Anzeige

IVW-Blitz-Analyse Zeitungen: Welt bricht völlig ein, Zeit und Handelsblatt wachsen dank Digital-Lesern

Die überregionalen deutschen Tages- und Wochenzeitungen litten in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 weiter unter Auflagenschwund. Doch es gibt Ausnahmen: das Handelsblatt, Die Zeit und der Freitag steigerten sich gegenüber dem Vorjahr. Handelsblatt und Zeit aber nicht wegen mehr verkauften Papier-Zeitungen, sondern wegen mehr Digital-Lesern. Großer Verlierer des ersten Quartals: die Welt mit einem wahnsinnigen Minus von 17,0% bei Abos und Einzelverkauf.

Anzeige

An der Spitze der überregionalen Tageszeitungen gibt es eine Veränderung: Die Bild wird erstmals wieder ohne die im Dezember eingestellte Fußball Bild ausgewiesen. Trotzdem verlor sie im Vergleich zu den vorigen Quartalen etwas weniger Abos und Einzelverkäufe. Das Minus von 9,3% gegenüber dem Vorjahr ist natürlich dennoch weiterhin ein extremes. Auf 1,29 Mio. verkaufte Exemplare kommt das Boulevard-Blatt in den beiden wichtigen IVW-Kategorien noch.

4,5% und 3,3% büßten die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine im ersten Quartal ein, größere Verluste als zuletzt. Erneut minimal zulegen konnte das Handelsblatt. Was aber erneut nichts mit verkauften Papier-Zeitungen zu tun hat. Die Druckauflage der Zeitung ist im Vergleich zum ersten Quartal 2018 nämlich um weitere 9,8% gesunken – auf 81.721 Exemplare. Dennoch verkauft sich das Handelsblatt 134.515 mal, in den beiden wichtigen Kategorien Abos und Einzelverkauf 89.381 mal. Mehr Verkäufe als gedruckte Exemplare also. Des Rätsels Lösung: Die harte Auflage besteht inzwischen zu mehr als der Hälfte aus Digital-Abos. 48.324 sind es, ein weiterer Anstieg um mehr als 6.000 gegenüber dem Vorjahr. Weniger Papier und mehr Digitales ergibt unter dem Strich eine Steigerung der Verkaufszahl um 45 Exemplare.

Dramatischer Verlierer des Quartals ist hingegen die Welt. Ihre Abos und Einzelverkäufe brachen gleichermaßen ein, insgesamt um heftige 17,0%. Nur noch 70.101 Kunden verzeichnet das Springer-Blatt. Zwar verkündete Springer im März, dass sich „die Vertriebsstrategie des gedruckten Kernprodukts Die Welt künftig noch konsequenter ausschließlich am zahlenden Leser“ orientiert, also „mit einer klaren Konzentration auf den Einzelverkauf (EV) und die Abo-Auflage“, doch gerade hier rauschte die Auflage um diese extremen 17,0% nach unten.

Glimpflich davon kam hingegen die taz, die nur 1,0% einbüßte, im Einzelverkauf gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar zulegte.

Überregionale Tageszeitungen im 1. Quartal 2019 (nur Abo+EV)

Platz Titel Abo+EV / 2019-I 2018-IV vs. 2018-I / absolut 2018-IV vs. 2018-I / in %
1 Bild 1.291.147 -131.681 -9,3
2 Süddeutsche Zeitung 284.981 -13.485 -4,5
3 Frankfurter Allgemeine 193.409 -6.562 -3,3
4 Handelsblatt 89.381 45 0,1
5 Welt Print werktag (Welt + Welt Kompakt) 70.101 -14.359 -17,0
6 taz.die tageszeitung gesamt 43.110 -445 -1,0
7 Neues Deutschland Gesamt 21.820 -1.552 -6,6
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA				

Bei den Wochen- und Sonntagszeitungen bleibt die Bild am Sonntag zwar die klare Nummer 1, sie verliert aber weitere 7,8% ihrer Abos und Einzelverkäufe. Immerhin: Im vierten Quartal ging es um mehr als 11% nach unten, da sind die 7,8% ein Schritt in die richtige Richtung. Deutlichere Verluste als zuletzt verzeichnen hingegen die Welt am Sonntag und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

2.990 Käufer gewonnen hat unterdessen Die Zeit. Sie steigerte ihre Auflage bei den Abos und Einzelverkäufen damit um 0,7% auf 404.097 Exemplare. Wie beim Handelsblatt kam auch das Zeit-Plus durch zusätzliche Digital-Leser zustande. Die Zahl der Abos stieg hier um fast 12.000 Exemplare an, die der Papier-Abos schrumpfte hingegen. Aber: Bei den Einzelverkäufen ging es auch für die Papier-Zeit nach oben: um immerhin 1,8% auf 60.135 in Kiosken, Supermärkten, etc. abgesetzten Zeitungen.

Bei den kleineren Titeln wuchs der Freitag um deutliche 3,3% – und das nicht nur wegen Digital-Abos, sondern auch wegen eines Papier-Plus bei Abos und Einzelverkauf. Katholische Sonntagszeitung, Junge Freiheit, Parlament und Jüdische Allgemeine Wochenzeitung liegen hingegen unter den Vergleichszahlen des Vorjahres.

Wochen- und Sonntagszeitungen im 1. Quartal 2019 (nur Abo+EV)

Platz Titel Abo+EV / 2019-I 2018-IV vs. 2018-I / absolut 2018-IV vs. 2018-I / in %
1 Bild am Sonntag 706.133 -60.010 -7,8
2 Die Zeit 404.097 2.990 0,7
3 Welt am Sonntag (+kompakt) 207.630 -12.675 -5,8
4 Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 195.386 -7.074 -3,5
5 Katholische SonntagsZeitung für Deutschland (gesamt) incl. Neue Bildpost 30.869 -2.190 -6,6
6 Junge Freiheit 23.549 -608 -2,5
7 der Freitag 20.687 664 3,3
8 Das Parlament 6.785 -48 -0,7
9 Jüdische Allgemeine Wochenzeitung für Politik, Kultur, Religion und Jüdisches Leben 4.213 -242 -5,4
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA				

Anzeige