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„Unangemessenes Verhalten und sexuelle Belästigung“: Tagesspiegel untersucht Vorwürfe gegen Mitarbeiter

Der Chefredaktion des Tagesspiegel sind in den vergangenen Tagen Fälle von „unangemessenem Verhalten und sexueller Belästigung“ bekannt geworden. Dies hat der Verlag am Donnerstag mitgeteilt. Der beschuldigte Mitarbeiter ist mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres freigestellt.

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„Wir nehmen diese Vorwürfe sehr ernst“, erklärte der Tagesspiegel in einer Stellungnahme in eigener Sache. Der Chefredaktion waren in den vergangenen Tagen Fälle von unangemessenen Verhalten und sexueller Belästigung bekannt geworden. Gemeinsam mit der Geschäftsführung habe man reagiert und „Einzel- und Gruppengespräche in Redaktion und Verlag geführt.“

Chefredaktion reagiert auf Buzzfeed-Recherche

Vorausgegangen waren dem Schritt Recherchen des Nachrichtenportals BuzzFeed News: In dem Artikel mit dem Titel „Ein Reporter des Tagesspiegel soll Kolleginnen bedrängt, gestalkt und sexuell belästigt haben“ wird von diversen Vorfällen betroffener Frauen und Schilderungen von langjährigen Mitarbeitern berichtet. Die Fälle unterscheiden sich dabei. Es geht um sexuelle Belästigung, Machtmissbrauch und Stalking-Vorwürfe nach, wie es heißt, zunächst einvernehmlichen Beziehungen.

Die Befragten sagten teilweise, dass das Verhalten des Mannes im Haus seit einigen Jahren bekannt gewesen sei. Bereits 2012 soll die Chefredaktion laut BuzzFeed News-Informationen erstmals über das „grenzüberschreitende Verhalten“ des Redakteurs informiert worden sein. Dieser bestreitet die Vorwürfe gegen ihn.

Chefredakteur Lorenz Maroldt sagte gegenüber dem Online-Medium, von den aktuellen Vorwürfen habe die Chefredaktion erst durch die Recherche erfahren. „Es ist nicht ein einziger Vorfall konkret an uns herangetragen worden“, erläuterte er. „Ich bin mir sicher, wären solche Vorwürfe bekannt geworden, hätten wir sofort das getan, was wir jetzt tun: nämlich eine Ombudsfrau einzurichten.“

Betroffene benannten drei weitere Personen

In Gesprächen mit Mitarbeiterinnen seien Maroldt drei weitere Namen genannt worden, „die im Zusammenhang mit unangemessenem Verhalten gegenüber Mitarbeiterinnen stehen“. Dort soll es sich laut Medienbericht um „sehr unterschiedliche Vorwürfe“ handeln, von verbaler Übergriffigkeit bis hin zu sexueller Belästigung.

Der Mitarbeiter, gegen den die konkreten Vorwürfe erhoben wurden, wurde nach einem Gespräch mit der Chefredaktion mit sofortiger Wirkung freigestellt, teilte der Tagesspiegel am Donnerstagnachmittag mit. Bis zur abschließenden Klärung soll diese Entscheidung gültig sein. Als erste Sofortmaßnahme schafft der Verlag eine „unabhängige Vertrauensstruktur im Haus“. Damit sollen die Angestellten mehr Sicherheit und Unterstützung in Fällen von unangemessenem Verhalten und sexueller Belästigung bekommen. „Sie soll es Betroffenen so einfach wie möglich machen, Unterstützung bei möglichen Vorfällen zu erhalten.“

Ein weiterer Schritt ist die von Maroldt angesprochene Ombudsfrau, die mit der Aufarbeitung der Geschehnisse betraut ist. Außerdem steht sie künftig als Ansprechpartnerin allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung.

tb

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