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Algorithmus-Schluckauf bei YouTube: Wirbel um 9/11-Infos in Livestreams von Notre-Dame

Der Großbrand von Notre-Dame
Der Großbrand von Notre-Dame ©Julien Mattia/Le Pictorium Agency via ZUMA/dpa

Bei Livestreams zum Brand von Notre-Dame sorgte YouTube für Irritationen: Vielen Nutzern wurden fälschlicherweise Informationen zu den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York angezeigt. Was eigentlich im Kampf gegen Fake-News unterstützen soll, lässt angesichts der Debatte um Uploadfilter an der Ausgereiftheit automatisierter Inhalteerkennung zweifeln.

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Im Kampf gegen Fake-News und Misinformation testet YouTube seit einiger Zeit Tools, die Nutzern dabei helfen sollen, bei Großereignissen auf geprüfte Informationen zugreifen zu können. Dafür arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit Partnern zusammen. Gedacht ist das als sinnvolle Hilfe vor allem bei Livestreams und Ereignissen, bei denen innerhalb kürzester Zeit viele Inhalte auf der Plattform hochgeladen werden. In der Vergangenheit wurden solche Vorfälle immer wieder zu Propagandazwecken oder genereller Meinungsmache mit gefakten Aufnahmen missbraucht (MEEDIA berichtete).

Auch beim Großbrand von Notre-Dame am Montag starteten mehrere Nachrichtensender bei YouTube Livestreams von den Löscharbeiten. Die Ursache für den Brand war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Zumindest war aber nicht die Rede von einem terroristischen Anschlag.

Verwirrung um 9/11-Informationen bei YouTube

Doch offenbar hatte YouTube die Livestreams als Umfeld für mögliche Misinformation “geflagged”. Und so war für Nutzer unter den Livestreams eine graue Bauchbinde mit dem Titel “September 11 attacks” zu lesen. Darunter ein Link zur Encyclopedia Britannica. Wer darauf klickte, wurde auf die Seite der Enzyklopädie weitergeleitet.

YouTube reagierte zügig und deaktivierte die automatisierte Einblendung nach einigen Minuten. Doch mittlerweile war schon eine Diskussion darüber entstanden, was passiert, wenn Tech-Konzerne Berichterstattung betreiben. Joshua Benton vom Nieman-Lab kritisierte, dass es bis dato keine Anzeichen eines Terroranschlags gab:

Ryan Broderick von BuzzFeed News nahm das Thema ebenfalls auf:

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Im März hatte YouTube bereits bekanntgeben, stärker gegen Fake-News vorzugehen. Zunächst in Indien sollte ein Disclaimer bei bestimmten Suchanfragen, bei denen die Ergebnisse mitunter zu Misinformation führen könnten, angezeigt werden. Darin wird dann auf die Falschinformation hingewiesen und auf einer externen Seiten mehr Inhalt zum Thema angeboten.

Brennende (Kirch)-Türme verwechselt?

“Als Teil unserer kontinuierlichen Bemühungen, ein besseres Nachrichtenerlebnis auf YouTube zu schaffen, erweitern wir unsere Informationspanels, um Faktenprüfungen von berechtigten Verlagen auf YouTube zu bringen”, erklärte ein Sprecher von YouTube gegenüber BuzzFeed News. Wann das Feature in anderen Ländern ausgerollt wird, wollte das Unternehmen nicht verraten. Wichtiges Detail: Die Informationen zeigt Youtube automatisch an. Automatisch heißt in diesem Fall: Auf Basis von Algorithmen werden entsprechende Hinweise für Nutzer ausgespielt.

Offenbar sorgte genau diese automatisierte Ausspielung für Verwirrung. Vorstellbar ist, dass die interne Videoanalyse-Software die gestreamten Bilder misinterpretiert hat und im brennenden Kirchtum fälschlicherweise die Zwillingstürme in New York gesehen hat. Zumindest lassen sich grob betrachtet zwischen den Aufnahmen der brennenden Kirche und dem ausgespielten 9/11-Motiv Parallelen erkennen. Ein Mensch hätte die Unterschiede dennoch bemerkt.

Der Bug kommt zur Unzeit

Auch wenn YouTube fix reagierte: Der “Bug” kommt zur doppelten Unzeit. Zum einen sind große Plattformen wie Facebook und YouTube schon länger in der Kritik, zu wenig gegen Fake-News zu unternehmen bzw. sogar zu deren Verbreitung beizutragen.

Zum anderen befürchten Kritiker der EU-Urheberrechtsform , dass mit dem Einsatz sogenannter Uploadfilter zu häufig Inhalte falsch erkannt und deswegen nicht hochgeladen werden könnten. Nun lieferte ausgerechnet die größte Video-Plattform der Welt gute Gründe, an der Ausgereiftheit der technischen Umsetzung zu zweifeln – und sorgte mit der falschen Zuordnung mehr für Verwirrung als Aufklärung.

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