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Neuausrichtung der ADAC Motorwelt: Entscheidung um künftigen Dienstleister ist angeblich gefallen

Martin Kunz ist amtierender Chefredakteur der ADAC Motorwelt
Martin Kunz ist amtierender Chefredakteur der ADAC Motorwelt

Für den ADAC ist es der größte Umbruch in der Geschichte der monatlichen Mitgliederzeitschrift seit der Gründung im Jahr 1945, für etliche Verlage ist es ein extrem lukrativer Auftrag in mehrstelliger Millionenhöhe: Beim Pitch um die Neuausrichtung der ADAC Motorwelt hat sich laut Süddeutscher Zeitung C3 von Burda durchsetzen können. Raus ist Springer aber offenbar noch nicht.

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Die Motorwelt ist mit einer Auflage von 13,5 Millionen Exemplaren derzeit Europas größtes Magazin – verschlingt aber jedes Jahr Millionen. Allein die Post-Zustellung kostet den Verein 50 Millionen Euro, hinzu kommen 40 Millionen Euro an laufenden Kosten. Durch Anzeigen erwirtschaftete die Motorwelt im selben Zeitraum nur 30 Millionen Euro, heißt es.

2020 das das Magazin deshalb neu aufgestellt werden (MEEDIA berichtete). Nur drei- bis viermal im Jahr – anstatt wie bislang zehnmal im Jahr – soll das Heft erscheinen. Außerdem landet es nicht mehr ohne Zusatzkosten in den Briefkästen der Mitglieder. Die “Motorwelt Premium”, so der Projektname des Magazins, soll dann in den ADAC-Geschäftsstellen und anderen Points of Sale ausliegen, aber weiterhin kostenlos bleiben – gegen Vorlage des Mitgliedsausweises. Die Auflage wird in diesem Zug stark schrumpfen.

Showdown zwischen Springer und Burda

Ein halbes Dutzend Verlage soll sich bislang um den Auftrag für die neue Motorwelt beworben haben. Konkret geht es um ein All-inclusive-Paket von Produktion über Herstellung und Druck bis hin zu Vermarktung und Vertrieb der ADAC Motorwelt Premium ab 2020. Unklar ist, wie lukrativ der Deal ist. Nach Schätzungen von zuletzt 20 Millionen Euro pro Jahr berichtet die Süddeutsche Zeitung nun von einem Auftrag in dreistelliger Millionenhöhe. Zuletzt seien, so die SZ, noch Springer und Burda im Rennen gewesen. Zumindest standorttechnisch ist Burda mit München, wo auch der ADAC seinen Hauptsitz hat, im Vorteil.

Offenbar konnte sich C3, Burdas Branded-Content-Arm, auch durchsetzen. Zumindest hätte Burda bislang als einziger Pitch-Kandidat sein Konzept vor dem Verwaltungsrat des ADAC, der Vertreter aller Regionalklubs umfasst, präsentieren dürfen. “Die Sache scheint durch”, wird ein Insider zitiert.

Offiziell will der Verband das noch nicht bestätigen. Man befinde sich “in sehr guten, intensiven Gesprächen und Verhandlungen mit zwei renommierten Großverlagen”, eine Entscheidung sei in den kommenden Wochen geplant. Wohl auch, damit Axel Springer Corporate Solutions sein Angebot nochmal nachbessert.

Mehr Premium, kein Versand mehr
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Der ADAC verspricht sich vom kompletten Outsourcing unter anderem mehr hochwertige Heft-Inhalte, teilweise um Regional-Supplements ergänzt. Was nach Premium klingt, ist nicht zuletzt auch ein Sparkurs. Verhandlungen mit der Deutschen Post um bessere Konditionen waren 2018 gescheitert, wie die WirtschaftsWoche berichtete. Die Post sei demnach nicht zu Verhandlungen bereit gewesen, habe stattdessen sogar Gedanken über eine Erhöhung des Portos geäußert. Nun gilt sie jetzt schon als großer Verlierer der Umstrukturierung.

Aber auch die Motorwelt ist mit der Neuausrichtung ihre Pole Position los. Derzeit und noch für das komplette Jahr 2019 erscheint das Heft noch mit zehn Ausgaben bei einer Auflage von 13 Millionen Exemplaren. Den Titel “auflagenstärkste Zeitschrift in Europa” ist das Mitglieder-Magazin nach der Neuausrichtung dann los. Derzeit plant man für die Zukunft mit fünf Millionen Heften monatlich.

Wohin mit den Mitarbeitern?

Die Mitarbeiter haben laut der WiWo bis Ende nächsten Jahres eine Jobgarantie. Rund 40 Redakteure bleiben dem ADAC für das Vereinsportal adac.de erhalten. Dafür würden auch in Zukunft redaktionelle Kapazitäten gebraucht, heißt es aus München. Inhouse wolle man künftig die Weiterentwicklung und den Ausbau digitaler Inhalte vorantreiben, so ein Sprecher. Weitere 40 Verlagsmitarbeiter müssen dagegen um ihren Job bangen.

Ob die Mitarbeiter aus den Bereichen Redaktion und Vermarktung allesamt den neuen Weg mitgehen können und dürfen, dazu äußert sich der ADAC nicht. Allem Anschein nach fehlte dem Vorstand bei der Entscheidung das Vertrauen in die eigene Organisation, sich für die Anforderungen der Digitalisierung neu aufstellen zu können. Ein Dienstleister soll es nun richten.

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