Partner von:
Anzeige

Von der RP in die Hauptstadt: Darum wird Michael Bröcker Chefredakteur bei Gabor Steingarts neuem Medienportal

Gesellschafter-Duo bei Media Pioneer: Gabor Steingart (Herausgeber) und Michael Bröcker setzen auf werbefreien digitalen Journalismus
Gesellschafter-Duo bei Media Pioneer: Gabor Steingart (Herausgeber) und Michael Bröcker setzen auf werbefreien digitalen Journalismus © Picture Alliance/dpa/ Montage: MEEDIA

Anfang der Woche kursierte eine überraschende Branchenpersonalie: Michael Bröcker, als Chefredakteur der Rheinischen Post seit 2014 fest im Sattel, verlässt die "beste Regionalzeitungsredaktion" (O-Ton Bröcker), um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen. Jetzt ist klar: Der 42-Jährige wechselt als Co-Gesellschafter und Chefredakteur zu Gabor Steingarts Media Pioneer nach Berlin. Aus Gründen, wie es so schön heißt.

Anzeige

Das manager magazin berichtete am Dienstagabend exklusiv über den Neuzugang im Team des früheren Handelsblatt-Herausgebers und Spiegel-Journalisten Gabor Steingart, 56, der seit Monaten Aufbauarbeit für das vielleicht spannendste Medienprojekt des Jahres leistet: ein hochambitioniertes, multimediales Portal zu Politik und Wirtschaft.

Top-Qualität, rigoros digital und 100 Prozent werbefrei lautet das Produktversprechen, das im Umfeld der generell auf einen Erlös-Mix ausgerichteten privatwirtschaftlichen Content-Angebote in seinem geradezu schroffen Verzicht auf Refinanzierung durch Anzeigen in der Tat ein Novum bedeutet. Was viele Verlagsmanager für riskant halten, spiegelt zugleich eine unübersehbare Tendenz der digitalen Welt wider, in der die Medien zu den großen Verlierern des Werbegeschäfts gehören. Und die Ausblicke geben selbst unerschütterlichen Optimisten kaum Grund zur Annahme, das sich daran in Zukunft etwas ändern wird. Steingart geht den radikalen Weg und glaubt, damit auch unternehmerisch richtig zu liegen.

Das seit rund einem Jahr erscheinende Morning Briefing Steingarts (aktuell etwa 100.000 Abonnenten) sowie der bereits sehr erfolgreiche Podcast (dem Vernehmen nach ca. 500.000 Hörer wöchentlich) sind dabei nur erste sichtbare Vorstufen eines Gesamtkonstrukts, das in der Vision Steingarts neue journalistische Maßstäbe setzen wird. Im deutschsprachigen Bereich gibt es nichts Vergleichbares; wer die Richtung erahnen will, sollte sich US-Medienmarken wie Politico oder Axios näher ansehen. Eine zentrale strategische Rolle kommt in Steingarts Konzept offenbar dem boomenden Medium Podcast zu: So hatte er jüngst angekündigt, noch in diesem Jahr “fünf bis zehn” neue Formate zu starten.

Insidern des Hauptstadt-Medienbusiness ist nicht verborgen geblieben, dass intensive Verhandlungen mit potentiellen Investoren seit längerem im Gange sind – dennoch ist es derzeit offen, wen der ehemalige Handelsblatt-Chef am Ende als Partner präsentieren wird. Laut manager magazin sollen neben Verlagshäusern auch “medienferne Investoren” zu den Gesprächspartnern Steingarts zählen. “Sehr intensiv” seien die Kontakte zu Axel Springer, so der Bericht. Allerdings gebe es unterschiedliche Einschätzungen zum “Wertansatz seines Startups”, weswegen “einzelne potenzielle Mitgesellschafter abgewunken” hätten. Eine Springer-Unternehmenssprecherin wollte gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Spekulationen über eine Beteiligung nicht kommentieren, auch Steingart lehnte eine Stellungnahme ab.

Reichweite und Marke first, Refinanzierung später: das Startup ist eine Wette auf die digitale Medienzukunft

So ist nicht der millionenschwere Einstieg eines Finanzinvestors die News der Stunde, sondern eine Personalie, deren Sinn sich nur auf den ersten Blick nicht erschließt. Denn der Chefredakteur der Rheinischen Post mit Sitz in Düsseldorf, der nach MEEDIA-Informationen nach der Sommerpause seinen neuen Job in Berlin antreten wird, ist mit der Hauptstadt bestens vertraut und gilt dort als exzellent vernetzt. 2007 wechselte der damals 30-Jährige als Redakteur ins Berliner RP-Büro als Wirtschafts- und Finanzkorrespondent, 2010 übernahm er die Leitung der Parlamentsredaktion, bevor er 2014 zum Chefredakteur berufen wurde.

Anzeige

Presseanfragen über die Hintergründe seiner Entscheidung beantwortete Bröcker nicht. Aber dass ihn nach Jahren des Regionalzeitungs-Machens eine neue Herausforderung und auch die unternehmerische Perspektive reizt, beschreibt der scheidende RP-Chef in einem persönlichen Statement bei Facebook (siehe unten). Mit 42 ist der studierte Politikwissenschaftler und Diplom-Volkswirt eine Journalisten-Generation jünger als Steingart und offensichtlich wie dieser von der Abenteuerlust gepackt, sich als Medienunternehmer in herausfordernden Zeiten zu beweisen. Wie der frühere Holtzbrinck-Manager, dem es mit Veränderungen oft nicht schnell genug gehen konnte, sieht Bröcker bei Media Pioneer vor allem Chancen, nicht das Risiko.

Der Noch-Blattmacher der RP wird seinen Wohnsitz nach Berlin verlegen. Das Bündnis Bröcker & Steingart scheint auf Dauer angelegt; Bröcker wird dabei nach MEEDIA-Informationen als Erster Journalist, Steingart als Herausgeber fungieren. Das journalistische Team um das Führungsduo soll in den kommenden Monat auf rund 30 Köpfe ausgebaut werden. Bereits an Bord sind u.a. der ehemalige Chefredakteur des Berliner Rundfunks, Mark Schubert, die frühere Eventmanagerin der Boston Consulting Group, Charlotte Schüller sowie die US-Amerikanerin Chelsea Spieker, vormals Handelsblatt Global Edition.

 

Das nicht unerhebliche laufende Investment in seine Pioneer-Truppe, die sich weiterhin auf den Aufbau von Marke und Reichweite konzentriert und derzeit keine Einnahmen vorzuweisen hat, stemmt Steingart vorerst aus eigener Kraft und wohl durchaus mit Kalkül. Die Logik dahinter: Je mehr sein Audience wächst, desto höher könnte die Unternehmesbewertung von Media Pioneer ausfallen. Und sollte es mit dem Startup tatsächlich gelingen, den Beweis der Refinanzierbarkeit von werbefreiem Qualitätsjournalismus zu führen, wäre dies für die gesamte Branche eine Pionierleistung – ein Grund mehr, warum die Medienmanager der Republik den Launch des Portals von Steingart & Co. sehr genau verfolgen dürften.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia