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“Portfolioanalyse abgeschlossen”: Verlegerin Yvonne Bauer richtet das Magazin-Business für die Zukunft aus

Verlegerin Yvonne Bauer
Verlegerin Yvonne Bauer ©Bauer Media Group/ Montage: MEEDIA

Die Bauer Media Group steht vor größeren Veränderungen. Seit Herbst vergangenen Jahres macht sich die Verlegerin Yvonne Bauer mit Hilfe von Unternehmensberatern ein Bild davon, wie das Verlagsgeschäft in den einzelnen Märkten weitergeführt werden soll. Jetzt soll die Analyse demnächst abgeschlossen sein. Der Umbau könnte gewaltig sein: Denn es ist alles drin – von Akquisitionen, Verkäufen, einzelnen Titelschließungen bis zum Rückzug aus ganzen Segmenten.

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Vom reinen Verlagshaus zum Portfolio-Unternehmen: Radikal krempelt Yvonne Bauer derzeit das familieneigene Unternehmen um. Ob Publishing, Radio, Vergleichsplattformen bis zum Direktmarketing für Mittelständler – künftig soll das norddeutsche Medienhaus auf vier Säulen stehen. Doch die strategische Neuausrichtung sorgt in der Belegschaft für viel Unruhe, vor allem im Zeitschriftenbereich. Denn nach dem überraschenden Rückzug von Jörg Hausendorf als Chef für Publishing in Kontinentaleuropa befürchten hier viele Mitarbeiter, dass sie Opfer des neuen Konzernkurses werden.

Doch Yvonne Bauer bemüht sich mit allen Kräften, die Belegschaft zu beruhigen. Zuletzt in einem Brief an die Mitarbeiter vor zwei Wochen. „Unsere Umwandlung von einem reinen Verlagshaus zu einem Portfolio-Unternehmen hat die Besorgnis ausgelöst, dass wir an unser Verlagsgeschäft nicht mehr glauben“, schreibt sie an die Belegschaft. Und schiebt nach: „Das Gegenteil ist wahr. Das Verlagsgeschäft bleibt das Herz unseres Unternehmens“. Hier erziele der Familienbetrieb immer noch 75 Prozent seiner Umsätze sowie „exzellente Ergebnisse“, betont Bauer.

Doch in den nächsten Monaten könnte es turbulent zugehen. Seit Ende vergangenes Jahres nimmt der Verlag – mit Hilfe von Unternehmensberatern – das Publishing unter die Lupe. Gemeint sind der Vertrieb, Anzeigenverkauf, die 360-Grad-Vermarktung sowie die Zeitschriftentitel. Nun ist die Arbeit demnächst getan. „Im zweiten Quartal diesen Jahres haben wir unsere Portfolioanalyse abgeschlossen“, schreibt Yvonne Bauer den Mitarbeitern.

Im Verlag rechnet man deshalb damit, dass die Führungsspitze anschließend Entscheidungen fällt. Denn das Management um den früheren NZZ-Chef Veit Dengler hat sich viel vorgenommen. Es will sich auf Märkte und Teilmärkte fokussieren, in denen das Unternehmen entweder eine führende Stellung hat oder diese erreichen kann. Dazu sollen auch Akquisitionen, Launches neuer Titel und Produkte sowie der Ausbau und die Entwicklung von Geschäftsideen dienen. Ist dies nicht möglich, seien auch Verkäufe, die Schließungen von einzelnen Titeln bis zum Rückzug aus ganzen Segmenten drin, so eine Firmensprechern auf MEEDIA-Anfrage.

In Frankreich zumindest hat sich das Printhaus wohl für eine Vorwärtsstrategie entschieden. Dem Vernehmen nach plant Bauer hier zeitnah, eine Zeitschrift zu erwerben. Damit hält die Verlegerin wohl an dem Markt fest, obwohl in den vergangenen Monaten anderslautende Gerüchte die Runde machten. Zuletzt hatte sich Bauer aus diversen Auslandsmärkten zurückgezogen – darunter aus Tschechien und Slowakei.

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Auch im Anzeigenverkauf könnte sich einiges tun – vielleicht demnächst in Deutschland. Hier sondiert der Verlag Partnerschaften und Kooperationen, heißt es. In der Branche kursieren deshalb seit geraumer Zeit Gerüchte, dass Bauer und die zur Bertelsmann gehörende Ad Alliance, das Vermarktungsbündnis aus der RTL Group sowie dem Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr, über eine Partnerschaft sprechen. Angenähert hatte sich Bauer zuletzt mit dem Konkurrenten Gruner + Jahr im Vertrieb. Völlig überraschend bündeln die beiden Gesellschaften ihre Vertriebsaktivitäten in einem gemeinsamem Joint-Venture.

Eine Partnerschaft zwischen den Wettbewerbern könnte Sinn machen. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe will die Ad Alliance auf breitere Standbeine stellen und mittelfristig auch auf ausländische Märkte erweitern. Möglicherweise könnten hier Bauer und die Ad Alliance gemeinsame Sache machen. Sprecher von Bauer und der Ad Alliance wollten sich hierzu nicht äußern. Klar weist hingegen der Hamburger Klambt-Verlag Gerüchte zurück, ebenfalls mit der Ad Alliance über eine Kooperation zu reden. Ein Klambt-Sprecher: „Wir sind an einer Partnerschaft nicht interessiert“.

Gefunden hat die Verlegerin Yvonne Bauer inzwischen einen Finanzchef für das neue Publishing Board. Er ist Andrzej Choynowsky. Er wird diese Aufgabe zusätzlich zu seinem Posten als CFO der polnischen Aktivitäten übernehmen, bestätigt eine Verlagssprecherin. Choynowsky ist damit das vierte Mitglied in dem neu geschaffenen Publishing Board. Es besteht unter anderem aus dem Deutschlandchef Sven Dams, dem UK-Chef Rob Munro-Hall und der ehemaligen Lübecker Nachrichten-Verlagschefin Stefanie Hauer.

Update: Wie bereits erwähnt, will sich die Bauer Media Group stärker in Frankreich engagieren. So beabsichtigt die Verlagsgruppe, das Fernsehmagazin Télécâble Sat Hebdo zu erwerben. Der Titel gehört zur Hommell Group. Mit der Akquisition wolle Bauer seine Position auf dem französischen Markt stärken, heißt es. Der Zukauf sei Teil der globalen Verlagsstrategie des Verlages, in Produkte, Konzepte und Geschäftsmodelle “rund um seine starken Marken” zu investieren. Gleichzeitig beteilige sich der Verlag aktiv an der Konsolidierung der Branche und sucht nach Möglichkeiten in neuen Bereichen. Dazu Nicolas Sauzay, CEO von Bauer Media France: „Télécâble Sat Hebdo hat ein einzigartiges Angebot und eine sehr treue Leserschaft. Dies sind die Errungenschaften eines exzellenten Redaktionsteams und sensibler Verleger, die ihre Leserschaft gründlich kennen. Wir sind stolz darauf, die Erfolgsgeschichte dieser legendären Zeitschriftenmarke unter der Flagge der Bauer Media Group fortzusetzen.”

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