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#TwitterDuldetNazis: Plattform steht nach #Abschiebechallenge der NPD in der Kritik

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Dass Rechte in einer "AbschiebeChallenge" Menschen nominieren, die sie gerne des Landes verweisen würden, ist schon perfide genug. Doch während sich die Twitter-Community aufmerksamkeitswirksam gegen die rechte Hetze solidarisiert, versagt das Social Network. Unter dem Hashtag #TwitterDuldetNazis machen Nutzer ihrem Unmut Luft.

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Durch eine Reihe von Tweets von Prominenten und Politikern war der Hashtag #Abschiebechallenge am Mittwoch in die Öffentlichkeit gerückt. Dahinter steckt eine Aktion der rechtsradikalen Partei NPD, deren Politiker und Anhänger sich mit einem Blatt Papier fotografieren ließen, auf dem der Name einer Person zu lesen ist, die sie gern abschieben würden. Zu lesen sind dort dann Namen wie Sawsan Chebli, Hatice Akyün, Deniz Yücel und Dunja Hayali. Zu sehen u.a. in einem Tweet Hayalis.

Die NPD-Postille “Deutsche Stimme” jubilierte am Mittwoch: “Die “Abschiebechallenge” geht viral”. Allerdings oder vor allem kam die unsägliche Challenge in die Öffentlichkeit, weil sie auf großen Gegenwind stieß. Unter den Tweets mit den meisten Likes und Retweets finden sich ausschließlich kritische Stimmen. Erst dahinter folgt der NPD-Chef Frank Franz. Der populärste Tweets kam dabei vom Comedian und Autor Markus Barth.

Auch Dunja HayaliRalph Ruthe und der Twitter-Account der “Late Night Berlin” mischten sich ein:

Für Ayla Mayer von Spiegel Online haben die Rechten damit ihr Ziel erreicht. Im Morning Briefing schreibt sie:

Die Zahl der Akteure war gering. Was folgte, war eine große Welle der Solidarität und der Wut – und in der Umsetzung liegt das Problem. Denn allein das Verbreiten von Screenshots (einige wenige Medien bauten diese sogar in ihre Berichterstattung ein) bescherte den Initiatoren eine hundertfach höhere Sichtbarkeit und Reichweite, als sie aus eigener Kraft je erreicht hätten.

Mittlerweile gerät auch Twitter verstärkt in der Kritik. Denn bislang scheinen die rechten Abschiebe-Tweets trotz zahlreicher Meldungen von Twitter nicht gesperrt worden zu sein. Unter #TwitterDuldetNazis machen die Nutzer ihrem Unmut Luft.

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Bei den Absagen verweist Twitter immer wieder auf sein Regelwerk. Das liest sich angesichts der aktuellen Situation fast schon zynisch:

Du darfst andere nicht gezielt belästigen oder andere Personen dazu aufrufen. Als missbräuchliches Verhalten betrachten wir einen Versuch, eine Person zu belästigen, einzuschüchtern oder zum Schweigen zu bringen.

Und weiter:

Du darfst keine Gewalt gegen andere Personen fördern, insbesondere nicht aufgrund der Abstammung, der ethnischen Zugehörigkeit, der nationalen Herkunft, der sexuellen Orientierung, des Geschlechts, der Geschlechtsidentität, der religiösen Zugehörigkeit, des Alters, einer Behinderung oder einer Krankheit, noch darfst du sie aus diesen Gründen bedrohen oder belästigen. In diesem Artikel findest du weitere Informationen über unsere Richtlinie zu Hass schürendem Verhalten.

