbar gut an. Mehr als 1.000 Menschen nutzen die Gelegenheit, um sich über die journalistische Arbeit zu informieren. Ein Novum: In diesem Jahr konnten erstmals 50 Leser direkt an der Verleihung des Nannen-Preises am Abend teilnehmen. Dazu wurden tagsüber Lose ausgegeben.

Dass der Verlag die Auszeichung stärker für das breite Publikum öffnet, ist gewollt. Gruner + Jahr will damit in Zeiten von Fake-News ein „Zeichen für mehr Transparenz“ setzen. Das unterstrich auch Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel vor der Verleihung. Sie halte es für wichtig, dem “gutem Journalismus eine Bühne” zu geben. Der Preis soll helfen, dass die Menschen wieder mehr Vertrauen in die Medien gewinnen. Dies wurde jedoch erst gestern wieder auf eine harte Probe gestellt. Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann hatte den Abschlussbericht über den hauseigenen Skandal im Fall Claas Relotius vorgestellt.

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