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Wiener Anwalt zeigt Böhmermann an: “Es geht nicht, dass ein deutscher Satiriker acht Millionen Österreicher als debil bezeichnet”

TV-Satiriker Jan Böhmermann
TV-Satiriker Jan Böhmermann

Das umstrittene Interview des Satirikers Jan Böhmermann im ORF bleibt nicht ohne Folgen: Ein Wiener Anwalt hat gegen den deutschen Moderator in der österreichischen Hauptstadt wie auch bei der Staatsanwaltschaft in Berlin Strafanzeige erstattet. Er sehe in den Aussagen Böhmermanns eine "Herabwürdigung des Staates". Der Satiriker hatte unter anderem gesagt, in Österreich lebten acht Millionen "Debile".

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Gegenüber dem Standard hat die Wiener Anwaltskanzlei List die Anzeige bestätigt, die sowohl in Deutschland als auch in Österreich gestellt wurde. “Es geht nicht, dass ein deutscher Satiriker acht Millionen Österreicher als debil bezeichnet”, sagt List dem Portal. Mit der Anzeige wolle er “ein Zeichen setzen”. Die Anzeige hätte er persönlich als Staatsbürger gestellt und ohne externe Auftraggeber.

Hintergrund ist ein Interview, dass der Satiriker anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung im ORF gegeben hatte (der Beitrag in der ORF-Mediathek). In “Deuscthland#ASNCHLUSS#Östereich” beschäftigt sich der 38-Jährige mit der Vergangenheit Österreichs.

In dem Interview ging es dann aber weniger um die Ausstellung, als um die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation in der Alpenrepublik. Böhmermann äußerte sich beispielsweise zum österreichischen Kanzler Sebastian Kurz. “Es ist nicht normal, dass das Land von einem 32-jährigen Versicherungsvertreter geführt wird”, sagte er. Dem Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) wirft er “volksverhetzende Scheiße” vor, die dieser auf Facebook poste.

Als der Moderator ihn zu Beginn auf ein Zitat Thomas Bernhards angesprochen hatte, in dem dieser die Österreicher als “sechseinhalb Millionen Debile und Tobsüchtige” bezeichnete, entgegnete Böhmermann: “Das Rad der Zeit hat sich ja weitergedreht. Jetzt sind es schon acht Millionen Debile.”

ORF distanzierte sich

Der ORF distanzierte sich noch in der Sendung von den Aussagen: “Soweit die Ansicht des Satirikers Jan Böhmermann zu Österreich”, moderiert Clarissa Stadler den Beitrag im “Kulturmontag” ab. “Der ORF distanziert sich von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns”, fügt die Moderatorin hinzu, “aber wie Sie wissen, darf Satire alles und der öffentliche Rundfunk künstlerische Meinung wiedergeben”.

Gegenüber MEEDIA äußerte sich der ORF-TV-Kulturchef dazu:

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Wichtig ist in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass der ORF dem Objektivitätsgebot unterliegt und nichts anderes getan hat, als medienrechtliche Vorgaben einzuhalten. Den Beitrag zu spielen, sich aber in Folge von darin getätigten unsachlichen Kommentaren zu distanzieren, war eine professionelle und rechtskonforme, redaktionsinterne Entscheidung, die auf keinerlei Druck von innen oder außen entstanden ist. Nach einem höchstgerichtlichen Urteil in Folge der „Nestroy“-Übertragung 2002 ist der ORF verpflichtet, sich von unsachlichen Äußerungen in seinen Sendungen zu distanzieren – d.h. in diesem Fall von Kommentaren und Standpunkten des Interviewpartners. Die verbale Distanzierung replizierte genau auf diese Rechtslage.

Auf Twitter reagiert Böhmermann auf die Anzeige:

 

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