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NewsGuard startet in Deutschland: Das müssen Publisher über das Anti-Fake-News-Tool wissen

Newsguard
Newsguard © Unsplash: Rawpixel

Der Zeitpunkt so kurz vor den Europawahlen ist günstig gewählt, wird doch fast täglich vor Desinformation gewarnt: Seit Dienstag steht das Anti-Fake-News-Tool NewsGuard auch deutschen Nutzern zur Verfügung. Wie bewertet der Service Nachrichtenseiten? Und wann fällt eine Webseite durch? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

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Was will NewsGuard?

Die “Förderung der Medienkompetenz” hat sich das Medien-Start-up zum Ziel gesetzt. Die Machen wollen der Verbreitung von Desinformation entgegenwirken und Nutzern helfen, sie zu erkennen und zu meiden. Die Besonderheit: Dafür setzt die US-Firma nicht auf Künstliche Intelligenz, sondern auf menschliches Urteilsvermögen und journalistische Erfahrung. 90 Prozent des Online-Nachrichten- und Informationsvolumens möchten die Verantwortlichen in den jeweiligen Ländern, in denen sie tätig sind, in Form von Mediensteckbriefen überprüfen. In Deutschland sind es zum Start etwa 70 Prozent, Ende Juni will das Team dann die anvisierte Zielmarke erreicht haben.

Hierzulande handelt es sich dabei um etwa 150 Nachrichtenseiten. Die NewsGuard-Liste beruht auf verschiedenen Datendiensten, die die digitalen Aktivitäten verfolgen, heißt es in der Beschreibung. Laut eigener Aussage kommen dann weitere Websites hinzu, die bekannt und einflussreich sind, ansonsten aber nicht die benötigte Reichweite besitzen, um es auf die Liste zu schaffen. Auch kleinere oder neue Websites können sich nach Absprache von NewsGuard bewerten lassen. Vor den Europawahlen soll der Dienst zudem in Frankreich und Italien starten.

Wie werden Nachrichtenseiten überprüft?

Die Redakteure bewerten die Nachrichtenportale nach neun Qualitätskriterien, die in Glaubwürdigkeit sowie Transparenz eingeteilt sind und eine unterschiedliche Gewichtung haben. Dazu gehören:

  • Es werden nicht regelmäßig Falschinformationen veröffentlicht
  • Es gibt eine klare Unterscheidung zwischen Nachricht und Meinung
  • Unterlaufene Fehler werden regelmäßig richtiggestellt
  • Irreführende Überschriften werden vermieden
  • Werbung wird als solche gekennzeichnet
  • Eigentumsverhältnisse und Finanzierung werden veröffentlicht

Maximal vergeben werden 100 Punkte. Erreicht eine Seite weniger als 60 Punkte, bekommt sie ein rotes Label. Satireinhalte werden orange gekennzeichnet, ein graues “i” soll für “User Generated Content” stehen. Diese Labels bekommen Nutzer künftig neben Quellen angezeigt, beispielsweise bei Facebook, Twitter, Google und Bing.

Um selbst dem Transparenzgebot nachzukommen, veröffentlicht die Redaktion, welche Journalisten an der Bewertung beteiligt waren und für welche Medien diese wiederum in der Vergangenheit tätig haben. Sollte eine Nachrichtenseite ein Kriterium oder mehrere Punkte nicht erfüllen, kann sie sich dazu äußern. Statements der Medienhäuser werden dann innerhalb des Berichts veröffentlicht. Die erneute Überprüfung aller Seiten soll in Zukunft alle drei Monate erfolgen, unter Umständen können Aktualisierungen auch häufiger passieren.

Wo finden Leser die NewsGuard-Berichte?

Die Bewertungen werden deutschen Nutzern über ein Browser-Plugin zur Verfügung gestellt. Verfügbar ist das Tool für Safari, Chrome, Firefox und Edge (Microsofts Browser hat die Funktion sogar vorinstalliert) und mobile Geräte mit iOS sowie das Android-Betriebssystem. Die jeweiligen Nachrichtenseiten lassen sich nach Installation des Plugins per Klick überprüfen. Wer bei Google, Edge und Co. nach Begriffen sucht, erhält zudem durch ein grünes Häkchen oder ein rotes X eine schnelle Rückmeldung hinsichtlich der Seriosität einer Webseite.

Beispiel New York Times bei Facebook

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Ein Klick auf den Button im Browser liefert eine Übersicht der wichtigsten Informationen zur jeweiligen Nachrichtenseite. Dazu gehören beispielsweise Eigentümer und Schwerpunkt der Berichterstattung. Mit einem weiteren Klick kann sich der Nutzer zudem den detaillierten Prüfbericht der Seite anschauen. Dort gibt es die ausführlichen Analysen zu den Prüfkriterien, historische Meilensteine des Mediums und die Auflistung aller für den Mediensteckbrief verwendeten Quellen.