Bislang schweigt sich das Social Network dazu aus. Stattdessen bewirbt man lieber den neuen “Dark Mode” für die iPhone-App. Es geht einmal mehr um die Frage, ob und in welchem Umfang Social Networks für die Inhalte auf ihren Plattform verantwortlich sind. Facebook hatte zuletzt vermehrt angekündigt, gegen Hatespeech und Hetze auf seinen Seiten vorzugehen. Wie schlecht das mitunter funktioniert, davon zeugt auch die #Abschiebechallenge. So wurden Nutzern die NPD-Beiträge gar als Werbung ausgespielt. Und auch YouTube steht dieser Tage verstärkt in der Kritik.

In einem umfangreichen Report zeichnete die US-Nachrichtenagentur Bloomberg nach, wie die das Unternehmen in großem Stil versagt, problematische Inhalte auf seiner Plattform unter Kontrolle zu bringen. Schlimmer noch: Hochrangige Mitarbeiter erklären, dass die Steigerung von Reichweite als wichtiger erachtet wird, als das Filtern von teils hochproblematischen Videos. YouTube erklärt hingegen, seine Bemühungen verstärkt zu haben.

Ähnlich äußerte sich auch Twitter immer wieder. Aktuell bleibt nur festzustellen: Es ist zu wenig. Was man als Nutzer tun kann, um gegen rechte Hetze vorzugehen, solange die Plattformen versagen, hat Mayer zusammengefasst. Allen voran sollte gelten: “Geben Sie ihnen keine Reichweite!”

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Alle Kommentare

  1. Schön, dann wären twitter, instagram, facebook, youtube und andere also “Nazi frei”. Warum ist das nicht längst so?

    Eigentlich müßte Herr Maas nur seine Frau Kahane instruieren und dann wäre zumindest facebook ruckzuck “Nazi frei”. Nahezu “Napoleon Bonaparte frei” ist facebook ja bereits. Bei Zitaten von Napoleon klappte das Löschen und Sperren doch auch …

  2. Hysterische Linkspopulisten, um die Deutungshoheit fürchtend, werden von der NPD mit Nasenring durch die Manege gezogen. Schon geil.
    Und dann der Ruf nach Strafe, massiver Einschränkung von Menschen- und Grundrechten, leichtfertige Attestierug von Geisteskrankheit, Hass und Absprechung jeglicher Menschenwürde, Abschaffung der Demokratie und Boykottaufrufe gegen jeden, der nicht mitzieht.
    Sowas ist einfach unbezahlbar.
    Zeigt sich dadurch doch gerade, welch Geisteskind diejenigen sind, die schon bei dem Wort Abschiebechallenge in unkontrolliertes, verbales Zucken geraten und tatsächlich glauben, sie befinden sich auf der “richtigen” Seite und deshalb Hitlers Methoden im Umgang mit unliebsamen Mitmenschen heute noch berechtigterweise anwenden dürfen. Ziemlich traurig.

  3. Alles nicht so optimal, aber gleich Nazis zu krähen, macht die Sache auch nicht besser. Das eigentlich pervide ist doch, dass nunmehr Heikos Meinungshoheitsgesetz Anwendung finden soll. Daran stört sich aber keiner. Komische Welt

    1. Klaas zeigt seinen Folgern wie man Tweets zur Anzeige bringt, mal unabängig davon wie die juristisch zu bewerten sind, wie armselig ist das ?!

      Wir erleben gerade wie eine ganze Gedanken-Welt vor unseren Augen stirbt.

  4. Wie lange wird es dauern, bis sich auch unter diesem Text Nazis wie immer äußerst meinungsstark und argumentationsschwach äußern werden? Auch für die Handelsblatt Media Group GmbH & Co. KG stellt das höchstens eine “Problemchen” dar, dass man getrost ignorieren kann, bis es zu spät (oder das Ziel erreicht) ist.

  5. Wird immer peinlicher für die Linken und zeigt ihren politischen Abstieg, jetzt schafft es sogar schon die NPD im Netz mehr Welle zu machen als die Progressiven.

    1. “Welle machen” als ein positives Qualitätsmerkmal? Der geistige Aufstieg mancher scheint schon früh ausgesetzt zu haben.

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