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Wochenrückblick: Ist Gerhard Delling bald der Schwager von Stefan Aust?

Mick Jagger, der Mann mit dem Hoodie, MvB und der Schwager in spe von Stefan Aust (v.l.o.n.r.u.)
Mick Jagger, der Mann mit dem Hoodie, MvB und der Schwager in spe von Stefan Aust (v.l.o.n.r.u.)

Alle auf die armen Alten, heißt es im Europa-Wahlkampf der Partei Die Partei. Die Tagesspiegel-Chefredakteure können den Eindruck, dass der Zeitungsmarkt Berlin kaputt ist, nicht wirklich entkräften. Gabor Steingart hat Abenteuerliches vor und Gerhard Delling ist vielleicht bald mit Stefan Aust verwandt. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Am 26. Mai findet in Deutschland die Europawahl statt und der Wahlkampf ist mittlerweile schleppend angelaufen. Mir fiel auf, dass es in bestimmten Kreisen modern scheint, im Zusammenhang mit der Europa-Wahl über alte Menschen herzuziehen. Zu allererst wäre da der Wahlspot der Satire-Partei Die Partei zu nennen, in dem der Kandidat Nico Semsrott als Schluffi im Hoodie auftritt. Gezeigt wird ein “Letztwähler”. Natürlich ein “alter, weißer Mann” (ha, ha), der “so gut wie tot” ist und im Krankenhaus an intensiver Medizinapparatur hängt. Trotzdem buhlen die klassischen Parteien um seine Stimme. Mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren sei Europa “das Altenheim der Welt”, erklärt Semsrott mit Friedhofsstimme.

Viele “dieser Menschen”, also Alte, seien für die Abschottung Europas, sexistische Rollenbilder und veraltete Werte “oder kurz: für das Wahlprogramm der CDU”. Schon klar, ist alles irgendwie ironisch gemeint, ist ja eine Satire-Partei usw. Allerdings hat diese Denke, dass “die Alten” “den Jungen” die Zukunft klauen mittlerweile auch Spuren in der wirklichen Welt hinterlassen. Spürbar war dies u.a. bei der aufgeheizten Debatte um Upload-Filter. Das führt dann auch dazu, dass eine hippe und junge Marke wie Fritz Kola mit solch einem Motiv wirbt:

Was für ein Menschenbild steckt eigentlich hinter solchen Kampagnen? Offensichtlich eines, das auf Abgrenzung und Diskriminierung beruht. Satire darf ja bekanntlich alles. Offensichtlich auch blöd und menschenverachtend sein.

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In der Horizont haben die beiden Chefredakteure des Berliner Tagesspiegel, Lorenz Maroldt und Mathias Müller von Blumencron ein Interview gegeben (Paid Content). Dabei ging es auch um den schlimmen Zustand des Zeitungsmarkts Berlin, der laut Maroldt “journalistisch gesehen der gesündeste Markt überhaupt” sei. Tja. Finde den Fehler! Die Horizont merkte zurecht an: “Geht aber nur eine der drei Zeitungen über die Spree, wäre Print in Berlin tot.” Denn die drei Berliner Zeitungen Tagesspiegel, Berliner Morgenpost und Berliner Zeitung teilen sich die Zustellungskosten. Maroldt: “Tot vielleicht nicht, aber dieses Problem zu lösen, wäre sicherlich eine Herausforderung.” Herausforderung, das ist schon recht euphemistisch ausgedrückt. Der Tagesspiegel schreibt seit Jahren Verluste und die beiden Chefs reden von Aufbruch, von einer Paywall irgendwann, von neuen “Background”-Lettern für ein sehr überschaubares Fachpublikum. Der beliebte Checkpoint-Letter wird jetzt in Kürze immerhin kostenpflichtig. Ein sicherlich richter Schritt, angesichts der Riesen-Probleme aber auch nur ein Trippelschritt. Trotz allem Optimismus, den die beiden Zeitungs-Chefs versuchen zu verströmen, wird nach Lektüre des Interviews klar: Auf dem Zeitungsmarkt Berlin rückt ein großer Knall immer näher.

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Die prekäre Lage der Berliner Zeitungen könnte auch für einen hoffnungsfrohen Neu-Medienunternehmer in der Hauptstadt ein Fingerzeig sein. Gabor Steingart gab Peter Turi im Schaufenster seiner Media Pioneer-Redaktion (eine ehemalige Boutique) im Opa-Sessel ein doch sehr vollmundiges Interview. Steingart verglich sich nicht nur mit Mick Jagger, er erklärte auch, dass er zunächst gar kein Interesse am Geldverdienen und an starren Plänen habe. Ihm gehe es – ganz “amerikanisch” – darum, die “Halle vollzumachen”. Das Geld komme dann schon von irgendwo her von alleine. Darum will er auch zu den 20 Leuten, die er bereits beschäftigt, noch bis zu 30 weitere Mitarbeiter in diesem Jahr einstellen und fünf bis zehn neue Podcasts starten. Natürlich alles ganz ohne Werbung, denn mit Werbung haue man die Leser- und Hörer “übers Ohr”.

Das klingt alles markig und auch unterhaltsam, aber doch auch mehr als nur ein bisschen schräg. Warum Steingart ohne Not auf eine immer noch sehr wichtige Säule im Erlösmix (Werbung) verzichten will – ich kapier’s nicht. Steingarts Pläne erinnern entfernt an die alte New Economy 1.0, als Reichweite und hohe Cash-Burn-Rate das Maß der Dinge waren, um Investoren glücklich zu machen. Diese Zeiten sind aber nun schon ziemlich lange ziemlich vorbei. Man kann Steingart und seinen Mit-Pionieren bei diesem Abenteuer nur viel Glück wünschen. Ich werde den Gedanken aber nicht los, dass der eine oder andere in Düsseldorf und/oder Stuttgart angesichts dieser Pläne ganz froh ist, dass man nun getrennte Wege geht.

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Zum Schluss noch ein kurzer Ausflug in die Welt der Reichen und, äh, der Reichen. Die Bild weiß (Paid Content), dass ARD-Sportreporter Gerhard Delling eine neue Freundin hat. Die heißt Vicky Hinrichs und ist von Beruf “Society Lady”. Frau Hinrichs ist nicht nur die Ex-Frau des Hamburger Reeders Bertram Rickmers, sondern auch Schwester von Katrin Hinrichs-Aust, Gattin von Ex-Spiegel-Chef und Welt-Herausgeber Stefan Aust. Wenn jetzt Delling und seine Vicky heiraten, dann wäre Aust sein Schwager. Gute Gespräche auf der nächsten Familienfeier! Besonders gefällt mir aber die Zeile, die die Bild in ihrer Print-Version zu dieser interessanten Beziehungskonstellation getextet hat:

 

22 Jahre jünger als Netzer! Achtung, hier kommt der Zusammenhang: Delling war mit Günther Netzer, mit dem er viele Jahre lang Länderspiele der Fußball-Nationalmannschaft kommentierte, in einer “TV-Ehe”.

Das ergibt ja absolut Sinn!

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” sprechen Christian Meier von der Welt und ich diesmal über den Eklat wegen des Armin-Wolf-Interviews mit dem FPÖ-Politiker Harald Vilimsky. Außerdem gibt es ein Interview zu Politikerphrasen und wir enthüllen den neuen Namen unserer Schnellcheck-Rubrik. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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