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Sie wurden gepalmert! Wie der Grüne OB Boris Palmer mit Provokationen enorme Social-Media-Reichweiten generiert

Bahn frei Schnauze: Boris Palmer springt mal wieder auf den Provo-Zug auf
Bahn frei Schnauze: Boris Palmer springt mal wieder auf den Provo-Zug auf © imago/Reiner Zensen/ Deutsche Bahn AG/ Montage: MEEDIA

Der Grüne Politiker Boris Palmer ist vermutlich einer der bekanntesten Oberbürgermeister Deutschlands, der bekannteste einer mittelgroßen Stadt (Tübingen) mit ziemlicher Sicherheit. Das liegt vor allem daran, wie Palmer Facebook nutzt. Immer wieder provoziert er in den sozialen Medien - mal mit Gaga-Aktionen, mal mit Meinungsäußerungen, die Fans und Feinde in Scharen anlocken. Aktuell zieht seine Kritik an Werbefotos der Deutschen Bahn enorme Kreise. Ein Kommentar.

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Auf der Einstiegsseite der Reiseauskunft der Bahn ist eine Collage mit fünf Bildern zu sehen: Ein schwarzer Mann, der etwas isst, ein mittelalter Mann mit Glatze und Bart im Businesshemd, der augenscheinlich auf einen Bildschirm schaut, eine junge Frau mit Kopfhörern, die ein Tablet in der Hand hält, eine junge, schwarze Mutter mit Kind, ein junger, blonder Mann, der einen Kaffee trinkt. Palmer findet diese Foto-Ansammlung irgendwie daneben und er fragt: “Welche Gesellschaft soll das abbilden?” Die kurze Antwort “unsere” reicht natürlich nicht. Palmer meint, dass es hier um Identitätspolitik geht und deutet damit stark an, dass er hier nicht die deutsche Gesellschaft gespiegelt sieht, weil halt zu viele ausländisch aussehende Leute abgebildet seien.

In einem späteren Posting führt er das näher aus: “Für mich als Betrachter sind diese fünf Bilder von Personen, die ich nicht kenne, in der Auswahl erklärungsbedürftig. Nur eine der fünf Personen scheint keinen Migrationshintergrund zu haben. Das ist ungewöhnlich und ich würde gerne die Absicht dahinter verstehen.” Wen er “ohne Migrationshintergrund zu erkennen glaubt, sagt er nicht. Vermutlich Nico Rosberg, den blonden Mann, der aber lustigerweise nicht nur Bahn-Testimonial ist (genau wie TV-Moderatorin Nazan Eckes, die junge Frau mit Tablet, und TV-Koch Nelson Müller, der schwarze Mann), sondern auch noch Sohn einer deutschen Mutter und eines finnischen Vaters. Der blonde Rosberg hat also auch “Migrationshintergrund”, wenn man so will. Und sowohl Nelson Müller als auch Nazan Eckes sind beide in Deutschland aufgewachsene Deutsche, Eckes sogar in Köln geboren.

Es scheint Palmer also um Äußerlichkeiten zu gehen. Etwa um die Hautfarbe? Hier von Rassismus zu sprechen, ist wohl nicht verkehrt. Palmer versucht in einem dritten Posting zu retten, was nicht mehr zu retten ist:

Nehmen wir einfach mal an, die Deutsche Bahn würde auf der Startseite fünf Bilder mit sechs Menschen zeigen, die allesamt weiß und in der Mehrheit männlich wären. Würde es dann nicht ganz automatisch eine Diskussion über Rassismus und Machos bei der Bahn geben?

Ja, würde es vielleicht geben. Aber die Bahn hat ja im vorliegenden Fall eben nicht fünf Bilder mit schwarzen Menschen gezeigt. Oder fünf Bilder mit Asiaten. Die Bahn hat eine gewisse Vielfalt an Typen, Hautfarben, Altersstufen gezeigt. Drei davon (Eckes, Müller, Rosberg) sind sogar Werbepartner des Unternehmens, was Palmer nicht erkannt hat. Warum sollte die Bahn ihre Werbepartner nicht auf ihrer Webseite zeigen? Weil sie “zu schwarz”, “zu divers” sind? Einen solch irren Gedanken hätte vermutlich auch Palmer nicht, der die gezeigten Personen wohl für Werbe-Models hielt. Das macht seine Einlassungen aber nicht besser.

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So sehr sich Palmer hier in identitätspolitische Spinnereien verrannt hat, so sehr erstaunt die Massivität der Reaktionen auf seine Postings. Das erste Bahn-Posting erreichte in noch nicht einmal 24 Stunden fast 5.000 Kommentare und knapp 2.000 Interaktionen. Das Follow-up, in dem sich Palmer die Replik der Bahn vornimmt, kam in 16 Stunden auf knapp 4.000 Kommentare und über 2.000 Interaktionen. Teil 3 des Bahn-Triptychons von Boris Palmer schaffte bisher in 3 Stunden fast 1.000 Kommentare und knapp 1.000 Interaktionen. Das Tempo und die erzielten Reichweiten sind atemberaubend.

Für Palmer ist nicht neu, wie er in Social Media wirkt. Er hat auch die extremen aktuellen Reaktionen erwartet, immerhin begann er sein erstes Bahn-Posting mit den Worten: “Der Shitstorm wird nicht vermeidbar sein.” Mittlerweile haben sich bereits zahlreiche Prominente im Social Web zu Palmers Bahn-Postings geäußert und auch seine eigene Partei hat sich (mal wieder) von seinen Einlassungen distanziert:

Das Posting der Grünen kam bei Facebook innerhalb von 16 Stunden auf 116 Kommentare und 519 Interaktionen. Kein Vergleich zur Social-Media-Rampensau Boris P.! Wäre es nicht toll, Boris Palmer würde seine enorme Social-Media-Reichweite nicht für dämliche Aktionen (“Soll ich bei Promi-Big-Brother mitmachen“) oder provozierenden Populismus nutzen, sondern für etwas Sinnstiftendes? Falsch gedacht! Es läuft anders: Palmer hat seine Reichweite nur wegen seiner unbändigen Lust an der Provokation. Das Social Web belohnt die Lauten, die Draufhauer, die Rüpel. Die Leisen, die Differenzierten werden viel weniger wahrgenommen.

Anders gesagt: Eine hohe Social-Media-Reichweite ist kein Ausweis für eine hohe inhaltliche Qualität, eher das Gegenteil ist der Fall. Boris Palmer ist der lebende Beweis.

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