Wer steckt dahinter?

Gegründet wurde das Unternehmen NewsGuard Technologies im März 2018 von Steven Brill und Gordon Crovitz. Sie beide fungieren ebenfalls als gleichberechtigte CEOs. Brill ist amerikanischer Journalist und hat bereits für verschiedene Medienhäuser gearbeitet, Crovitz war Herausgeber des Wall Street Journals und Kolumnist der Zeitung.

Zum Start des Tools sagt Brill: “Wir setzen die menschliche Intelligenz unserer Analysten auf genau das Problem an, das die künstliche Intelligenz des Silicon Valley nicht zu lösen vermochte – das Problem von Fehlinformation und Desinformation im Internet, die das Vertrauen in Medien Beschädigt und Bedenken zur Integrität von Wahlen laut werden lässt.”

Wer ist in Deutschland Ansprechpartner?

Die Leitung des deutschen Teams übernimmt Alina Fichter. Von Februar 2018 an war sie Mitglied der Zeit-Online-Chefredaktion, davor beim Bayerischen Rundfunk und Redakteurin bei der Zeit und der Süddeutschen Zeitung. In ihrer neuen Rolle als Chefberaterin prüft sie die Anwendung der Qualitätskriterien in Deutschland. Dies erledigt sie gemeinsam mit Medienwissenschaftler Florian Meißner, der als beratender Redakteur tätig sein wird. Das Duo checkt künftig alle Bewertungen und Mediensteckbriefe.

Suche zum Wort “Strache” bei Google

Fichter ist Teil des internationalen Beirats, der im Zuge des Deutschlandstarts erweitert wurde: Neben zahlreichen erfahrenen Journalisten aus dem Ausland sitzen dort auch Jimmy Wales, Mitbegründer von Wikipedia, und Anders Fogh Rasmussen, ehemaliger dänischer Ministerpräsident und Nato-Generalsekretär.

Wie finanziert sich das Unternehmen?

NewsGuard ist keine gemeinnützige Einrichtung, sondern arbeitet gewinnorientiert. Derzeit sind weltweit rund 50 Journalisten für das Unternehmen tätig. Zum Start in Deutschland hat das Team zehn Festangestellte und Selbständige. In der Beschreibung heißt es lediglich, dass die Verantwortlichen auf “einige der weltweit größten Unternehmen”, darunter Mobilfunkkonzerne, digitale Plattformen und soziale Medien sowie Internet- und Suchmaschinenanbieter zugehen, um Kooperationen zu starten. In diesem Zuge gebe es Gespräche mit dem Ziel, dass Firmen gegen Bezahlung das Tool in ihr Interface aufnehmen und sich auf diese Weise Transparenz lizenzieren lassen. Um möglichen Manipulationsvorwürfen zuvor zu kommen, erklärt das Unternehmen, dass man kein Geld von bewerteten Nachrichtenseiten akzeptiert.

Immerhin ein finanzstarker Partner aus der Techbranche ist bereits an Bord: Microsoft. Außerdem werden auf der Homepage bislang das “Center for News Literacy” und “Namle” gelistet, das nationale Zentrum für Medienkompetenz und Erziehung in den USA. Hinzu kommen diverse Kooperationen mit Bibliotheken, die das Tool auf ihren Computern installieren. Dies sei in Deutschland ebenfalls in Planung.

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Alle Kommentare

    1. Naja…Das geilste ,dass die NYT als seriös dargestellt wird und im Beispielbild vom 14. Mai 2019 auf einer andere Fact check Seite ein Fake News Artikel der NYT auseinander genommen wurde….

      gut kann auch 2018 sein….dann könnte es passen.

  1. Was soll das als Download-Tool denn bringen? Sinnvoll wäre es erst, wenn die Beiträge, die z.B. gewisse Kommentatoren hier privat sicher häufig und gerne teilen, direkt und unwiderruflich als Bullshit-Quelle gekennzeichnet werden, damit keiner darauf hereinfällt, dessen Weltbild nicht ohnehin faktenunabhängig ist.

  2. Ist das wie das “Correctiv” der Tagesschau, wo ein glühender Antifa Anhänger die Fakten mit Haltung checkt?

    Gibt mittlerweile sogar Seiten, die die Faktenchecker auf Fakten überprüfen.
    Das nimmt lustige Züge an.

  3. Soso, dieses “Newsguard” soll also Fake-News ans Tageslicht bringen. Das ist so, als würde man die Quadratur des Kreises beschreiben.
    Wer sich mit dem Hintergrund von diesen selbsternannten Wächtern beschäftigt, dem wird gleich klar woher der Wind weht.
    Ich würde diesen Verein als “Wolf im Schafspelz” beschreiben.

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